Firmenkarte (Commercial Card)
Eine Firmenkarte ist eine auf ein Unternehmen ausgestellte Karte für Geschäftsausgaben. Sie fällt nicht unter die EU-Deckelung des Interbankenentgelts und kostet Händler deutlich mehr.
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Eine Firmenkarte ist eine Zahlungskarte, die auf ein Unternehmen, eine Behörde oder einen Selbständigen ausgestellt ist, auf Geschäftsausgaben beschränkt bleibt und über ein Firmenkonto abgerechnet wird. Für Händler ist sie der teuerste Kartentyp: Die EU-Deckelung des Interbankenentgelts gilt für Firmenkarten nicht. Je nach Kartenprogramm liegt dieser Posten meist zwischen 1,3 % und 2,4 % statt bei gedeckelten 0,3 %.
Warum Firmenkarten aus der Deckelung fallen
Die Verordnung (EU) 2015/751 begrenzt das Interbankenentgelt seit dem 9. Dezember 2015 auf 0,2 % bei Verbraucher-Debitkarten und 0,3 % bei Verbraucher-Kreditkarten. Firmenkarten nimmt sie ausdrücklich aus. Maßgeblich ist dabei nicht der Aufdruck auf der Karte, sondern die Haftung. Nur wenn das Unternehmen haftet und dessen Konto belastet wird, greift die Ausnahme. Eine Business-Karte, für die eine Privatperson haftet, bleibt eine regulierte Verbraucherkarte.
Der Aufschlag trifft die größte Komponente Ihres Disagios. Interchange, Scheme-Fee und Acquirer-Marge ergeben zusammen den Satz auf Ihrer Abrechnung. Bei Firmenkarten wächst der erste Block auf ein Vielfaches, während die beiden anderen unverändert bleiben. Verhandeln lässt sich dieser Teil nicht, weil ihn das Kartennetzwerk setzt und nicht Ihr Acquirer.
Rechenbeispiel: Tagungshotel mit 20 % Firmenkarten
Ein Tagungshotel mit zwei Häusern setzt 1,8 Mio € im Jahr über Karten um. Geschäftsreisende zahlen häufig mit der Karte ihres Arbeitgebers, sodass 20 % des Umsatzes über Firmenkarten laufen, also 360.000 €. Bei einem repräsentativen Interchange-Satz von 1,8 % kostet dieses Segment 6.480 € im Jahr. Über gedeckelte Verbraucher-Kreditkarten mit 0,3 % wären es 1.080 € gewesen.
+5.400 €
Mehrkosten pro Jahr durch Firmenkarten
Tagungshotel, 360.000 € Firmenkarten-Umsatz: 1,8 % Interbankenentgelt statt gedeckelter 0,3 %
Diese Differenz entsteht vor Scheme-Fees und Marge, sie betrifft also einen einzigen Posten. In einem pauschalen Vertrag taucht sie nirgends auf, weil der Mischsatz alle Kartenarten zusammenzieht. Jede günstige girocard-Zahlung trägt den Aufschlag des teuren Segments dann mit.
So erkennen Sie den Anteil auf Ihrer Abrechnung
Unter Blended-Pricing sehen Sie eine einzige Zahl und damit den Firmenkarten-Anteil nicht. Unter IC++ oder Pass-Through weist die Abrechnung das Interbankenentgelt je Transaktion aus, und Firmenkarten stehen als eigene Kategorie mit Bezeichnungen wie Commercial, Business, Corporate oder Purchasing. Als Faustregel gilt: Jede Zeile über 0,3 % kann keine regulierte Verbraucherkarte sein.
Lassen Sie sich vom Acquirer eine Aufschlüsselung nach Kartenart über drei Monate geben. Danach steht Ihr Firmenkarten-Anteil als belastbare Zahl in Ihrem Kartenmix, statt als Vermutung. Betriebe mit Geschäftsreise-, Großhandels- oder Bürobedarfs-Publikum liegen dabei regelmäßig über dem Durchschnitt.
Welche Hebel bleiben
Am Interbankenentgelt selbst ändert sich nichts. Beweglich sind drei andere Punkte. Erstens die Marge Ihres Acquirers, der einzige frei verhandelbare Teil des Satzes. Zweitens ein Aufschlag auf Firmenkartenzahlungen in Höhe der tatsächlich entstandenen Kosten: Das Entgeltverbot des § 270a BGB knüpft an die regulierten Kartenzahlungen an und greift bei Firmenkarten nicht. Drittens die Lenkung sehr großer Beträge auf Überweisung oder Lastschrift, denn eine Kartenzahlung über 8.000 € kostet bei 1,8 % allein an diesem Posten 144 €.
Häufige Fragen
Muss ich Firmenkarten akzeptieren, wenn ich Kreditkarten annehme?
Woran erkenne ich eine Firmenkarte?
Wird die Deckelung auf Firmenkarten ausgeweitet?
Auch genannt
Commercial Card · Firmenkreditkarte · Business-Karte · Corporate Card · Geschäftskreditkarte
Verwandte Begriffe
- InterchangeDas Interchange-Entgelt fließt vom Acquirer an die kartenausgebende Bank des Kunden. In der EU ist es gesetzlich gedeckelt: 0,2 % bei Verbraucher-Debit-, 0,3 % bei Verbraucher-Kreditkarten.
- KartenmixDer Kartenmix ist die Verteilung der Umsätze über Kartenarten (Debit, Kredit, Firmen-, Auslandskarten). Er bestimmt die effektiven Gebühren stärker als jeder Verhandlungstrick.
- IC++ (Interchange++)IC++ ist ein transparentes Preismodell, das jede Transaktion in drei offen ausgewiesene Bausteine zerlegt: Interchange + Scheme-Fee + Acquirer-Marge.
- Blended-PricingBeim Blended-Pricing zahlt der Händler für jede Karte denselben Mischsatz: einfach abzulesen, aber intransparent, weil Interchange, Scheme-Fee und Marge nicht getrennt ausgewiesen werden.