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Glossar

Issuer (Kartenherausgeber)

Der Issuer ist das Institut, das die Karte des Kunden herausgibt. Er erhält für jede Zahlung das Interchange-Entgelt und bestimmt damit den größten Einzelposten Ihrer Kartenkosten.

Aktualisiert am

Der Issuer ist das Institut, das die Karte Ihres Kunden herausgibt, in der Regel dessen Hausbank oder ein spezialisierter Kartenherausgeber. Er gibt jede Zahlung frei und erhält dafür das Interchange-Entgelt. Für Sie als Händler ist der Issuer der stille Gegenpart: Sie haben keinen Vertrag mit ihm, aber er bestimmt den größten Einzelposten Ihrer Kartenkosten.

Issuer und Acquirer: die zwei Seiten einer Kartenzahlung

Jede Zahlung mit Visa oder Mastercard verbindet vier Parteien: den Karteninhaber, seinen Issuer, Ihren Acquirer und Sie als Händler. Der Issuer steht auf der Kundenseite. Er prüft Deckung und Bonität, gibt die Transaktion frei und belastet das Konto des Kunden. Auf Ihrer Seite steht der Acquirer, der die Transaktion beim Kartennetzwerk einreicht und Ihnen den Umsatz abzüglich Disagio gutschreibt. Das Acquiring ist damit die händlerseitige Hälfte dessen, was der Issuer auf der Kundenseite tut.

Diese Trennung entscheidet darüber, worüber Sie überhaupt verhandeln können. Beweglich ist nur, was auf der Acquirer-Seite entsteht: dessen Marge und das Preismodell. Was an den Issuer fließt, ist gesetzt.

Warum der Issuer Ihre Kosten bestimmt

Das Interchange-Entgelt geht vollständig an den Issuer, und seine Höhe hängt davon ab, welche Karte dieser ausgegeben hat. Für Verbraucherkarten aus dem EWR gilt seit der EU-Verordnung 2015/751 ein Deckel von 0,2 Prozent bei Debitkarten und 0,3 Prozent bei Kreditkarten. Für Firmenkarten gilt kein Deckel, ihre Sätze liegen als Richtwert über 1 Prozent. Verbraucherkarten von außerhalb des EWR bleiben am Präsenzterminal über eine Zusage von Visa und Mastercard an die EU-Kommission bei denselben 0,2 und 0,3 Prozent, in der Fernzahlung liegen sie deutlich darüber.

Welche Karte ein Kunde zückt, können Sie nicht steuern. Deshalb ist Ihr Kartenmix, also die Verteilung der Umsätze auf Karten unterschiedlicher Issuer, der eigentliche Kostentreiber. Er verschiebt sich auch ohne Ihr Zutun. Stellt eine deutsche Bank ihre girocard-Bestände auf Visa Debit oder Debit Mastercard um, wandert Ihr Umsatz in eine andere Entgeltlogik, ohne dass sich an Ihrem Vertrag eine Zeile ändert.

Rechenbeispiel: was ein anderer Issuer kostet

Ein Hotel mit zwei Standorten setzt 2,4 Mio Euro im Jahr über Karten um. Der Anteil der Firmenkarten steigt von 10 auf 20 Prozent, weil mehr Geschäftsreisende buchen. Damit wechseln 240.000 Euro Umsatz von EWR-Kreditkarten mit gedeckelten 0,3 Prozent auf Firmenkarten, für die wir konservativ 1,2 Prozent ansetzen. Die Differenz beträgt 0,9 Prozentpunkte, auf 240.000 Euro also 2.160 Euro mehr Interchange im Jahr.

+2.160 €

Interchange pro Jahr

240.000 € Umsatz wechseln von der EWR-Kreditkarte (0,3 %) auf die Firmenkarte (1,2 %)

Diese 2.160 Euro entstehen ohne jede Vertragsänderung. Sichtbar wird der Effekt nur, wenn Ihre Abrechnung die Kartenarten getrennt ausweist. In einem Blended-Modell verschwindet er im Mischsatz, und Sie sehen am Jahresende lediglich, dass die Kosten gestiegen sind.

Was der Issuer außerdem entscheidet

Zwei weitere Entscheidungen des Issuers wirken direkt in Ihren Betrieb. Die erste ist die Autorisierung: Lehnt er eine Zahlung ab, kommt der Umsatz nicht zustande, unabhängig von Terminal und Acquirer. Die zweite ist der Chargeback. Widerspricht der Karteninhaber einer Belastung, prüft der Issuer den Fall und stößt die Rückbelastung an. Ihr Acquirer leitet den Vorgang an Sie weiter, entschieden wird er auf der Issuer-Seite.

Häufige Fragen zum Issuer

Was ist der Unterschied zwischen Issuer und Acquirer?
Der Issuer gibt die Karte an den Kunden aus und führt dessen Konto. Der Acquirer ist Ihr Vertragspartner auf Händlerseite und rechnet die Umsätze mit Ihnen ab. Beide sind eigenständige Institute, auch wenn ein Konzern beide Rollen ausüben kann.
Kann ich mit dem Issuer über Gebühren verhandeln?
Nein, Sie haben keine Vertragsbeziehung zum Issuer. Das Interchange-Entgelt ist für Verbraucherkarten aus dem EWR gesetzlich gedeckelt und im Übrigen vom Kartennetzwerk festgelegt. Verhandelbar ist allein die Marge Ihres Acquirers.
Woran erkenne ich auf der Abrechnung, welche Issuer-Karten teuer sind?
Nur ein Pass-Through-Modell wie IC++ weist den Interchange je Kartenart getrennt aus. Dort erkennen Sie EWR-Verbraucherkarten, Firmenkarten und Auslandskarten an unterschiedlichen Sätzen. Ein Blended-Satz zeigt diese Unterscheidung nicht.

Auch genannt

Kartenherausgeber · Issuing · kartenausgebende Bank · Emittent · Issuing-Bank

Verwandte Begriffe