Kartennetzwerk (Scheme)
Ein Kartennetzwerk (Card Scheme) wie Visa, Mastercard oder girocard setzt die Regeln der Kartenzahlung, legt die Interchange-Sätze fest und erhebt eigene Scheme Fees, ohne Vertrag mit dem Händler.
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Ein Kartennetzwerk, englisch Card Scheme, ist der Regelgeber eines Kartensystems: Visa, Mastercard und girocard legen fest, wie eine Kartenzahlung autorisiert, abgerechnet und im Streitfall behandelt wird, und sie bestimmen die Höhe des Interchange-Entgelts. Karten geben die Netzwerke selbst nicht heraus, und einen Vertrag mit Ihnen als Händler haben sie auch nicht. Bezahlt werden sie über ihre Scheme Fees, die Ihr Acquirer an sie abführt und Ihnen weiterberechnet.
Was das Netzwerk regelt
Das Regelwerk eines Netzwerks umfasst mehrere Hundert Seiten. Für einen Betrieb mit Kartenterminals sind drei Bereiche davon praktisch relevant:
- die technische Zulassung der Terminals und der Sicherheitsstandard, den sie erfüllen müssen
- die Fristen und Beweisregeln für Rückbelastungen, also den Ablauf eines Chargebacks
- die Interchange-Tabellen, nach denen Ihr Acquirer jede Kartenart abrechnet
Diese Regeln erreichen Sie nur mittelbar. Verbindlich werden sie über Ihren Acquiring-Vertrag, in dem Ihr Zahlungsdienstleister sich die Einhaltung der Netzwerkregeln zusichern lässt.
Vier-Parteien- und Drei-Parteien-Systeme
Visa, Mastercard und girocard arbeiten als Vier-Parteien-Systeme. Karteninhaber, kartenausgebende Bank, Acquirer und Händler sind getrennte Rollen, das Netzwerk stellt die Regeln und die Infrastruktur dazwischen. Das Acquiring liegt damit bei einem anderen Unternehmen als das Issuing. American Express führt beide Seiten dagegen im eigenen Haus.
Diese Unterscheidung hat eine unmittelbare Kostenfolge. Der Interchange-Deckel der EU-Verordnung 2015/751 von 0,2 Prozent bei Verbraucher-Debitkarten und 0,3 Prozent bei Verbraucher-Kreditkarten gilt für Vier-Parteien-Systeme. Ein Drei-Parteien-System bleibt davon frei, solange es keine Lizenzen an andere Zahlungsdienstleister vergibt und seine Karten nicht über einen Co-Branding-Partner oder einen Vertreter ausgibt. Tut es das, gilt es nach Artikel 1 Absatz 5 der Verordnung ebenfalls als Vier-Parteien-System. Wo der Deckel nicht greift, verhandeln Sie einen Händlersatz ohne regulatorische Obergrenze, in Deutschland üblicherweise deutlich über 1 Prozent.
Wo das Netzwerk in Ihren Kosten auftaucht
Zwei der drei Bausteine Ihres Disagios gehen auf das Netzwerk zurück. Das Interchange-Entgelt setzt das Netzwerk fest, es fließt aber vollständig an die Bank des Kunden. Die Scheme Fees behält das Netzwerk selbst; bei Visa und Mastercard liegen sie als Richtwert zwischen 0,1 und 0,3 Prozent zuzüglich Centbeträgen je Transaktion. Der dritte Baustein, die Marge Ihres Acquirers, ist der einzige frei verhandelbare Teil.
Bei girocard gab es ein solches Netzwerkentgelt lange nicht. Seit dem 1. Januar 2026 erhebt die EURO Kartensysteme GmbH als Scheme Manager eine einheitliche Scheme-Manager-Fee von 0,00209 Prozent des girocard-Umsatzes, die die Acquirer ohne eigene Marge durchleiten.
Ein Fachhändler mit zwei Standorten und 3,0 Mio. Euro Kartenumsatz zeigt die Größenordnung. 60 Prozent des Umsatzes laufen über girocard, also 1,8 Mio. Euro; darauf entfallen 37,62 Euro Scheme-Manager-Fee im Jahr. Die restlichen 1,2 Mio. Euro laufen über Visa und Mastercard, bei 0,15 Prozent Scheme Fees sind das 1.800 Euro. Zusammen stehen 1.838 Euro auf der Jahresrechnung, gemessen am Gesamtumsatz 0,061 Prozent.
Der Posten ist klein, und er wächst ohne Ihr Zutun. Die Netzwerke ändern ihre Entgelttabellen mehrmals im Jahr. In einem Blended-Satz sehen Sie von diesen Änderungen nichts, weil dort alle Bausteine in einer Zahl zusammenfallen.
Was Sie daraus für die Verhandlung mitnehmen
Mit dem Netzwerk selbst verhandeln Sie nicht. Verhandelbar ist, wie dessen Entgelte bei Ihnen ankommen. Ein Preismodell, das Interchange und Scheme Fees getrennt ausweist, macht jede Änderung der Entgelttabelle sichtbar und ordnet sie einem Posten zu. Fehlt diese Trennung, sehen Sie am Jahresende nur einen gestiegenen Mischsatz und können ihn keinem Verursacher zuordnen.
Auch genannt
Card Scheme · Scheme · Kartensystem · Zahlungsnetzwerk · Kartenorganisation
Verwandte Begriffe
- Scheme-FeeScheme-Fees sind die Entgelte der Kartennetzwerke Visa und Mastercard für die Nutzung ihrer Infrastruktur: meist mehrere kleine Posten, in Summe oft 0,1–0,3 % zuzüglich Fixbeträgen.
- InterchangeDas Interchange-Entgelt fließt vom Acquirer an die kartenausgebende Bank des Kunden. In der EU ist es gesetzlich gedeckelt: 0,2 % bei Verbraucher-Debit-, 0,3 % bei Verbraucher-Kreditkarten.
- Issuer (Kartenherausgeber)Der Issuer ist das Institut, das die Karte des Kunden herausgibt. Er erhält für jede Zahlung das Interchange-Entgelt und bestimmt damit den größten Einzelposten Ihrer Kartenkosten.
- AcquiringAcquiring ist die Abwicklung von Kartenzahlungen auf Händlerseite: Der Acquirer reicht Transaktionen bei den Kartennetzwerken ein und schreibt dem Händler den Umsatz gut.
- girocardDie girocard ist das nationale Debitkartensystem der deutschen Kreditwirtschaft. Für Händler ist sie die günstigste verbreitete Kartenart: meist rund 0,30 % Händlerentgelt je Zahlung.