Blended-Pricing
Beim Blended-Pricing zahlt der Händler für jede Karte denselben Mischsatz: einfach abzulesen, aber intransparent, weil Interchange, Scheme-Fee und Marge nicht getrennt ausgewiesen werden.
Aktualisiert am
Blended-Pricing, auch Mischkalkulation genannt, bündelt alle Kostenbestandteile einer Kartenzahlung in einem einzigen Prozentsatz. Ob günstige EWR-Debitkarte oder teure Firmenkarte: Der Händler zahlt für jede Transaktion denselben Mischsatz, zum Beispiel pauschal 1,4 Prozent vom Umsatz.
Der Reiz liegt in der Einfachheit. Auf der Abrechnung steht eine einzige Zeile mit einem Prozentsatz, ohne weitere Aufschlüsselung. Diese Übersichtlichkeit hat ihren Preis. Im Mischsatz verschwinden der Interchange, die Scheme-Fee und die Marge des Acquirers zu einer einzigen Größe. Keiner der drei Posten bleibt für den Händler einzeln erkennbar, und genau das erschwert die Beurteilung, ob der Preis fair ist. Für die Verhandlung fehlt damit jeder Ansatzpunkt, weil sich kein einzelner Bestandteil gezielt hinterfragen lässt.
Warum der Mischsatz oft zu hoch liegt
Ein Acquirer kalkuliert den Blended-Satz auf den teuersten realistisch erwartbaren Kartenmix. Zahlt ein Betrieb überwiegend mit günstigen Debitkarten, deren regulierter Interchange bei nur 0,2 Prozent liegt, dann bleibt die Differenz zwischen diesem tatsächlichen Interchange und dem pauschalen Mischsatz beim Acquirer. Diese Differenz ist reiner Aufschlag. Weil der Mischsatz sie verdeckt, fällt sie im Tagesgeschäft nicht auf. Hier entsteht der Nachteil gegenüber IC++, das jeden Posten offen ausweist und Interchange-Senkungen an den Händler weitergibt.
Mischsatz und aufgeschlüsselter Satz nebeneinander
Ein Einzelhändler mit zwei Standorten setzt 1,2 Mio Euro im Jahr über Karten um, überwiegend mit Girocard und Debit. Bei einem Blended-Satz von 1,4 Prozent zahlt er rund 16.800 Euro Kartengebühren im Jahr. Der tatsächliche Interchange für diesen Kartenmix liegt oft bei 0,3 bis 0,4 Prozent, die Scheme-Fee im niedrigen Promillebereich. Selbst mit einer fairen Acquirer-Marge summieren sich die echten Kosten häufig auf 0,7 bis 0,9 Prozent, also etwa 8.400 bis 10.800 Euro. Die Lücke von mehreren Tausend Euro pro Jahr macht erst eine Konditionsanalyse sichtbar. Zum Vergleich: Derselbe Umsatz kostet bei einem sauber verhandelten Pass-Through-Modell oft mehrere Tausend Euro weniger im Jahr, ohne dass sich am Zahlungsverhalten der Kunden etwas ändert.
Blended-Pricing ist nicht in jedem Fall die schlechtere Wahl. Bei sehr niedrigem Kartenumsatz oder einem hohen Anteil teurer Kredit- und Firmenkarten kann ein fest verhandelter Mischsatz sogar günstiger sein als ein Pass-Through-Modell mit festen Kosten je Transaktion. Entscheidend bleibt der reale Kartenmix. Wer ihn kennt, kann beide Modelle sauber gegenrechnen und den Acquirer auf eine überhöhte Differenz ansprechen. Ohne diese Zahlen bleibt der Mischsatz eine Blackbox.
Häufige Fragen
Was ist ein Blended-Satz?
Warum ist Blended-Pricing oft teurer?
Wann ist Blended-Pricing sinnvoll?
Auch genannt
Mischpreis · Blended Rate · Mischkalkulation · Pauschalsatz
Verwandte Begriffe
- IC++ (Interchange++)IC++ ist ein transparentes Preismodell, das jede Transaktion in drei offen ausgewiesene Bausteine zerlegt: Interchange + Scheme-Fee + Acquirer-Marge.
- DisagioDas Disagio ist das prozentuale Entgelt, das ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer abführt, typischerweise zwischen 0,3 % und über 2 % je nach Kartenmix und Modell.
- KartenmixDer Kartenmix ist die Verteilung der Umsätze über Kartenarten (Debit, Kredit, Firmen-, Auslandskarten). Er bestimmt die effektiven Gebühren stärker als jeder Verhandlungstrick.
- Pass-Through-PricingPass-Through-Pricing reicht Interchange und Scheme-Fees in tatsächlicher Höhe an den Händler durch; verhandelt wird nur die separat ausgewiesene Acquirer-Marge.
- InterchangeDas Interchange-Entgelt fließt vom Acquirer an die kartenausgebende Bank des Kunden. In der EU ist es gesetzlich gedeckelt: 0,2 % bei Verbraucher-Debit-, 0,3 % bei Verbraucher-Kreditkarten.
- Scheme-FeeScheme-Fees sind die Entgelte der Kartennetzwerke Visa und Mastercard für die Nutzung ihrer Infrastruktur: meist mehrere kleine Posten, in Summe oft 0,1–0,3 % zuzüglich Fixbeträgen.
Verwandte Beiträge
- Kartengebühren erhöht: berechtigt oder Margengriff?Ein Erhöhungsschreiben beruft sich auf gestiegene Scheme Fees. Wie Sie prüfen, welcher Teil sachlich begründet ist und welcher reine Marge, und die Ankündigung zum Nachverhandeln nutzen.
