Preismodelle
IC++ oder Blended-Pricing: Welches Modell senkt Ihre Kartenkosten wirklich?
IC++ und Blended unterscheiden sich nicht im Service, sondern in der Transparenz. Ein Rechenbeispiel mit 3 Mio Euro Kartenumsatz zeigt, wo das Geld bleibt.
Wenn Sie einen Acquiring-Vertrag prüfen, stehen Sie früher oder später vor zwei Begriffen: IC++ und Blended-Pricing. Beide beschreiben, wie Ihr Disagio aufgebaut ist, also der Prozentsatz, den Sie pro Kartenzahlung an Ihren Acquirer abführen. Die Wahl zwischen beiden entscheidet oft über vier- bis fünfstellige Beträge pro Jahr, nicht weil ein Modell teurer wäre, sondern weil das eine offenlegt, was das andere verbirgt.
Dieser Beitrag erklärt den Unterschied an einem konkreten Beispiel und zeigt, worauf Sie bei Ihrem eigenen Vertrag achten sollten.
Die zwei Modelle im Kern
Jede Kartenzahlung besteht aus drei Bausteinen. Erstens die Interchange, die Gebühr, die an die kartenausgebende Bank fließt. Sie ist gesetzlich gedeckelt: bei Verbraucher-Debitkarten auf 0,2 % des Umsatzes, bei Verbraucher-Kreditkarten auf 0,3 % (EU-Verordnung 2015/751). Zweitens das Scheme Fee, das Visa und Mastercard für die Netznutzung verlangen. Drittens die Acquirer-Marge, der Anteil Ihres Dienstleisters.
Beim IC++-Modell (Interchange ++) werden diese drei Posten einzeln auf Ihrer Abrechnung ausgewiesen. Sie sehen die Interchange, Sie sehen die Scheme Fees, und Sie sehen die Marge separat. Das doppelte Plus steht für diese beiden aufgeschlagenen Komponenten. Sinkt die Interchange einer Kartenart, sinkt automatisch Ihr Preis.
Beim Blended-Pricing zahlen Sie einen einzigen Mischsatz, zum Beispiel pauschal 1,2 % auf alle Kartenumsätze, unabhängig davon, ob ein Kunde mit Girocard, Visa Debit oder einer Firmenkreditkarte zahlt. Der Acquirer mischt alle Kostenbestandteile zu einem Wert. Das ist auf der Rechnung übersichtlich. Es bedeutet aber auch: Sie können nicht erkennen, wie viel davon Interchange ist und wie viel Marge.
| IC++ | Blended-Pricing | |
|---|---|---|
| Kostenstruktur | Interchange + Scheme Fees + Marge einzeln | Ein Mischsatz für alle Kartenarten |
| Transparenz | Jeder Posten auf der Abrechnung sichtbar | Aufschlüsselung nicht erkennbar |
| Sinkt die Interchange | Ihr Preis sinkt automatisch mit | Ersparnis bleibt beim Acquirer |
| Abrechnung | Mehrzeilig, detailliert | Eine Zeile, übersichtlich |
| Passt am besten für | Debit-lastigen Kartenmix | Sehr kleine oder kreditkartenlastige Betriebe |
Warum Blended bequem wirkt
Ein einziger Prozentsatz lässt sich leicht überschlagen, und die monatliche Abrechnung passt auf eine Zeile. Für sehr kleine Betriebe mit wenig Kartenumsatz kann das ausreichen. Der Komfort hat aber einen Preis: Der Mischsatz wird so kalkuliert, dass er den teuersten realistischen Kartenmix abdeckt, und die Differenz zu Ihrem tatsächlichen Mix bleibt beim Acquirer.
Das Rechenbeispiel: 3 Mio Euro Kartenumsatz
Nehmen wir einen inhabergeführten Betrieb mit zwei Standorten und 3 Mio Euro Kartenumsatz pro Jahr. Der Kartenmix ist typisch für den deutschen Mittelstand: viel Girocard, ein wachsender Anteil Debit-Karten von Visa und Mastercard, dazu einige Kredit- und Firmenkarten.
Unter einem Blended-Satz von 1,2 % zahlt dieser Betrieb:
- 3.000.000 Euro × 1,2 % = 36.000 Euro pro Jahr
Unter IC++ rechnet sich dieselbe Zahlung aus den einzelnen Bausteinen zusammen. Da der Großteil des Umsatzes über Debit-Karten läuft, greift überwiegend der niedrige Interchange-Deckel. Eine realistische Größenordnung für diesen Mix liegt bei einem effektiven Gesamtsatz von etwa 0,75 bis 0,95 %, abhängig vom konkreten Kartenmix und der ausgehandelten Marge:
- bei 0,85 %: 3.000.000 Euro × 0,85 % = 25.500 Euro pro Jahr
Die Differenz beträgt in diesem Szenario rund 10.500 Euro jährlich. Dieses Geld verschwindet beim Blended-Modell in der Mischkalkulation, ohne auf der Rechnung sichtbar zu werden. Die genaue Höhe hängt von Ihrem tatsächlichen Kartenmix ab; je höher der Debit-Anteil, desto größer fällt der Abstand in der Regel aus.
