Zum Hauptinhalt springen
KartenKosten.de
Glossar

Acquiring

Acquiring ist die Abwicklung von Kartenzahlungen auf Händlerseite: Der Acquirer reicht Transaktionen bei den Kartennetzwerken ein und schreibt dem Händler den Umsatz gut.

Aktualisiert am

Acquiring bezeichnet die Annahme und Verarbeitung von Kartenzahlungen aus Sicht des Händlers. Der Acquirer ist das lizenzierte Institut (z. B. Nexi/Concardis, Worldline, Adyen, Stripe), das die Transaktion über die Kartennetzwerke einreicht, das Geld vom Issuer einzieht und dem Händler den Umsatz abzüglich Disagio gutschreibt.

Dem Acquirer gegenüber steht der Issuer, die Bank, die die Karte des Kunden herausgegeben hat. Zwischen beiden stehen die Kartennetzwerke Visa und Mastercard. Diese Vier-Parteien-Konstellation aus Karteninhaber, Issuer, Acquirer und Händler erklärt, warum mehrere Entgelte anfallen: Interchange an den Issuer, Scheme-Fees an das Netzwerk, Marge an den Acquirer.

Was der Acquirer konkret tut

Hinter der Gutschrift steckt eine Kette technischer Schritte. Bei jeder Zahlung prüft der Acquirer über das Netzwerk, ob die Karte gedeckt und gültig ist (Autorisierung, siehe Autorisierungsentgelt). Anschließend werden die Umsätze gebündelt eingereicht und verrechnet (Clearing und Settlement), bevor der Betrag abzüglich Disagio auf dem Händlerkonto landet. Für diese Leistung trägt der Acquirer das Ausfall- und Betrugsrisiko und muss regulatorische Auflagen erfüllen.

Für den Händler ist der Acquirer der Vertragspartner und damit der Hebel für Konditionen. Wer Acquirer und Terminalanbieter verwechselt, verhandelt am falschen Posten. Häufig sind das zwei getrennte Verträge mit jeweils eigener Vertragslaufzeit.

Acquiring in Deutschland: girocard und internationale Netzwerke

In Deutschland kommt eine Besonderheit hinzu. Das nationale girocard-System fällt nicht unter die Interchange-Regulierung von Visa und Mastercard. Seine Händlerentgelte werden separat zwischen Banken und Netzbetreibern vereinbart und liegen häufig unter den Sätzen der internationalen Karten. Ein Acquiring-Vertrag bündelt deshalb meist beide Welten mit jeweils eigener Kostenlogik. Für eine belastbare Konditionsanalyse sind girocard und internationale Schemes getrennt zu betrachten, weil ein guter Satz im einen Bereich einen schwachen im anderen verdecken kann.

Rechenbeispiel: woran der Acquirer verdient

Ein Modehaus setzt 2 Mio € im Jahr über Karten um. Der Acquirer zieht bei jeder Transaktion das Disagio ein und schreibt den Rest gut. Bei einem effektiven Disagio von 1,0 Prozent sind das 20.000 € im Jahr. Der größte Teil davon sind Durchlaufkosten: Interchange und Scheme-Fees, die der Acquirer an Bank und Netzwerk weiterreicht. Sein eigener Ertrag, die Marge, liegt oft nur bei einem Bruchteil, etwa 0,1 bis 0,2 Prozent vom Umsatz. Genau diese Marge prüft eine Konditionsanalyse, und eine gezielte Verhandlung senkt sie spürbar.

Häufige Fragen

Wer sind typische Acquirer in Deutschland?
Etwa Nexi/Concardis, Worldline, Adyen oder Stripe. Für die Konditionen ist der Acquirer der Vertragspartner und damit der Verhandlungshebel.
Acquirer oder Issuer: was ist der Unterschied?
Der Acquirer steht auf Händlerseite und wickelt die Zahlung für den Händler ab. Der Issuer ist die Bank des Karteninhabers und gibt die Karte aus. Zwischen beiden liegen die Kartennetzwerke Visa und Mastercard.
Kann ich den Acquirer wechseln?
Ja. Der Acquiring-Vertrag ist oft getrennt vom Terminalvertrag und hat eine eigene Laufzeit und Kündigungsfrist. Ein Wechsel oder eine Nachverhandlung senkt die Marge, ohne dass die Hardware getauscht werden muss.

Auch genannt

Acquirer · Kartenakzeptanz · Händler-Acquiring

Verwandte Begriffe

Verwandte Beiträge