- Eigener Acquiring-Vertrag oder Sammelvertrag: Was die Flatrate den Mittelstand kostetDie Aggregator-Flatrate von 1,39 Prozent überzahlt ab einer Million Euro Kartenumsatz jährlich einen fünfstelligen Betrag. Warum die eigene Händlernummer der eigentliche Hebel ist.
- Firmenkarten: Warum Business-Kreditkarten Ihr Disagio hochtreibenFirmen- und Geschäftskreditkarten fallen nicht unter den EU-Interchange-Deckel und kosten 1,3–2,4 % statt 0,3 %. Was der Anteil einen B2B-Betrieb kostet und welche Hebel bleiben.
- Apple Pay und Google Pay: Was Mobile Wallets den Händler an Kartengebühren kostenApple Pay und Google Pay erheben keine eigene Händlergebühr. Für Ihre Kartenkosten zählt allein die hinterlegte Karte und Ihr Preismodell, gezeigt an einem Rechenbeispiel.
- SoftPOS und Tap to Pay: Was das Smartphone als Terminal kostetEin Smartphone ersetzt das Kartenterminal, die Gerätemiete entfällt. Warum die Hardware bei 1,5 Mio. Euro Umsatz der kleinere Posten ist und das Preismodell hinter der App entscheidet.
- Kartengebühren an Kunden weitergeben: Was in Deutschland erlaubt ist§ 270a BGB macht ein Entgelt für Kartenzahlungen von Verbrauchern unwirksam. Welche Karten ausgenommen sind, was ein Aufschlag einbringt und warum die Kostenseite mehr trägt.
- Visa Debit statt girocard: Warum Ihre Kartenkosten steigenBanken ersetzen die girocard durch Visa Debit und Debit Mastercard. In vielen Verträgen landen diese Karten in der teuren Kreditkartenstufe. Was das kostet, und wie Sie es korrigieren.
- Warum der Einzelhandel von der girocard profitiertDer Einzelhandel hat den günstigsten Kartenmix, überzahlt bei einem pauschalen Blended-Satz aber am meisten. Ein girocard-lastiges Haus mit 3 Mio € Umsatz spart im Beispiel rund 6.750 € pro Jahr.
- Kartengebühren in der Gastronomie: Warum der Bonwert entscheidetBei gleichem Kartenumsatz zahlt ein Bistro 6.000 Euro mehr im Jahr als ein Restaurant. Warum der Durchschnittsbon den effektiven Satz bestimmt und was sich senken lässt.
- Kartengebühren in der Hotellerie: Fernzahlung, Kartenmix, FixkostenFirmenkarten, Auslandskarten und No-Show-Buchungen heben den effektiven Satz. Was ein Haus mit zwei Standorten und 2,4 Mio. Euro Kartenumsatz zahlt, Kartenart für Kartenart durchgerechnet.
- Kartengebühren nach Branche: Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie im VergleichKartengebühren hängen weniger vom Anbieter ab als von der Branche. Was Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie 2026 zahlen, warum der Kartenmix den Preis macht und welcher Teil verhandelbar ist.
- Kartenkosten-Benchmark 2026: Was vergleichbare Betriebe zahlenGut verhandelt 0,6 bis 0,8 Prozent, Marktmitte 0,9 bis 1,2 Prozent, alte Verträge über 1,4 Prozent: Was Betriebe Ihrer Größe 2026 für Kartenakzeptanz zahlen.
- Kartengebühren verhandeln: die Hebel für bessere KonditionenNur die Anbietermarge ist verhandelbar, nicht Interchange oder Scheme Fees. Die Hebel, mit denen Sie beim Acquirer bessere Konditionen holen, mit Rechenbeispiel.
- Konditionsanalyse: Wie eine unabhängige Prüfung Ihre Kartenkosten senktWie eine unabhängige Konditionsanalyse Ihren Acquiring-Vertrag prüft, die Differenz zum Marktpreis in Euro beziffert und Ihre Kartenkosten typisch um 10 bis 30 Prozent senkt. Mit Rechenbeispiel.
- Scheme Fees verstehen: Die Kartengebühr, die niemand reguliertScheme Fees sind die Entgelte von Visa und Mastercard, die niemand reguliert. Was sie ein KMU mit 2,5 Mio. € Kartenumsatz kosten und wie Sie den Posten sichtbar machen.
- Kartenabrechnung verstehen: Jeder Posten erklärtDisagio, Interchange, Scheme Fees, Terminalmiete: Eine Kartenabrechnung bündelt oft zehn Posten in einer Summe. Ein ehemaliger Acquiring-Mitarbeiter erklärt jede Position und ihren typischen Rahmen.
- Effektives Disagio berechnen: So lesen Sie Ihre KartenabrechnungDer Satz im Vertrag ist nur ein Listenpreis. Was Sie wirklich zahlen, ist das effektive Disagio, berechnet aus einer einzigen Division. Mit Rechenbeispiel für den Mittelstand.
- Was ist ein faires Disagio? Benchmarks für den Mittelstand 2026Ein faires Disagio ist eine Spanne, kein Festwert. Bei debitlastigem Mittelstands-Umsatz meist 0,7–1,0 % effektiv. So vergleichen Sie Ihren Satz mit realistischen Benchmarks für 2026.
- IC++ gegen Blended-Pricing im direkten KostenvergleichIC++ und Blended unterscheiden sich nicht im Service, sondern in der Transparenz. Ein Rechenbeispiel mit 3 Mio Euro Kartenumsatz zeigt, wo das Geld bleibt.