Scheme-Fee
Scheme-Fees sind die Entgelte der Kartennetzwerke Visa und Mastercard für die Nutzung ihrer Infrastruktur: meist mehrere kleine Posten, in Summe oft 0,1–0,3 % zuzüglich Fixbeträgen.
Aktualisiert am
Scheme-Fees (Kartennetzwerk-Entgelte) sind die Gebühren, die Visa und Mastercard für die Nutzung ihrer Zahlungsinfrastruktur erheben. Sie fließen, anders als der Interchange, nicht an die Bank des Kunden, sondern an das Netzwerk selbst.
Warum Scheme-Fees so unübersichtlich sind
Scheme-Fees sind notorisch unübersichtlich: Sie bestehen aus vielen kleinen Einzelposten (Autorisierung, Clearing, grenzüberschreitende Nutzung, Datenservices), teils prozentual, teils als Fixbetrag pro Transaktion. In Summe liegen sie als Richtwert häufig im Bereich von 0,1 % bis 0,3 % plus Centbeträge; die genaue Höhe variiert stark nach Kartenart, Region und konkreter Entgelttabelle.
Jedes Netzwerk pflegt eine eigene, mehrseitige Entgelttabelle, die sich mehrmals im Jahr ändert. Manche Posten fallen nur bei bestimmten Transaktionsarten an, etwa bei manueller Eingabe der Kartennummer, bei Auslandskarten oder bei einzelnen Datenservices. Für einen Betrieb ist die Summe darum kaum aus dem Vertrag ablesbar. Sie zeigt sich erst in der realen Abrechnung. Erschwerend kommt hinzu, dass die Netzwerke ihre Tabellen selten öffentlich kommunizieren und Erhöhungen oft ohne Ankündigung an den Händler durchgereicht werden.
Wie Scheme-Fees im Preismodell auftauchen
Als Teil Ihres Disagios schlagen die Scheme-Fees unabhängig vom Preismodell durch. Sichtbar werden sie aber nur im transparenten IC++, wo sie als zweites „+“ offen ausgewiesen sind. Im Blended-Pricing verschwinden sie im Mischsatz. Da die Netzwerke ihre Scheme-Fees regelmäßig anheben, ist deren transparente Durchleitung ein wichtiger Prüfpunkt jeder Konditionsanalyse.
Rechenbeispiel: Was Scheme-Fees kosten
Ein Restaurant mit 1,5 Mio € Kartenumsatz zahlt bei Scheme-Fees von 0,2 % rund 3.000 € pro Jahr allein für diesen Posten. Heben die Netzwerke ihre Entgelte um 0,05 Prozentpunkte an, kommen ohne jede Vertragsänderung 750 € hinzu. Genau deshalb lohnt der Blick auf die einzelnen Netzwerk-Posten Ihrer Abrechnung, denn nur dort werden solche Erhöhungen überhaupt sichtbar.
Was Sie gegen steigende Scheme-Fees tun können
Ganz vermeiden lassen sich Scheme-Fees nicht, weil jede Visa- oder Mastercard-Zahlung über deren Netz läuft. Begrenzen lässt sich ihre Wirkung aber über zwei Wege. Erstens über ein transparentes IC++-Modell, in dem jede Erhöhung sichtbar bleibt und sich einzelnen Posten zuordnen lässt. Zweitens über eine schlanke Acquirer-Marge, den einzigen frei verhandelbaren Teil Ihres Disagios. Ein Betrieb, der seine Abrechnung Posten für Posten kennt, erkennt Erhöhungen früh und kann sie beim nächsten Gespräch mit dem Acquirer ansprechen. So wird aus einem unübersichtlichen Kostenblock ein überprüfbarer Posten.
Häufige Fragen
Was sind Scheme-Fees?
Wie hoch sind Scheme-Fees?
Kann ich Scheme-Fees senken?
Auch genannt
Scheme Fees · Kartennetzwerk-Entgelt · Netzwerkgebühr · Card Scheme Fee
Verwandte Begriffe
- InterchangeDas Interchange-Entgelt fließt vom Acquirer an die kartenausgebende Bank des Kunden. In der EU ist es gesetzlich gedeckelt: 0,2 % bei Verbraucher-Debit-, 0,3 % bei Verbraucher-Kreditkarten.
- IC++ (Interchange++)IC++ ist ein transparentes Preismodell, das jede Transaktion in drei offen ausgewiesene Bausteine zerlegt: Interchange + Scheme-Fee + Acquirer-Marge.
- DisagioDas Disagio ist das prozentuale Entgelt, das ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer abführt, typischerweise zwischen 0,3 % und über 2 % je nach Kartenmix und Modell.
- Blended-PricingBeim Blended-Pricing zahlt der Händler für jede Karte denselben Mischsatz: einfach abzulesen, aber intransparent, weil Interchange, Scheme-Fee und Marge nicht getrennt ausgewiesen werden.
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