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KartenKosten.de
Teil der Reihe: Kartenkosten senken: Der Leitfaden für den Mittelstand

Preismodelle

IC++ oder Blended-Pricing: Welches Modell senkt Ihre Kartenkosten wirklich?

IC++ und Blended unterscheiden sich nicht im Service, sondern in der Transparenz. Ein Rechenbeispiel mit 3 Mio Euro Kartenumsatz zeigt, wo das Geld bleibt.

Robert Hoffmann

Wenn Sie einen Acquiring-Vertrag prüfen, stehen Sie früher oder später vor zwei Begriffen: IC++ und Blended-Pricing. Beide beschreiben, wie Ihr Disagio aufgebaut ist, also der Prozentsatz, den Sie pro Kartenzahlung an Ihren Acquirer abführen. Die Wahl zwischen beiden entscheidet oft über vier- bis fünfstellige Beträge pro Jahr, nicht weil ein Modell teurer wäre, sondern weil das eine offenlegt, was das andere verbirgt.

Dieser Beitrag erklärt den Unterschied an einem konkreten Beispiel und zeigt, worauf Sie bei Ihrem eigenen Vertrag achten sollten.

Die zwei Modelle im Kern

Jede Kartenzahlung besteht aus drei Bausteinen. Erstens die Interchange, die Gebühr, die an die kartenausgebende Bank fließt. Sie ist gesetzlich gedeckelt: bei Verbraucher-Debitkarten auf 0,2 % des Umsatzes, bei Verbraucher-Kreditkarten auf 0,3 % (EU-Verordnung 2015/751). Zweitens das Scheme Fee, das Visa und Mastercard für die Netznutzung verlangen. Drittens die Acquirer-Marge, der Anteil Ihres Dienstleisters.

Beim IC++-Modell (Interchange ++) werden diese drei Posten einzeln auf Ihrer Abrechnung ausgewiesen. Sie sehen die Interchange, Sie sehen die Scheme Fees, und Sie sehen die Marge separat. Das doppelte Plus steht für diese beiden aufgeschlagenen Komponenten. Sinkt die Interchange einer Kartenart, sinkt automatisch Ihr Preis.

Beim Blended-Pricing zahlen Sie einen einzigen Mischsatz, zum Beispiel pauschal 1,2 % auf alle Kartenumsätze, unabhängig davon, ob ein Kunde mit Girocard, Visa Debit oder einer Firmenkreditkarte zahlt. Der Acquirer mischt alle Kostenbestandteile zu einem Wert. Das ist auf der Rechnung übersichtlich. Es bedeutet aber auch: Sie können nicht erkennen, wie viel davon Interchange ist und wie viel Marge.

IC++ und Blended-Pricing im Direktvergleich
IC++Blended-Pricing
KostenstrukturInterchange + Scheme Fees + Marge einzelnEin Mischsatz für alle Kartenarten
TransparenzJeder Posten auf der Abrechnung sichtbarAufschlüsselung nicht erkennbar
Sinkt die InterchangeIhr Preis sinkt automatisch mitErsparnis bleibt beim Acquirer
AbrechnungMehrzeilig, detailliertEine Zeile, übersichtlich
Passt am besten fürDebit-lastigen KartenmixSehr kleine oder kreditkartenlastige Betriebe

Warum Blended bequem wirkt

Ein einziger Prozentsatz lässt sich leicht überschlagen, und die monatliche Abrechnung passt auf eine Zeile. Für sehr kleine Betriebe mit wenig Kartenumsatz kann das ausreichen. Der Komfort hat aber einen Preis: Der Mischsatz wird so kalkuliert, dass er den teuersten realistischen Kartenmix abdeckt, und die Differenz zu Ihrem tatsächlichen Mix bleibt beim Acquirer.

Das Rechenbeispiel: 3 Mio Euro Kartenumsatz

Nehmen wir einen inhabergeführten Betrieb mit zwei Standorten und 3 Mio Euro Kartenumsatz pro Jahr. Der Kartenmix ist typisch für den deutschen Mittelstand: viel Girocard, ein wachsender Anteil Debit-Karten von Visa und Mastercard, dazu einige Kredit- und Firmenkarten.

