NFC (kontaktlose Kartenzahlung)
NFC überträgt Kartendaten per Funk statt über den Chipleser. Für Händler ist das entgeltneutral, treibt aber über mehr Kleinbetragszahlungen die festen Entgelte je Transaktion nach oben.
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Kontaktloses Bezahlen (NFC) überträgt die Kartendaten per Funk über wenige Zentimeter, statt die Karte in den Chipleser zu stecken. Für Händler ist die Technik entgeltneutral: Eine kontaktlose Zahlung kostet genauso viel wie dieselbe Karte im Terminalschlitz. Teurer wird es indirekt, weil kontaktlos kleine Beträge auf die Karte holt und feste Entgelte je Zahlung dadurch stärker durchschlagen.
NFC steht für Near Field Communication, einen Funkstandard nach ISO/IEC 14443, der bewusst nur auf kurze Distanz trägt. Karte, Smartphone und Smartwatch nutzen dieselbe Schnittstelle am Terminal. Für Ihre Abrechnung bleibt die Transaktion eine gewöhnliche Kartenzahlung: Kartenart, Preisstufe und Interbankenentgelt ändern sich nicht.
Wo die PIN-Grenze liegt
Ohne PIN akzeptiert das girocard-System Beträge bis 50 €. Die Deutsche Kreditwirtschaft hob diese Grenze von zuvor 25 € an. Zusätzlich läuft auf dem Kartenchip ein Zähler: Nach spätestens fünf PIN-freien Zahlungen oder 150 € kumuliertem Betrag verlangt das Terminal wieder eine PIN. Beide Obergrenzen stammen aus der EU-Regulierung zur starken Kundenauthentifizierung; Kartenherausgeber dürfen darunter bleiben. Für Sie als Händler beschleunigt das den Kassendurchlauf, auf die Abrechnung wirkt es sich nicht aus.
Warum kontaktlos die Kosten trotzdem bewegt
Entscheidend ist die Zahl der Transaktionen. Kontaktlos verkürzt den Bezahlvorgang auf wenige Sekunden und macht die Karte auch beim Kaffee oder beim Brötchen alltagstauglich. Dort, wo früher bar gezahlt wurde, entstehen zusätzliche Kartenzahlungen mit kleinem Bon. Jede davon löst ein festes Autorisierungsentgelt aus, das unabhängig vom Betrag anfällt.
Die Zahlen des girocard-Systems zeigen die Bewegung. 2025 wurden rund 8,3 Milliarden Zahlungen abgewickelt, ein Jahr zuvor waren es 7,9 Milliarden. Der Umsatz blieb mit rund 308 Milliarden € nahezu unverändert (2024: 307 Milliarden €). Der durchschnittliche Bon sank damit von rund 39 € auf rund 37 €. Im Dezember 2025 liefen 88,5 % aller girocard-Zahlungen kontaktlos, nach 86,8 % im Vorjahr.
Ein Bäckereifilialist mit drei Standorten setzt 2,4 Mio € im Jahr um. Früher entfielen 35 % auf Karte, also 840.000 € bei 14 € Durchschnittsbon und damit 60.000 Zahlungen. Mit kontaktlosen Kleinbeträgen wächst der Kartenanteil auf 55 %, der Bon sinkt auf 11 €: 1,32 Mio € Kartenumsatz aus 120.000 Zahlungen. Der Vertrag lautet unverändert auf 0,29 % plus 3 Cent je Zahlung.
| Vorher (35 % Kartenanteil) | Nachher (55 % Kartenanteil) | |
|---|---|---|
| Kartenumsatz | 840.000 € | 1.320.000 € |
| Zahlungen im Jahr | 60.000 | 120.000 |
| Durchschnittsbon | 14 € | 11 € |
| Prozentualer Anteil (0,29 %) | 2.436 € | 3.828 € |
| Feste Entgelte (3 Cent) | 1.800 € | 3.600 € |
| Kartenkosten gesamt | 4.236 € | 7.428 € |
| Effektiver Satz | 0,50 % | 0,56 % |
Ein Teil der Mehrkosten ist schlicht mehr Kartenumsatz. Aussagekräftiger ist der effektive Satz: Er klettert von 0,50 % auf 0,56 %, weil sich die festen Entgelte auf 3.600 € verdoppelt haben und nun fast die Hälfte der Rechnung ausmachen. Bei kleinteiligem Geschäft ist das Entgelt je Zahlung deshalb der erste Verhandlungspunkt. Bei 120.000 Zahlungen bringt ein Cent weniger 1.200 € im Jahr.
Ein zweiter Punkt betrifft die Preisstufe. Kontaktlose Zahlungen laufen im selben Tarif wie die gesteckte Karte. Sie verschieben aber Ihren Kartenmix, sobald Kunden im Wallet eine internationale Karte hinterlegt haben statt der digitalen girocard. Prüfen Sie auf der nächsten Abrechnung deshalb beides: die Zahl der Transaktionen und ihre Verteilung auf die Kartenarten.
Häufige Fragen zum kontaktlosen Bezahlen
Kostet kontaktloses Bezahlen den Händler mehr?
Bis zu welchem Betrag geht kontaktlos ohne PIN?
Warum steigen meine Kartenkosten, obwohl der Satz gleich blieb?
Auch genannt
Kontaktloses Bezahlen · Kontaktlos · NFC-Zahlung · Near Field Communication · kontaktlose Kartenzahlung
Verwandte Begriffe
- girocardDie girocard ist das nationale Debitkartensystem der deutschen Kreditwirtschaft. Für Händler ist sie die günstigste verbreitete Kartenart: meist rund 0,30 % Händlerentgelt je Zahlung.
- AutorisierungsentgeltDas Autorisierungsentgelt ist eine feste Gebühr pro Kartentransaktion, unabhängig vom Umsatz. Es liegt meist bei 1 bis 3 Cent je Zahlung und deckt die Prüfung, ob die Karte gedeckt und gültig ist.
- KartenmixDer Kartenmix ist die Verteilung der Umsätze über Kartenarten (Debit, Kredit, Firmen-, Auslandskarten). Er bestimmt die effektiven Gebühren stärker als jeder Verhandlungstrick.
- DisagioDas Disagio ist das prozentuale Entgelt, das ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer abführt, typischerweise zwischen 0,3 % und über 2 % je nach Kartenmix und Modell.