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KartenKosten.de

Sammelvertrag (Payment Facilitator)

Beim Sammelvertrag rechnet ein Händler über den Standardtarif eines Zahlungsanbieters wie SumUp ab, meist zu einem Einheitssatz und ohne individuell verhandelten Acquiring-Vertrag.

Aktualisiert am

Ein Sammelvertrag ist eine Form der Kartenakzeptanz, bei der ein Händler über den standardisierten Tarif eines Zahlungsanbieters abrechnet, ohne individuell verhandelten Händlervertrag. In der strengen Form führt der Anbieter Sie als Unterhändler unter seinem eigenen Händlerkonto; Visa und Mastercard nennen ihn dann Payment Facilitator, im Markt heißt er auch Aggregator. Der Preis ist meist ein Einheitssatz für fast alle Karten, im Standardtarif von SumUp etwa 1,39 %.

So funktioniert der Sammelvertrag

Der Payment Facilitator hält selbst einen Vertrag mit einem Acquirer und ist bei den Kartennetzwerken als solcher registriert. Unter diesem Vertrag nimmt er viele kleine Händler auf, prüft sie selbst und reicht ihre Zahlungen gesammelt ein. Der Acquirer zahlt die Umsätze an den Anbieter aus, der Anbieter leitet sie abzüglich seines Satzes an Sie weiter. Gegenüber dem Acquirer haftet der Anbieter für Rückbelastungen und Betrug seiner Unterhändler. Technisch ist er zugleich Ihr PSP: Er stellt Terminal oder App und die Abwicklung. Einige große Flatrate-Anbieter wie SumUp wickeln das Acquiring inzwischen ganz oder teilweise selbst ab. Für Sie ändert das am Modell wenig: Aufnahme per Standardvertrag, Einheitssatz, kein Verhandlungsspielraum.

Daraus erklärt sich das Tempo. Eine Online-Registrierung ersetzt die Prüfung durch den Acquirer, oft nehmen Sie noch am selben Tag Karten an. Das Risiko sichert der Anbieter auf seine Weise ab, zum Beispiel mit einem Sicherheitseinbehalt auf die Auszahlung, wenn Umsatz oder Bonhöhe ungewöhnlich steigen.

Woran Sie einen Sammelvertrag erkennen

  • Auf der Abrechnung steht ein einziger Prozentsatz für alle oder fast alle Karten, ohne Aufschlüsselung nach Interchange und Scheme-Fees.
  • Ihre Bedingungen sind die allgemeinen Geschäftsbedingungen des Anbieters, eine individuelle Preisvereinbarung gibt es nicht.
  • Auf den Kontoauszügen Ihrer Kunden steht häufig der Name des Anbieters vor Ihrem Firmennamen.
  • Der Tarif hat meist keine Mindestlaufzeit und keine Grundgebühr.

Warum der Einheitssatz mit dem Umsatz teuer wird

Der Satz im Sammelvertrag ist Blended-Pricing in seiner einfachsten Form: ein Prozentsatz für girocard, Debit- und Kreditkarten. Ihre tatsächlichen Kosten liegen je Kartenart weit auseinander. Das Interchange-Entgelt ist bei Verbraucherkarten aus dem EWR auf 0,2 % für Debit- und 0,3 % für Kreditkarten gedeckelt, und die girocard kostet in vielen Verträgen deutlich weniger als 1 %. Je höher Ihr girocard- und Debitanteil, desto größer der Abstand zwischen Einheitssatz und echten Kosten.

Mit einem eigenen, individuell verhandelten Acquiring-Vertrag erhalten Sie eine eigene Händlernummer und Konditionen, die auf Ihren Kartenmix zugeschnitten sind. Der Zugang dauert länger, weil der Acquirer Ihren Betrieb prüft. Dafür verhandeln Sie den Abstand selbst, als Blended-Satz je Kartenart oder als IC++.

Rechenbeispiel: Feinkosthandel mit zwei Standorten

Ein Feinkosthandel mit zwei Standorten setzt 1,1 Mio € im Jahr über Karten um, überwiegend mit girocard, und rechnet über einen Sammelvertrag mit 1,39 % ab. Das kostet 15.290 € im Jahr. Für einen eigenen Acquiring-Vertrag ist bei diesem girocard-lastigen Kartenmix ein effektiver Satz von 0,60 % plausibel angesetzt, also 6.600 €. Dazu kommen zwei gemietete Terminals zu je 25 € im Monat, zusammen 600 € im Jahr. Der eigene Vertrag kostet damit 7.200 €.

8.090 €

Mehrkosten des Sammelvertrags pro Jahr

1,1 Mio € Kartenumsatz: 15.290 € bei 1,39 % gegenüber 7.200 € bei 0,60 % plus Terminalmiete

Die Differenz von 8.090 € entspricht 0,74 Prozentpunkten auf den gesamten Kartenumsatz. Bei kleinem Umsatz kippt die Rechnung, weil die Terminalmiete fix ist. Mit 60.000 € Kartenumsatz kostet der Sammelvertrag 834 €, der eigene Vertrag 360 € plus 600 € Miete, also 960 €. Unter den Annahmen dieses Beispiels liegt die Schwelle bei rund 76.000 € Kartenumsatz im Jahr.

Prüfen Sie deshalb einmal im Jahr, ob Ihr Volumen dem Tarif entwachsen ist. Multiplizieren Sie Ihren Jahres-Kartenumsatz mit dem Einheitssatz und vergleichen Sie das Ergebnis mit einem Angebot für einen eigenen Vertrag samt Terminalkosten.

Häufige Fragen zum Sammelvertrag

Ist ein Payment Facilitator dasselbe wie ein PSP?
Ein Payment Facilitator ist meist zugleich PSP, weil er Terminal und technische Abwicklung stellt. Ein PSP kann aber auch für Händler mit eigenem Acquiring-Vertrag arbeiten. Kennzeichen des Sammelvertrags ist der Standardtarif ohne individuell verhandelte Konditionen.
Kann ich aus einem Sammelvertrag einfach wechseln?
Flatrate-Tarife ohne Mindestlaufzeit lassen sich in der Regel jederzeit beenden. Für den eigenen Acquiring-Vertrag prüft der Acquirer Ihren Betrieb vorab, deshalb sollten Sie den Sammelvertrag bis zur Freischaltung des neuen Vertrags behalten.
Ab welchem Kartenumsatz lohnt sich ein eigener Vertrag?
Das hängt von Kartenmix, verhandeltem Satz und Fixkosten ab. Bei 1,39 % gegenüber 0,60 % plus 600 € Terminalmiete im Jahr ist der eigene Vertrag ab etwa 76.000 € Kartenumsatz günstiger, darüber wächst der Vorteil mit jedem Euro Umsatz.

Auch genannt

Payment Facilitator · PayFac · Aggregator · Aggregator-Vertrag · Unterhändlervertrag · Sub-Merchant-Modell

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