Unter einem Blended-Satz von 1,2 % zahlt dieser Betrieb:

  • 3.000.000 Euro × 1,2 % = 36.000 Euro pro Jahr

Unter IC++ rechnet sich dieselbe Zahlung aus den einzelnen Bausteinen zusammen. Da der Großteil des Umsatzes über Debit-Karten läuft, greift überwiegend der niedrige Interchange-Deckel. Eine realistische Größenordnung für diesen Mix liegt bei einem effektiven Gesamtsatz von etwa 0,75 bis 0,95 %, abhängig vom konkreten Kartenmix und der ausgehandelten Marge:

  • bei 0,85 %: 3.000.000 Euro × 0,85 % = 25.500 Euro pro Jahr
Jahreskosten im Vergleich · 3 Mio € Kartenumsatz
Jahreskosten im Vergleich · 3 Mio € Kartenumsatz — kartenkosten.deBlended-Pricing36.000 €1,2 % pauschalIC++25.500 €≈ 0,85 % effektiv
Modellrechnung bei typischem Mittelstands-Kartenmix. Die tatsächlichen Werte hängen vom realen Kartenmix ab.

Die Differenz beträgt in diesem Szenario rund 10.500 Euro jährlich. Dieses Geld verschwindet beim Blended-Modell in der Mischkalkulation, ohne auf der Rechnung sichtbar zu werden. Die genaue Höhe hängt von Ihrem tatsächlichen Kartenmix ab; je höher der Debit-Anteil, desto größer fällt der Abstand in der Regel aus.

Wann Blended trotzdem passt

Die Logik kippt bei sehr hohem Kreditkarten- oder Firmenkartenanteil. Wer überwiegend internationale Premium-Karten akzeptiert, etwa ein Hotel mit vielen ausländischen Geschäftsreisenden, kann unter einem fest verhandelten Blended-Satz gelegentlich günstiger fahren, weil die teuren Kartenarten dann im Mischsatz mit aufgefangen sind. Entscheidend ist also nicht das Etikett des Modells, sondern Ihr realer Kartenmix über zwölf Monate.

Was Sie aus Ihrem Vertrag herauslesen sollten

Prüfen Sie zuerst, welches Modell überhaupt vereinbart ist. Steht auf der Abrechnung ein einziger Prozentsatz für alle Kartenarten, handelt es sich um Blended. Werden Interchange, Scheme Fees und Marge getrennt aufgeführt, ist es IC++.

Achten Sie dann auf diese Punkte:

  • Effektives Disagio statt Listenpreis. Teilen Sie Ihre gesamten Kartengebühren eines Monats durch Ihren Kartenumsatz desselben Monats. Dieser Wert ist Ihr tatsächlicher Satz, unabhängig davon, was im Vertrag als Grundgebühr steht.
  • Drei Monate als Basis. Ein einzelner Monat kann durch Saisonalität verzerrt sein. Ein Durchschnitt über drei Monate, hochgerechnet auf das Jahr, gibt das verlässlichere Bild.
  • Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen. Viele Acquiring-Verträge laufen mehrjährig mit automatischer Verlängerung. Das beste Modell nützt wenig, wenn Sie zwei Jahre an einen schlechten Satz gebunden sind.

Wer den Wechsel von Blended zu IC++ erwägt, sollte nicht den nominellen Prozentsatz vergleichen, sondern den effektiven, denn nur er sagt, was Sie am Jahresende wirklich gezahlt haben. Hier setzt eine Konditionsanalyse an: Sie rechnet Ihren tatsächlichen Kartenmix gegen beide Modelle und macht das effektive Disagio sichtbar, das in der monatlichen Abrechnung sonst verborgen bleibt.

