IC++ (Interchange++)
IC++ ist ein transparentes Preismodell, das jede Transaktion in drei offen ausgewiesene Bausteine zerlegt: Interchange + Scheme-Fee + Acquirer-Marge.
Aktualisiert am
Interchange++ (kurz IC++) ist das transparenteste der gängigen Preismodelle für Kartenzahlungen. Jede Transaktion wird in drei getrennt ausgewiesene Posten zerlegt: den durchgereichten Interchange (erstes Plus), die Scheme-Fee (zweites Plus) und die eigentliche Marge des Acquirers.
Der Nutzen für den Händler liegt in der Sichtbarkeit der Marge. Interchange und Scheme-Fee sind Fremdkosten, die jeder Acquirer gleichermaßen an die Netzwerke und Banken abführt. Verhandelbar ist allein der dritte Posten, die Acquirer-Marge, und im IC++-Modell steht sie als eigene Zahl auf der Abrechnung. Eine niedrige Marge lässt sich so beziffern und mit Wettbewerbern vergleichen. In einem Mischsatz von 1,2 Prozent bleibt dieselbe Marge unsichtbar. IC++ ist damit die bekannteste Ausprägung von Pass-Through-Pricing. Die Marge wird zur eigentlichen Stellschraube jeder Verhandlung.
0,15 %
Beispielhafte Acquirer-Marge
im IC++-Modell der einzige verhandelbare Posten
Warum mehr Zeilen am Ende weniger kosten
IC++ wirkt auf den ersten Blick komplexer, weil die Abrechnung mehr Positionen enthält. Dieser Eindruck täuscht. Sinkt der Interchange-Anteil, etwa weil ein Betrieb mehr günstige Debitkarten annimmt, gibt das IC++-Modell diese Ersparnis direkt an den Händler weiter. Beim Blended-Pricing behält der Acquirer dieselbe Differenz für sich. Für umsatzstarke Betriebe mit gemischtem Kartenmix ist IC++ deshalb fast immer günstiger und ehrlicher. Der scheinbare Mehraufwand auf der Abrechnung ist der Preis für die Kontrolle darüber, was der Acquirer tatsächlich verdient.
Rechenbeispiel für den Mittelstand
Ein Restaurantbetrieb mit 2 Mio Euro Kartenumsatz zahlt bei einem Blended-Satz von 1,3 Prozent rund 26.000 Euro im Jahr. Im IC++-Modell setzt sich der Preis aus dem realen Interchange (bei hohem Debit-Anteil oft 0,3 Prozent), der Scheme-Fee (rund 0,1 Prozent) und einer verhandelten Marge von 0,15 Prozent zusammen, in Summe etwa 0,55 Prozent oder 11.000 Euro. Die Differenz von rund 15.000 Euro pro Jahr ist genau der Betrag, den eine Konditionsanalyse freilegt. Selbst wenn zusätzliche Fixkosten je Transaktion eingerechnet werden, bleibt bei diesem Umsatzvolumen ein klarer Vorteil.
Damit ein IC++-Angebot am Ende wirklich günstiger ist, kommt es auf zwei Größen an: die Höhe der Marge und etwaige Fixkosten je Transaktion. Beides gehört auf den Tisch, bevor ein Vertrag unterschrieben wird. Wer die drei Bausteine seiner Abrechnung kennt, verhandelt aus einer belegbaren Position heraus statt über einen pauschalen Prozentsatz, dessen Zusammensetzung niemand offenlegt. Ein niedriger beworbener Satz ohne Aufschlüsselung sagt für sich genommen wenig darüber aus, was am Monatsende wirklich abgebucht wird.
Häufige Fragen
Wofür steht das doppelte Plus bei IC++?
Für wen lohnt sich IC++?
Ist IC++ dasselbe wie Pass-Through-Pricing?
Auch genannt
Interchange++ · IC+ · Interchange Plus Plus
Verwandte Begriffe
- Blended-PricingBeim Blended-Pricing zahlt der Händler für jede Karte denselben Mischsatz: einfach abzulesen, aber intransparent, weil Interchange, Scheme-Fee und Marge nicht getrennt ausgewiesen werden.
- InterchangeDas Interchange-Entgelt fließt vom Acquirer an die kartenausgebende Bank des Kunden. In der EU ist es gesetzlich gedeckelt: 0,2 % bei Verbraucher-Debit-, 0,3 % bei Verbraucher-Kreditkarten.
- DisagioDas Disagio ist das prozentuale Entgelt, das ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer abführt, typischerweise zwischen 0,3 % und über 2 % je nach Kartenmix und Modell.
- Pass-Through-PricingPass-Through-Pricing reicht Interchange und Scheme-Fees in tatsächlicher Höhe an den Händler durch; verhandelt wird nur die separat ausgewiesene Acquirer-Marge.
- Scheme-FeeScheme-Fees sind die Entgelte der Kartennetzwerke Visa und Mastercard für die Nutzung ihrer Infrastruktur: meist mehrere kleine Posten, in Summe oft 0,1–0,3 % zuzüglich Fixbeträgen.
- KartenmixDer Kartenmix ist die Verteilung der Umsätze über Kartenarten (Debit, Kredit, Firmen-, Auslandskarten). Er bestimmt die effektiven Gebühren stärker als jeder Verhandlungstrick.
- KonditionsanalyseDie Konditionsanalyse prüft bestehende Kartenabrechnungen Posten für Posten, bewertet das effektive Disagio gegen den Kartenmix und beziffert das konkrete Einsparpotenzial in Euro.
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