Kartenmix
Der Kartenmix ist die Verteilung der Umsätze über Kartenarten (Debit, Kredit, Firmen-, Auslandskarten). Er bestimmt die effektiven Gebühren stärker als jeder Verhandlungstrick.
Aktualisiert am
Der Kartenmix beschreibt, mit welchen Kartenarten ein Händler tatsächlich bezahlt wird: welcher Anteil auf EWR-Debitkarten, Verbraucher-Kreditkarten, Firmenkarten und Karten von außerhalb des EWR entfällt. Er ist die wichtigste Einzelgröße für die effektiven Kartenkosten, weil jede Kartenart einen anderen Interchange trägt.
Die Spannweite ist groß: Eine EWR-Debitkarte kostet im Interchange 0,2 Prozent, eine Verbraucher-Kreditkarte 0,3 Prozent. Firmen- und Auslandskarten fallen dagegen nicht unter die EU-Deckelung; ihr Interchange liegt als Richtwert bei 1,3 bis über 2 Prozent. Zwei Betriebe mit identischem Umsatz und identischem Vertrag können daher völlig unterschiedliche Gesamtkosten haben, allein wegen des Mixes.
Warum der Mix stärker wiegt als der Verhandlungssatz
Viele Betriebe verhandeln hart am Disagio-Satz und übersehen, dass der Kartenmix die Rechnung stärker bewegt. Ein um 0,1 Prozentpunkte besserer Satz bringt spürbar weniger als ein Mix, in dem teure Firmenkarten dominieren. Der Mix lässt sich kaum steuern, weil er vom Kundenstamm abhängt. Steuern lässt sich aber das Preismodell, das zu diesem Mix passt. Wer viele regulierte Debitkarten sieht, fährt mit einem schlanken Blended-Satz oft gut. Wer viele teure Karten annimmt, spart mit einem Modell, das den Interchange offen durchreicht.
0,2 % bis über 2 %
Interchange-Spanne je Kartenart
von der EWR-Debitkarte bis zur Firmen- und Auslandskarte
Ein Stadthotel mit vielen Geschäftsreisenden hat einen hohen Anteil teurer Firmen- und Auslandskarten; ein Supermarkt nebenan fast nur Giro- und Debitkarten. Für das Hotel ist ein Modell mit durchgereichtem Interchange besonders wertvoll, weil ein Mischsatz den teuren Mix glättet und der Acquirer die Differenz behält. Der Supermarkt dagegen hat wenig zu gewinnen, weil seine Karten ohnehin am unteren Ende der Interchange-Spanne liegen.
Gleicher Umsatz, anderer Mix, andere Kosten
Zwei Betriebe setzen je 1 Mio € über Karten um. Der Supermarkt wird zu 90 Prozent mit EWR-Debitkarten (0,2 Prozent Interchange) und zu 10 Prozent mit Verbraucher-Kreditkarten (0,3 Prozent) bezahlt. Sein durchschnittlicher Interchange liegt bei rund 0,21 Prozent, also etwa 2.100 € im Jahr. Das Stadthotel sieht 40 Prozent Debit, 30 Prozent Verbraucher-Kreditkarten und 30 Prozent teure Firmen- und Auslandskarten mit einem Richtwert von 1,5 Prozent. Sein Mischwert steigt auf rund 0,62 Prozent, also etwa 6.200 € im Jahr. Bei identischem Umsatz und identischem Vertrag trennen beide Betriebe rund 4.100 € pro Jahr, allein aus dem Kartenmix. Wer den eigenen Mix kennt, hat den ersten Schritt jeder Konditionsanalyse getan.
Häufige Fragen
Warum ist der Kartenmix so wichtig?
Wie finde ich meinen Kartenmix heraus?
Lässt sich der Kartenmix beeinflussen?
Auch genannt
Card Mix · Kartenarten-Mix · Umsatzmix
Verwandte Begriffe
- Blended-PricingBeim Blended-Pricing zahlt der Händler für jede Karte denselben Mischsatz: einfach abzulesen, aber intransparent, weil Interchange, Scheme-Fee und Marge nicht getrennt ausgewiesen werden.
- IC++ (Interchange++)IC++ ist ein transparentes Preismodell, das jede Transaktion in drei offen ausgewiesene Bausteine zerlegt: Interchange + Scheme-Fee + Acquirer-Marge.
- DisagioDas Disagio ist das prozentuale Entgelt, das ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer abführt, typischerweise zwischen 0,3 % und über 2 % je nach Kartenmix und Modell.
- InterchangeDas Interchange-Entgelt fließt vom Acquirer an die kartenausgebende Bank des Kunden. In der EU ist es gesetzlich gedeckelt: 0,2 % bei Verbraucher-Debit-, 0,3 % bei Verbraucher-Kreditkarten.
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