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Glossar

Disagio

Das Disagio ist das prozentuale Entgelt, das ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer abführt, typischerweise zwischen 0,3 % und über 2 % je nach Kartenmix und Modell.

Aktualisiert am

Das Disagio (auch Händlerentgelt oder Merchant Discount Rate) ist der Anteil eines Kartenumsatzes, den der Acquirer als Gebühr einbehält. Bei einer Zahlung über 100 € und einem Disagio von 0,9 % verbleiben dem Händler 99,10 €; 0,90 € gehen an den Zahlungsdienstleister.

Woraus sich das Disagio zusammensetzt

Das Disagio bündelt drei Kostenblöcke zu einem Satz. Der Interchange geht an die kartenausgebende Bank des Kunden und ist für EWR-Verbraucherkarten gesetzlich gedeckelt. Die Scheme-Fees fließen an die Kartennetzwerke Visa und Mastercard. Der dritte Block ist die Marge des Acquirers, also sein eigener Verdienst. Nur dieser dritte Teil ist frei verhandelbar; die ersten beiden sind reguliert oder vom Netzwerk gesetzt.

Ob Sie diese drei Blöcke einzeln sehen, entscheidet das Preismodell. Beim Interchange++ (IC++) weist der Acquirer Interchange, Scheme-Fees und Marge getrennt aus. Beim Blended-Pricing verschmelzen sie zu einem einzigen Mischsatz, der die Marge verdeckt. Für die Beurteilung Ihrer Konditionen ist diese Transparenz der entscheidende Punkt.

Warum Ihr effektives Disagio über dem beworbenen Satz liegt

Beworbene Disagio-Sätze gelten fast immer nur für EWR-Debitkarten, den günstigsten Kartentyp. Ihr realer Kartenmix enthält jedoch auch Kreditkarten, Firmenkarten und Karten von außerhalb des EWR, die deutlich mehr kosten. Das effektive Disagio, also der Durchschnitt über alle tatsächlich akzeptierten Karten, liegt darum meist höher als der Lockpreis aus dem Angebot. Für den Mittelstand liegt dieser reale Durchschnitt meist zwischen 0,7 % und 1,5 %; ein hoher Debit-Anteil drückt ihn nach unten, viele Kredit- und Firmenkarten heben ihn darüber. Aussagekräftig ist deshalb allein der Satz, der am Monatsende tatsächlich auf Ihrer Abrechnung erscheint.

In der Praxis ist „das Disagio“ selten eine einzige Zahl. Ein Hotel mit zwei Standorten und 3 Mio € Kartenumsatz zahlt je nach Kartenmix unterschiedliche Sätze für Debit-, Kredit- und Firmenkarten. Ein effektives Mischdisagio von 1,4 % statt 0,9 % bedeutet hier rund 15.000 € Mehrkosten pro Jahr, der typische Hebel einer Konditionsanalyse.

−15.000 €

Mögliche Ersparnis pro Jahr

Hotel · 2 Standorte · 3 Mio € Kartenumsatz · effektiv 1,4 % statt 0,9 %

So senken Sie Ihr Disagio

Der Hebel zur Senkung liegt bei der Acquirer-Marge. Der Interchange bleibt reguliert, die Scheme-Fees sind vom Netzwerk gesetzt, beide sind fix. Eine Konditionsanalyse trennt darum zunächst die verhandelbare Marge von den festen Bestandteilen und vergleicht Ihren effektiven Satz mit marktüblichen Werten. Erst auf dieser Basis lässt sich beziffern, wie viel eine Nachverhandlung oder ein Wechsel des Acquirers real bringt.

Häufige Fragen zum Disagio

Was ist ein faires Disagio?
Ein faires Disagio hängt vom Kartenmix ab. Für den Mittelstand mit hohem Debit-Anteil liegt der reale Wert meist zwischen 0,7 % und 1,5 %; ein Satz am oberen Rand oder darüber lohnt eine Prüfung.
Wie berechne ich mein effektives Disagio?
Teilen Sie die gesamten Kartengebühren eines Monats durch den Kartenumsatz desselben Monats. Das Ergebnis ist Ihr tatsächlicher Satz, unabhängig vom Listenpreis im Vertrag.
Warum zahle ich ein höheres Disagio als beworben?
Beworbene Sätze gelten meist nur für EWR-Debitkarten. Firmen- und Auslandskarten kosten mehr; Ihr realer Kartenmix hebt das effektive Disagio über den beworbenen Lockpreis.
Ist das Disagio verhandelbar?
Verhandelbar ist die Acquirer-Marge, nicht der regulierte Interchange. Bei transparenten IC++-Verträgen ist dieser Hebel sichtbar, beim Blended-Pricing bleibt er verborgen.

Auch genannt

Händlerentgelt · Merchant Discount Rate · MDR · Händlergebühr · Merchant Service Charge · MSC

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