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Gebühren & Kostenbestandteile

Digitaler Euro: Senkt er Ihre Kartengebühren?

Der digitale Euro läuft außerhalb der Kartennetze und umgeht Interchange und Scheme Fee. Warum er Ihre Kartenkosten trotzdem erst am Ende des Jahrzehnts senkt, und was 2026 tatsächlich hilft.

Antoni Schilling

Der digitale Euro ist Zentralbankgeld in digitaler Form. Er läuft über eine Infrastruktur des Eurosystems und nicht über die Netze von Visa, Mastercard oder girocard. Bei einer Zahlung im digitalen Euro entfällt damit der Kostenblock, den diese Netze heute erheben: Interchange und Scheme Fee. Für Ihre Kartenkosten ändert das in den nächsten Jahren trotzdem wenig. Das Gesetz ist noch nicht verabschiedet, die Gebührenobergrenze steht nicht fest, und eine Ausgabe an Verbraucher ist frühestens gegen Ende des Jahrzehnts geplant. Der Hebel, der Ihre Kartengebühren 2026 senkt, bleibt die verhandelte Kondition.

Was der digitale Euro ist, und was ihn von Wero unterscheidet

Der digitale Euro ist die digitale Ergänzung zum Bargeld, herausgegeben von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Notenbanken. Er ist eine Forderung gegen die Zentralbank, kein Guthaben bei einem privaten Anbieter. Verbraucher halten ihn in einer Wallet, die ihre Bank oder ein Zahlungsdienstleister bereitstellt, und zahlen damit online wie offline. Die Grundfunktionen bleiben für Privatpersonen kostenlos. Wichtig für die Einordnung: Der digitale Euro läuft nicht über ein privates Kartennetzwerk, sondern über eine eigene Infrastruktur des Eurosystems.

Das grenzt ihn von zwei Dingen ab, mit denen er oft verwechselt wird. Er ist keine Kryptowährung: Ein digitaler Euro entspricht immer genau einem Euro und unterliegt keinen Kursschwankungen. Und er ist nicht dasselbe wie Wero. Wero ist ein privates Bezahlverfahren der europäischen Banken, das auf der SEPA-Echtzeitüberweisung aufsetzt. Der digitale Euro dagegen ist gesetzliches Zahlungsmittel und Zentralbankgeld. Beide umgehen die Kartennetze, doch das eine ist ein Bankprodukt, das andere staatlich emittiertes Geld.

Warum der digitale Euro die Netzgebühren umgeht

Um zu verstehen, warum der digitale Euro günstiger sein kann, hilft ein Blick auf die heutige Kartenzahlung. Ihr Disagio zerfällt in drei Teile. Der erste ist der Interchange, den Ihr Anbieter an die kartenausgebende Bank weiterreicht. Er ist bei Verbraucherkarten aus dem EWR auf 0,2 Prozent für Debit- und 0,3 Prozent für Kreditkarten gedeckelt (Verordnung (EU) 2015/751). Der zweite ist die Scheme Fee, die Visa und Mastercard für den Betrieb ihres Netzes erheben. Sie ist nicht reguliert und steigt Jahr für Jahr. Der dritte Teil ist die Marge Ihres Acquirers und Zahlungsdienstleisters.

Der digitale Euro wird als Zentralbankgeld direkt zwischen den Wallets übertragen. Es gibt keine kartenausgebende Bank, die einen Interchange kassiert, und kein privates Netz, das eine Scheme Fee berechnet. Zwei der drei Kostenblöcke entfallen damit ihrer Natur nach. Übrig bleibt der Aufwand für den Zahlungsdienstleister, der die Wallet betreibt und die Zahlung technisch abwickelt. Genau dieser Rest ist der Grund, warum der digitale Euro nicht automatisch gratis wird.

Was das No-worse-off-Prinzip für Ihre Rechnung bedeutet

Der Verordnungsentwurf sieht europaweit einheitliche Obergrenzen für die Händlergebühr vor und verankert ein sogenanntes No-worse-off-Prinzip. Es besagt, dass ein Händler für eine Zahlung im digitalen Euro nicht mehr zahlen soll als für ein vergleichbares digitales Zahlungsmittel. Die Gebühr wird also an bestehenden Kartenzahlungen gemessen und darf diese nicht überschreiten.

