ELV (Elektronisches Lastschriftverfahren)
Kartenzahlung per Unterschrift statt PIN: Das Terminal liest die Kontodaten, daraus wird eine SEPA-Lastschrift. Das girocard-Händlerentgelt entfällt, das Ausfallrisiko bleibt beim Betrieb.
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Das elektronische Lastschriftverfahren, kurz ELV, ist eine Kartenzahlung am Terminal ohne PIN und ohne Online-Autorisierung: Das Terminal liest die Kontodaten von der Karte, der Kunde unterschreibt den Beleg, und daraus entsteht eine SEPA-Lastschrift. Für den Betrieb entfällt damit das prozentuale Händlerentgelt der girocard. Im Gegenzug verliert der Betrieb die Zahlungsgarantie und trägt das Ausfallrisiko selbst.
Was am Terminal passiert
Technisch ist ELV keine Kartentransaktion, sondern ein Einzug. Das Terminal fragt nicht bei der Bank des Kunden an, ob das Konto gedeckt ist, sondern liest nur die Kontoverbindung aus. Die Unterschrift auf dem Beleg ist das Lastschriftmandat, die zugehörige Mandats-ID druckt das Terminal mit auf. Der Beleg ist damit Ihr Nachweis für das Mandat und gehört zu den aufbewahrungspflichtigen Unterlagen.
Seit der SEPA-Umstellung läuft das Verfahren als SEPA-ELV. Wie bei jedem anderen SEPA-Einzug braucht es eine Gläubiger-Identifikationsnummer und je Zahlung eine Mandatsreferenz. Der Kunde kann einer autorisierten Belastung acht Wochen lang ohne Begründung widersprechen. Fehlt ein gültiges Mandat, verlängert sich diese Frist auf dreizehn Monate.
ELV, OLV und die garantierte girocard
Drei Verfahren laufen über dieselbe Hardware und unterscheiden sich im Risiko. Bei der girocard mit PIN prüft das Terminal das Konto in Echtzeit, die Zahlung ist garantiert und kostet dafür ein Disagio plus ein Autorisierungsentgelt. Beim klassischen ELV findet diese Prüfung nicht statt. Das Online-Lastschriftverfahren, kurz OLV, liegt dazwischen: Es gleicht die Kontodaten vor der Zahlung mit Sperrlisten ab, weist auffällige Konten zurück und kostet je Abfrage extra.
Die Sperrlistenabfrage senkt das Risiko, beseitigt es aber nicht. Ein zahlungsunwilliger Kunde ohne Eintrag kommt durch. Wer die Garantie zurückkaufen will, kann beim Anbieter ein OLV-Acquiring mit Ankauf der Rückläufer abschließen. Die Gebühr dafür zehrt den Kostenvorteil wieder auf.
Was der Verzicht auf das Disagio wert ist
Ein Getränkefachmarkt mit einem Standort setzt 900.000 € im Jahr über die Karte um, davon 70 Prozent über die girocard, also 630.000 € bei einem Durchschnittsbon von 42 €. Das sind 15.000 Zahlungen im Jahr. Bei einem verhandelten Satz von 0,30 Prozent kostet dieser Umsatz 1.890 € an Händlerentgelt, und genau diesen Betrag spart das ELV ein.
12,6 Cent
gespartes Händlerentgelt je ELV-Zahlung
Getränkefachmarkt, 630.000 € girocard-Umsatz, Bon 42 €, Satz 0,30 %
Dem steht der Rückläufer gegenüber. Jede geplatzte Lastschrift kostet je nach Institut 3 bis 10 € Bankentgelt, dazu den Aufwand für Nachverfolgung und Mahnung. Bei 6 € je Fall frisst ein einziger Rückläufer die Ersparnis von rund 48 Zahlungen. Eine Quote von 0,5 Prozent bedeutet 75 Rückläufer und allein 450 € Bankentgelte, der Forderungsausfall kommt obendrauf. Wo der Vorteil genau kippt, rechnet der Kostenvergleich girocard gegen ELV durch.
Wie verbreitet ELV heute noch ist
Im stationären Einzelhandel verliert das Verfahren an Boden. Das EHI Retail Institute wies für das Jahr 2024 einen Umsatzanteil von 6,2 Prozent für die Lastschrift am Point of Sale aus. Für 2025 kamen Kartenzahlungen insgesamt auf 65,1 Prozent, allein die girocard auf 40,5 Prozent. Der Grund liegt im Ablauf: ELV verlangt das Auslesen der Kontodaten und eine Unterschrift, die kontaktlose Zahlung dagegen ist eine autorisierte girocard-Transaktion. Je mehr Umsatz kontaktlos läuft, desto weniger bleibt überhaupt für den Einzug übrig.
Häufige Fragen
Ist eine ELV-Zahlung für den Händler garantiert?
Was kostet ELV im Vergleich zur girocard mit PIN?
Worin unterscheidet sich eine Rücklastschrift von einem Chargeback?
Auch genannt
Elektronisches Lastschriftverfahren · SEPA-ELV · Lastschriftverfahren am Terminal · POS-Lastschrift · Zahlung per Unterschrift
Verwandte Begriffe
- girocardDie girocard ist das nationale Debitkartensystem der deutschen Kreditwirtschaft. Für Händler ist sie die günstigste verbreitete Kartenart: meist rund 0,30 % Händlerentgelt je Zahlung.
- SEPA-LastschriftEinzugsverfahren über das Bankkonto: Der Zahlungsempfänger bucht per Mandat direkt beim Zahler ab. Statt eines prozentualen Disagios fallen feste Entgelte je Buchung an, dazu Kosten für Rückläufer.
- DisagioDas Disagio ist das prozentuale Entgelt, das ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer abführt, typischerweise zwischen 0,3 % und über 2 % je nach Kartenmix und Modell.
- AutorisierungsentgeltDas Autorisierungsentgelt ist eine feste Gebühr pro Kartentransaktion, unabhängig vom Umsatz. Es liegt meist bei 1 bis 3 Cent je Zahlung und deckt die Prüfung, ob die Karte gedeckt und gültig ist.
- ChargebackEin Chargeback ist die Rückbelastung einer Kartenzahlung auf Veranlassung des Karteninhabers, etwa bei Betrug, Reklamation oder Nichtlieferung. Pro Fall fällt zusätzlich ein Bearbeitungsentgelt an.