Wann Blended trotzdem passt
Die Logik kippt bei sehr hohem Kreditkarten- oder Firmenkartenanteil. Wer überwiegend internationale Premium-Karten akzeptiert, etwa ein Hotel mit vielen ausländischen Geschäftsreisenden, kann unter einem fest verhandelten Blended-Satz gelegentlich günstiger fahren, weil die teuren Kartenarten dann im Mischsatz mit aufgefangen sind. Entscheidend ist also nicht das Etikett des Modells, sondern Ihr realer Kartenmix über zwölf Monate.
Was Sie aus Ihrem Vertrag herauslesen sollten
Prüfen Sie zuerst, welches Modell überhaupt vereinbart ist. Steht auf der Abrechnung ein einziger Prozentsatz für alle Kartenarten, handelt es sich um Blended. Werden Interchange, Scheme Fees und Marge getrennt aufgeführt, ist es IC++.
Achten Sie dann auf diese Punkte:
- Effektives Disagio statt Listenpreis. Teilen Sie Ihre gesamten Kartengebühren eines Monats durch Ihren Kartenumsatz desselben Monats. Dieser Wert ist Ihr tatsächlicher Satz, unabhängig davon, was im Vertrag als Grundgebühr steht.
- Drei Monate als Basis. Ein einzelner Monat kann durch Saisonalität verzerrt sein. Ein Durchschnitt über drei Monate, hochgerechnet auf das Jahr, gibt das verlässlichere Bild.
- Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen. Viele Acquiring-Verträge laufen mehrjährig mit automatischer Verlängerung. Das beste Modell nützt wenig, wenn Sie zwei Jahre an einen schlechten Satz gebunden sind.
Wer den Wechsel von Blended zu IC++ erwägt, sollte nicht den nominellen Prozentsatz vergleichen, sondern den effektiven, denn nur er sagt, was Sie am Jahresende wirklich gezahlt haben. Hier setzt eine Konditionsanalyse an: Sie rechnet Ihren tatsächlichen Kartenmix gegen beide Modelle und macht das effektive Disagio sichtbar, das in der monatlichen Abrechnung sonst verborgen bleibt.
Was außer dem Disagio noch auf der Abrechnung steht
Das Preismodell bestimmt den größten Posten, aber nicht den einzigen. Neben dem Disagio finden sich auf fast jeder Abrechnung weitere Entgelte, die den effektiven Satz spürbar heben und die ein reiner Prozentvergleich übersieht. Wer zwei Angebote vergleicht, muss sie mitzählen.
Häufig sind das eine monatliche Grundgebühr je Terminal, ein fixes Transaktionsentgelt je Zahlung (einige Cent, das bei vielen Kleinbeträgen ins Gewicht fällt), eine PCI-Gebühr für die Einhaltung der Sicherheitsstandards und Aufschläge für Auslands- oder Firmenkarten. Dazu kommen mancherorts Mindestumsatzklauseln, die ein Entgelt fällig stellen, sobald Ihr Kartenumsatz eine Schwelle unterschreitet.
Diese Posten sind nicht per se unseriös; ein Terminal kostet Miete, und Sicherheitsstandards verursachen Aufwand. Problematisch wird es, wenn sie intransparent gebündelt oder über die Laufzeit still erhöht werden. Rechnen Sie deshalb alle umsatzunabhängigen Entgelte auf Ihren Jahres-Kartenumsatz um: Erst dann sehen Sie, was ein vermeintlich günstiger Disagio-Satz am Ende wirklich kostet. Ein Angebot mit niedrigem Disagio, aber hoher Grundgebühr kann für einen kleinen Betrieb teurer sein als das Gegenteil. Ein kurzes Beispiel: Zwei Terminals zu je 15 € im Monat, ein Transaktionsentgelt von 5 Cent bei 60.000 Zahlungen im Jahr und eine PCI-Gebühr von 60 € summieren sich auf rund 3.420 € jährlich, unabhängig vom Disagio. Bei 600.000 € Kartenumsatz entspricht das schon 0,57 Prozentpunkten obendrauf. Wer nur den Disagio-Satz vergleicht, übersieht diesen Block. Fragen Sie Angebote deshalb mit allen Fixkosten an und rechnen Sie sie in einen effektiven Gesamtsatz um; nur der ist zwischen Anbietern wirklich vergleichbar.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen IC++ und Blended-Pricing?
Welches Modell ist günstiger?
Wie erkenne ich, welches Modell ich habe?
Was ist das effektive Disagio?
Lohnt sich ein Wechsel von Blended zu IC++?
Verwandte Begriffe
- IC++ (Interchange++)IC++ ist ein transparentes Preismodell, das jede Transaktion in drei offen ausgewiesene Bausteine zerlegt: Interchange + Scheme-Fee + Acquirer-Marge.
- Blended-PricingBeim Blended-Pricing zahlt der Händler für jede Karte denselben Mischsatz: einfach abzulesen, aber intransparent, weil Interchange, Scheme-Fee und Marge nicht getrennt ausgewiesen werden.
- DisagioDas Disagio ist das prozentuale Entgelt, das ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer abführt, typischerweise zwischen 0,3 % und über 2 % je nach Kartenmix und Modell.
- InterchangeDas Interchange-Entgelt fließt vom Acquirer an die kartenausgebende Bank des Kunden. In der EU ist es gesetzlich gedeckelt: 0,2 % bei Verbraucher-Debit-, 0,3 % bei Verbraucher-Kreditkarten.
- KonditionsanalyseDie Konditionsanalyse prüft bestehende Kartenabrechnungen Posten für Posten, bewertet das effektive Disagio gegen den Kartenmix und beziffert das konkrete Einsparpotenzial in Euro.