Grundlagen & Vertrag
Konditionsanalyse: Wie eine unabhängige Prüfung Ihre Kartenkosten senkt
Wie eine unabhängige Konditionsanalyse Ihren Acquiring-Vertrag prüft, die Differenz zum Marktpreis in Euro beziffert und Ihre Kartenkosten typisch um 10 bis 30 Prozent senkt. Mit Rechenbeispiel.
Eine Konditionsanalyse prüft Ihren Acquiring-Vertrag und zwölf Monate Kartenabrechnungen daraufhin, wie weit Ihre Gebühren über dem heutigen Marktpreis liegen. Für einen inhabergeführten Betrieb mit zwei Standorten und 3 Mio. Euro Kartenumsatz senkt eine solche Prüfung die jährlichen Kartenkosten in der Regel um 10 bis 30 Prozent. Im Rechenbeispiel weiter unten sind das rund 10.500 Euro pro Jahr. Bezahlt wird die Analyse erst, wenn diese Ersparnis im neuen Vertrag wirksam ist.
Was eine Konditionsanalyse leistet
Eine Konditionsanalyse ist die strukturierte Prüfung aller Gebühren, die Ihre Kartenakzeptanz verursacht. Sie nimmt Ihre realen Abrechnungen, rechnet daraus Ihren effektiven Kartensatz aus und stellt ihm gegenüber, was vergleichbare Betriebe mit ähnlichem Umsatz und Kartenmix heute zahlen. Das Ergebnis ist eine konkrete Zahl: der Betrag, den Sie pro Jahr über dem Marktpreis liegen.
Der Unterschied zur Eigenprüfung liegt in der Datenbasis. Ein Acquirer nennt Ihnen einen Listenpreis, etwa ein Disagio von 1,3 Prozent. Was Sie tatsächlich zahlen, hängt von Ihrem Kartenmix ab, von Scheme Fees und von den Terminalkosten. Eine Analyse rechnet diese Posten zusammen und macht aus dem beworbenen Listenpreis einen belastbaren Effektivwert. Wie sich dieser Wert aus einer Abrechnung herauslesen lässt, zeigt unser Beitrag Kartenabrechnung verstehen.
Am stärksten wirkt eine Konditionsanalyse bei inhabergeführten Betrieben ab rund 1 Mio. Euro Kartenumsatz mit zwei oder drei Standorten. Dort ist der Umsatz hoch genug, dass ein Zehntel Prozentpunkt im Disagio vierstellig zählt, und zugleich fehlt meist die Einkaufsmacht großer Ketten, die ihre Konditionen zentral verhandeln. Genau in dieser Lücke zahlen viele Betriebe seit Jahren einen Satz, den sie nie gegen den Markt geprüft haben.
Welche Unterlagen die Analyse braucht
Belastbar wird eine Konditionsanalyse erst mit echten Daten. Schätzungen aus dem Gedächtnis verfehlen den Effektivsatz oft um mehrere Zehntel Prozentpunkte. Drei Unterlagen reichen in den meisten Fällen aus:
- Zwölf zusammenhängende Monatsabrechnungen Ihres Acquirers, damit saisonale Schwankungen im Kartenmix sichtbar werden.
- Der aktuelle Acquiring- und Terminalvertrag mit allen Anlagen, inklusive Preisblatt und Laufzeitregelung.
- Eine kurze Angabe zu Standorten, Anzahl der Terminals und durchschnittlichem Bonwert, um die Zahlen einzuordnen.
Mehr ist selten nötig. Aus diesen Unterlagen lässt sich der effektive Satz je Standort und für den Gesamtbetrieb berechnen. Dabei wird auch erkennbar, ob Ihr Vertrag nach Pass-Through oder nach Blended-Pricing abrechnet, was den Spielraum für die Verhandlung bestimmt.
Was die Analyse im Einzelnen prüft
Eine vollständige Analyse betrachtet fünf Kostenebenen. Jede für sich kann ein paar Hundert Euro im Jahr ausmachen, in der Summe entscheiden sie über Ihren Effektivsatz.