Für Ihre Kalkulation heißt das zweierlei. Zum einen wird der digitale Euro kaum dramatisch billiger als eine gut verhandelte Kartenkondition, weil die Obergrenze genau an diesem Vergleichsmaßstab hängt. Zum anderen könnte er einen Betrieb entlasten, der heute einen überhöhten Blended-Satz zahlt, weil die Deckelung diesen Aufschlag begrenzen würde. Wie hoch die Obergrenze am Ende liegt, ist 2026 aber noch offen. Die EU-Kommission soll sie erst nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens und auf Empfehlung der Zentralbank festlegen. Eine belastbare Ersparnis lässt sich daraus heute nicht ableiten.

Was die Kartennetze einen Mittelständler heute kosten

Nehmen wir einen Fachhändler mit zwei Standorten und 3 Mio Euro Kartenumsatz im Jahr. Sein effektives Disagio liegt bei einem gemischten Blended-Satz von 0,90 Prozent. Das sind 27.000 Euro Kartenkosten im Jahr. Von diesem Betrag entfällt nur ein Teil auf die Netzgebühren, die der digitale Euro theoretisch ersetzen würde: Interchange und Scheme Fee zusammen liegen bei diesem Kartenmix bei grob 0,4 Prozent, also rund 12.000 Euro. Der Rest, rund 15.000 Euro, ist Marge des Anbieters, Entgelt des Zahlungsdienstleisters und Terminalkosten. Dieser Teil ist schon heute verhandelbar.

Die folgende Gegenüberstellung zeigt, welche Kostenblöcke beim digitalen Euro wegfallen könnten und welche bleiben. Die offenen Felder markieren, was der Gesetzgeber 2026 noch nicht festgelegt hat.

Kartenzahlung heute und digitaler Euro im Vergleich
Kartenzahlung heuteDigitaler Euro (geplant)
TrägernetzVisa, Mastercard, girocardInfrastruktur des Eurosystems
Interchange0,2 % Debit / 0,3 % Kredit (gedeckelt)entfällt
Scheme Feeungedeckelt, steigendentfällt
Händlergebührverhandelbare Margegedeckelt (No-worse-off), Höhe offen
AnnahmefreiwilligPflicht ab Einführung (Ausnahmen für Kleinstbetriebe)
Verfügbar für Kundenheutefrühestens rund 2029

Selbst der netzgebundene Block von rund 12.000 Euro würde nicht auf null fallen. Das No-worse-off-Prinzip bindet die Gebühr an vergleichbare Zahlungsmittel, und der Zahlungsdienstleister, der die Wallet betreibt, berechnet weiterhin ein Entgelt innerhalb dieser Obergrenze. Der digitale Euro ist damit eine strukturelle Frage für die kommenden Jahre, kein Posten, den Sie in der Kalkulation für 2026 einplanen.

Annahmepflicht: was auf den Händler zukommt

Als gesetzliches Zahlungsmittel soll der digitale Euro grundsätzlich von den meisten Händlern angenommen werden, sobald er ausgegeben wird. Ausgenommen bleiben Kleinstbetriebe und Selbstständige, die ohnehin keine digitalen Zahlungen akzeptieren. Wer heute schon Karten annimmt, wird den digitalen Euro also voraussichtlich anbieten müssen. Praktisch heißt das: Ihr Terminal und Ihre Kassensoftware müssen den digitalen Euro verarbeiten können, was die Hersteller über Updates nachziehen werden.

Ein Sparposten ist die Annahmepflicht für sich genommen nicht. Sie verpflichtet den Betrieb, ein weiteres Zahlungsmittel bereitzuhalten, und verursacht zunächst Aufwand für die technische Umstellung. Der mögliche Kostenvorteil entsteht erst, wenn Kunden den digitalen Euro tatsächlich nutzen und Zahlungen aus dem teureren Kartennetz abwandern. Ob und wie schnell das geschieht, hängt an der Akzeptanz bei den Verbrauchern, die niemand seriös vorhersagen kann.

Warum 2026 kein Sparhebel daraus wird

Der digitale Euro steckt mitten im Gesetzgebungsverfahren. Der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments hat den Entwurf im Juni 2026 angenommen, das Plenum hat im Juli 2026 sein Verhandlungsmandat bestätigt. Seitdem laufen die Trilog-Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission, in denen die Details zu Datenschutz, Finanzstabilität und Gebühren ausgehandelt werden. Eine Einigung auf den finalen Text wird bis Ende 2026 angestrebt.