Was außer dem Disagio noch auf der Abrechnung steht

Das Preismodell bestimmt den größten Posten, aber nicht den einzigen. Neben dem Disagio finden sich auf fast jeder Abrechnung weitere Entgelte, die den effektiven Satz spürbar heben und die ein reiner Prozentvergleich übersieht. Wer zwei Angebote vergleicht, muss sie mitzählen.

Häufig sind das eine monatliche Grundgebühr je Terminal, ein fixes Transaktionsentgelt je Zahlung (einige Cent, das bei vielen Kleinbeträgen ins Gewicht fällt), eine PCI-Gebühr für die Einhaltung der Sicherheitsstandards und Aufschläge für Auslands- oder Firmenkarten. Dazu kommen mancherorts Mindestumsatzklauseln, die ein Entgelt fällig stellen, sobald Ihr Kartenumsatz eine Schwelle unterschreitet.

Diese Posten sind nicht per se unseriös; ein Terminal kostet Miete, und Sicherheitsstandards verursachen Aufwand. Problematisch wird es, wenn sie intransparent gebündelt oder über die Laufzeit still erhöht werden. Rechnen Sie deshalb alle umsatzunabhängigen Entgelte auf Ihren Jahres-Kartenumsatz um: Erst dann sehen Sie, was ein vermeintlich günstiger Disagio-Satz am Ende wirklich kostet. Ein Angebot mit niedrigem Disagio, aber hoher Grundgebühr kann für einen kleinen Betrieb teurer sein als das Gegenteil. Ein kurzes Beispiel: Zwei Terminals zu je 15 € im Monat, ein Transaktionsentgelt von 5 Cent bei 60.000 Zahlungen im Jahr und eine PCI-Gebühr von 60 € summieren sich auf rund 3.420 € jährlich, unabhängig vom Disagio. Bei 600.000 € Kartenumsatz entspricht das schon 0,57 Prozentpunkten obendrauf. Wer nur den Disagio-Satz vergleicht, übersieht diesen Block. Fragen Sie Angebote deshalb mit allen Fixkosten an und rechnen Sie sie in einen effektiven Gesamtsatz um; nur der ist zwischen Anbietern wirklich vergleichbar.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen IC++ und Blended-Pricing?
Bei IC++ werden Interchange, Scheme Fees und die Marge des Acquirers einzeln ausgewiesen. Beim Blended-Pricing zahlen Sie einen einzigen Mischsatz für alle Kartenarten, ohne dass die Bestandteile sichtbar sind.
Welches Modell ist günstiger?
Für den typischen Mittelstands-Kartenmix mit hohem Debit-Anteil ist IC++ meist günstiger, weil der gesetzlich gedeckelte Interchange voll durchschlägt. Bei sehr hohem Kreditkarten- oder Firmenkartenanteil kann ein fest verhandelter Blended-Satz im Einzelfall günstiger sein.
Wie erkenne ich, welches Modell ich habe?
Steht auf Ihrer Abrechnung ein einziger Prozentsatz für alle Kartenarten, ist es Blended-Pricing. Werden Interchange, Scheme Fees und Marge getrennt aufgeführt, handelt es sich um IC++.
Was ist das effektive Disagio?
Das effektive Disagio ist Ihr tatsächlicher Satz: die gesamten Kartengebühren eines Monats geteilt durch den Kartenumsatz desselben Monats. Es ist der einzige verlässliche Vergleichswert zwischen zwei Angeboten.
Lohnt sich ein Wechsel von Blended zu IC++?
Das hängt von Ihrem realen Kartenmix ab. Vergleichen Sie nicht die Listenpreise, sondern das effektive Disagio beider Modelle über zwölf Monate; bei debitlastigem Umsatz liegt der Vorteil meist bei IC++.

Verwandte Begriffe

Porträtfoto von Robert Hoffmann, Gründer von KartenKosten.de

Robert Hoffmann

Geschäftsführung · Acquirer-Hintergrund

CEO bei Concardis, Nets und 1&1. Bringt diese Anbieter-Perspektive heute in die Mandate ein.

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