Das effektive Disagio
Das Disagio ist der prozentuale Anteil je Kartenzahlung und der größte einzelne Hebel. Entscheidend ist der effektive Wert über alle Kartenarten hinweg, nicht der beworbene Bestpreis für die günstigste Karte. Ein Betrieb mit vielen Firmen- und Auslandskarten zahlt bei identischem Listenpreis spürbar mehr als ein Betrieb mit überwiegend girocard-Umsatz.
Das Preismodell
Rechnet Ihr Vertrag nach IC++ oder nach Blended ab? Bei IC++ weisen Acquirer Interchange, Scheme Fee und ihre eigene Marge getrennt aus. Bei Blended verschwindet alles in einem Mischsatz. Die Analyse prüft, welches Modell zu Ihrem Umsatz passt, und macht die Marge des Anbieters sichtbar.
Die Scheme Fees
Scheme Fees sind die Entgelte von Visa und Mastercard, und sie unterliegen keiner gesetzlichen Obergrenze. Während die Interchange für Verbraucherkarten in der EU auf 0,2 Prozent bei Debit- und 0,3 Prozent bei Kreditkarten gedeckelt ist, steigen die Scheme Fees frei und meist jährlich. Die Analyse trennt diese durchlaufenden Posten von der Anbietermarge, damit klar wird, woran sich überhaupt verhandeln lässt.
Terminal- und Nebenkosten
Neben dem Disagio fallen feste Posten an: Miete oder Servicegebühr je Terminal, SIM- und Mobilfunkgebühr sowie eine PCI-Servicepauschale. Bei mehreren Geräten über zwei Standorte summieren sich diese Fixkosten schnell auf einen vierstelligen Jahresbetrag, der in der Disagio-Diskussion oft untergeht. Eine Analyse listet die Posten je Gerät auf und zeigt, welche davon verhandelbar sind und welche als reine Durchlaufkosten gelten.
Die Vertragslaufzeit
Die beste Kondition nützt wenig, wenn eine lange Laufzeit mit automatischer Verlängerung Sie über Jahre bindet. Die Analyse prüft Laufzeit und Kündigungsfrist und bewertet, ob ein Wechsel zeitnah möglich ist oder ob zunächst nachverhandelt werden sollte.
Das Rechenbeispiel: zwei Standorte, 3 Mio. Euro Kartenumsatz
Nehmen wir einen Hotelbetrieb mit zwei Häusern und 3 Mio. Euro Kartenumsatz im Jahr. Der Vertrag rechnet nach Blended ab, der effektive Satz liegt bei 1,30 Prozent. Daraus ergeben sich 39.000 Euro Kartenkosten pro Jahr. In diesem Satz steckt ein hoher Anteil an Kredit- und Auslandskarten, deren Interchange und Scheme Fees über dem girocard-Niveau liegen und den Mischsatz nach oben ziehen.
Die Analyse zeigt: Bei diesem Kartenmix und Umsatz ist ein effektiver Satz von 0,95 Prozent marktüblich erreichbar, über ein Wechselangebot oder eine Nachverhandlung. Das senkt die Kosten auf 28.500 Euro im Jahr.
Die Differenz beträgt 10.500 Euro pro Jahr, also rund 27 Prozent der bisherigen Kartenkosten. Diese Ersparnis wiederholt sich in jedem Jahr der neuen Laufzeit. Über einen typischen Dreijahresvertrag summiert sie sich auf 31.500 Euro, bevor irgendein Honorar abgezogen wird. Welcher Weg dorthin führt, Wechsel oder Nachverhandlung, klärt unser Beitrag Acquirer wechseln oder nachverhandeln.
Genau hier setzt das erfolgsbasierte Modell an. Auf die realisierte Jahresersparnis von 10.500 Euro entfällt ein einmaliges Honorar von 30 Prozent, also 3.150 Euro. Im ersten Jahr bleiben damit 7.350 Euro netto bei Ihnen, ab dem zweiten Jahr die vollen 10.500 Euro.
Warum Unabhängigkeit den Unterschied macht
Viele kostenlose Prüfungen am Markt werden von Anbietern finanziert, die im Anschluss selbst den Vertrag stellen wollen. Eine solche Prüfung empfiehlt am Ende das Produkt dessen, der sie bezahlt hat. Wer von keinem Acquirer eine Provision bezieht, hat dieses Interesse nicht.