Erst danach beginnt die praktische Umsetzung. Die Zentralbank plant für die zweite Jahreshälfte 2027 einen zwölfmonatigen Pilotbetrieb, für den bereits 36 Zahlungsdienstleister ausgewählt wurden. Verläuft der Pilot erfolgreich, könnte der digitale Euro frühestens 2029 an Verbraucher ausgegeben werden. Offen ist auch die Haltegrenze, die festlegt, wie viel digitalen Euro eine Privatperson besitzen darf. Der Entwurf schreibt dafür nur den Mechanismus fest: Die Kommission legt die Obergrenze auf Empfehlung der Zentralbank fest und überprüft sie alle zwei Jahre. Bis all das steht, vergehen Jahre. Für Ihre Kartenkosten im laufenden und im kommenden Geschäftsjahr spielt der digitale Euro keine Rolle.

Was Sie heute tun können

Während der digitale Euro auf sich warten lässt, sind Ihre Netzgebühren real und Ihre Marge verhandelbar. Die Scheme Fees steigen jedes Jahr, und der Interchange ist zwar gedeckelt, wird aber über den Kartenmix teurer, sobald internationale Karten den Anteil der girocard verdrängen. Der wirksame Hebel liegt deshalb bei den heutigen Konditionen. Eine Konditionsanalyse stellt Ihren effektiven Satz gegen einen fairen Marktwert.

Zurück zum Fachhändler mit 3 Mio Euro Kartenumsatz: Sinkt sein Blended-Satz von 0,90 auf verhandelte 0,55 Prozent, spart er 0,35 Prozentpunkte auf den vollen Umsatz, also 10.500 Euro im Jahr. Diese Ersparnis ist heute realisierbar und unabhängig davon, ob und wann der digitale Euro kommt. Eine unabhängige Prüfung Ihrer Konditionen bringt den Betrag auf den Tisch, den Sie 2026 tatsächlich senken können.

Häufige Fragen zum digitalen Euro

Senkt der digitale Euro die Kartengebühren?
Grundsätzlich umgeht er Interchange und Scheme Fee und könnte damit einen Teil der Netzgebühren ersetzen. In den nächsten Jahren senkt er Ihre Kosten aber nicht, weil er frühestens rund 2029 ausgegeben wird und seine Gebührenobergrenze noch nicht feststeht.
Müssen Händler den digitalen Euro annehmen?
Die meisten Händler werden ihn als gesetzliches Zahlungsmittel annehmen müssen, sobald er startet. Ausgenommen sind Kleinstbetriebe und Selbstständige, die ohnehin keine digitalen Zahlungen akzeptieren.
Ab wann gibt es den digitalen Euro?
Die EU-Institutionen wollen sich bis Ende 2026 auf den Gesetzestext einigen. Danach folgt ab der zweiten Jahreshälfte 2027 ein einjähriger Pilot. Eine Ausgabe an Verbraucher ist frühestens 2029 möglich.
Ist der digitale Euro dasselbe wie Wero?
Nein. Wero ist ein privates Bezahlverfahren der Banken auf Basis der SEPA-Echtzeitüberweisung. Der digitale Euro ist Zentralbankgeld und gesetzliches Zahlungsmittel, herausgegeben von der Europäischen Zentralbank.
Was kostet die Annahme des digitalen Euro den Händler?
Ein No-worse-off-Prinzip deckelt die Händlergebühr auf das Niveau vergleichbarer digitaler Zahlungsmittel. Die genaue Obergrenze legt die EU-Kommission später auf Empfehlung der Zentralbank fest; 2026 ist sie noch offen.

Der digitale Euro wird die Bezahllandschaft verändern, doch er entlastet Ihre Kasse frühestens am Ende des Jahrzehnts. Bis dahin bestimmt Ihr Vertrag, was die Kartenzahlung kostet, und dieser Vertrag lässt sich heute prüfen und neu verhandeln.

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Porträtfoto von Antoni Schilling, Gründer von KartenKosten.de

Antoni Schilling

Strategie · Transformation

Transformations- und Vertriebsrollen bei Nets, Nexi und Ingenico. Davor Unternehmensberater bei McKinsey.

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