Unabhängigkeit heißt hier konkret: Es fließt kein Kickback vom Acquirer, und im Hintergrund steht kein Produkt, das verkauft werden soll. Die Analyse bewertet allein, ob Ihr Satz zum Markt passt. Das Team kennt die Kalkulation der Anbieter aus eigener Arbeit bei Concardis, Nets und Nexi und weiß, wo in einem Vertrag Spielraum steckt.
Diese Trennung ist im Markt die Ausnahme. Ein Großteil der Beratung im Zahlungsverkehr lebt von Vermittlungsprovisionen, die der empfohlene Acquirer zahlt. Eine erfolgsbasierte Analyse dreht diesen Anreiz um, weil das Honorar allein an der Ersparnis hängt, die bei Ihnen ankommt.
Was eine Konditionsanalyse kostet
Das Honorar beträgt 30 Prozent der realisierten Jahresersparnis, einmalig und erst nach Wirksamkeit des neuen Vertrags. Berechnet wird es aus dem Dreimonatsschnitt vor und nach der Umstellung, hochgerechnet auf zwölf Monate. Es gibt keine Vorabkosten und keine Provision vom Acquirer. Solange keine Ersparnis realisiert ist, zahlen Sie nichts.
Für den Hotelbetrieb oben bedeutet das ein Honorar von 3.150 Euro für eine Ersparnis, die sich Jahr für Jahr wiederholt. Die Rechnung geht für Sie auf, weil die Kosten einmalig anfallen, der Effekt aber dauerhaft bleibt.
So läuft eine Konditionsanalyse ab
Der Ablauf ist auf wenige Schritte angelegt und bindet kaum Zeit auf Ihrer Seite:
- Sie stellen zwölf Monatsabrechnungen und den aktuellen Vertrag bereit.
- Wir berechnen Ihren effektiven Satz je Standort und für den Gesamtbetrieb.
- Sie erhalten eine Auswertung mit dem Betrag, den Sie über dem Marktpreis zahlen, und einem konkreten Zielwert.
- Auf Wunsch übernehmen wir die Verhandlung mit Ihrem Acquirer oder das Einholen eines Wechselangebots.
- Das Honorar wird erst fällig, wenn der neue Vertrag wirksam ist.
Am Ende steht eine belastbare Zahl statt eines Bauchgefühls, und eine Entscheidung, die Sie auf Basis Ihrer eigenen Abrechnungen treffen. Wie tief Sie anschließend gehen, vom reinen Nachverhandeln bis zum vollständigen Wechsel, bleibt Ihre Wahl. Den Überblick über alle Hebel gibt unser Leitfaden Kartenkosten senken.
Bevor Sie entscheiden, beantworten wir die Fragen, die uns Geschäftsführer am häufigsten stellen.
Häufige Fragen
Was kostet eine Konditionsanalyse?
Wie viel kann ich realistisch sparen?
Welche Unterlagen muss ich bereitstellen?
Muss ich danach den Anbieter wechseln?
Worin unterscheidet sich die Analyse von einem kostenlosen Anbieter-Check?
In dieser Reihe
Vertiefende Beiträge zu Teilthemen dieses Leitartikels.
Verwandte Begriffe
- KonditionsanalyseDie Konditionsanalyse prüft bestehende Kartenabrechnungen Posten für Posten, bewertet das effektive Disagio gegen den Kartenmix und beziffert das konkrete Einsparpotenzial in Euro.
- DisagioDas Disagio ist das prozentuale Entgelt, das ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer abführt, typischerweise zwischen 0,3 % und über 2 % je nach Kartenmix und Modell.
- Scheme-FeeScheme-Fees sind die Entgelte der Kartennetzwerke Visa und Mastercard für die Nutzung ihrer Infrastruktur: meist mehrere kleine Posten, in Summe oft 0,1–0,3 % zuzüglich Fixbeträgen.
- IC++ (Interchange++)IC++ ist ein transparentes Preismodell, das jede Transaktion in drei offen ausgewiesene Bausteine zerlegt: Interchange + Scheme-Fee + Acquirer-Marge.
- Vertragslaufzeit / KündigungsfristLaufzeit, Kündigungsfrist und automatische Verlängerung entscheiden, ab wann bessere Konditionen überhaupt greifen können: oft der unterschätzteste Posten im Acquiring-Vertrag.