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KartenKosten.de
Teil der Reihe: Kartenkosten senken: Der Leitfaden für den Mittelstand

Gebühren & Kostenbestandteile

girocard mit PIN oder Lastschrift (ELV): Der Kostenvergleich

Das Lastschriftverfahren (ELV) spart das Disagio, überträgt aber das Ausfallrisiko auf den Händler. Der Kostenvergleich zur garantierten girocard mit PIN, mit Rechenbeispiel.

Simon Feldhusen

Die girocard mit PIN garantiert Ihnen die Zahlung, kostet dafür aber ein Disagio von rund 0,29 Prozent. Das elektronische Lastschriftverfahren am Terminal, kurz ELV, spart dieses Disagio, überträgt aber das Ausfallrisiko auf Sie: Die Zahlung ist nicht garantiert. Für einen Fachhändler mit 1,8 Mio Euro girocard-Umsatz sind das rund 5.200 Euro gesparte Gebühren im Jahr, doch schon ab etwa 0,6 Prozent Rücklastschriftquote ist dieser Vorteil wieder aufgezehrt.

Was das Lastschriftverfahren am Terminal wirklich ist

Das ELV ist ein deutscher Sonderweg aus der Zeit vor der flächendeckenden Chip-und-PIN-Zahlung. Händler wollten die Disagio-Gebühr der Kreditwirtschaft umgehen und zogen den Kartenbetrag stattdessen selbst per Lastschrift ein. Im Lebensmittel- und Fachhandel ist das Verfahren bis heute verbreitet, weil es an der Kasse aussieht wie eine normale Kartenzahlung, unter der Haube aber etwas ganz anderes ist.

Wenn ein Kunde an Ihrer Kasse die Karte einsteckt, laufen zwei ganz unterschiedliche Verfahren über dieselbe Hardware. Bei der girocard mit PIN fragt das Terminal in Echtzeit bei der Bank des Kunden an, ob das Konto gedeckt ist. Diese Prüfung kostet ein kleines Autorisierungsentgelt, macht die Zahlung im Gegenzug aber garantiert: Der Betrag ist Ihnen sicher, sobald die PIN bestätigt ist.

Beim elektronischen Lastschriftverfahren passiert genau das nicht. Das Terminal liest nur die Kontoverbindung von der Karte, der Kunde unterschreibt, und aus der Unterschrift wird eine SEPA-Lastschrift. Eine Deckungsprüfung findet nicht statt. Sie ziehen den Betrag später vom Kundenkonto ein, und wenn dort kein Geld ist oder der Kunde widerspricht, kommt die Buchung als Rücklastschrift zu Ihnen zurück.

Zwischen den beiden Polen liegt das Online-Lastschriftverfahren, kurz OLV. Es gleicht die Kontodaten vor der Zahlung mit bundesweiten Sperrlisten und Scoring-Daten ab und weist etwa gesperrte Karten oder Konten mit offener Rücklastschrift ab. Das senkt das Risiko, kostet aber je Anfrage extra und schließt einen zahlungsunwilligen Kunden mit sauberer Historie trotzdem nicht aus.

Was die girocard mit PIN kostet, und was ELV davon spart

Rechnen wir es an einem konkreten Betrieb durch: ein Fachhändler mit zwei Standorten und 3 Mio Euro Kartenumsatz im Jahr. Rund 60 Prozent davon entfallen auf die girocard, also 1,8 Mio Euro, verteilt auf etwa 40.000 Zahlungen mit einem Durchschnittsbon von 45 Euro.

Über die garantierte girocard kostet dieser Umsatz ein verhandeltes Disagio von 0,29 Prozent, das sind 5.220 Euro, plus ein festes Entgelt von 3 Cent je Zahlung, also weitere 1.200 Euro. Zusammen 6.420 Euro im Jahr. Der prozentuale Teil, die 5.220 Euro, ist genau der Betrag, den das ELV verspricht einzusparen, denn beim Lastschrifteinzug fällt kein Disagio an. Das feste Entgelt je Buchung bleibt in beiden Verfahren ähnlich und fällt damit aus dem Vergleich heraus.

Von diesem Satz ist ohnehin nur ein Teil verhandelbar. Der Interchange liegt bei Verbraucher-Debitkarten gesetzlich bei 0,2 Prozent, den Rest bilden die Netzentgelte und die Marge Ihres Anbieters. Das ELV umgeht diese Kette komplett, indem es gar keine Kartentransaktion auslöst und stattdessen einen Lastschrifteinzug erzeugt.

Der Preis der Ersparnis: das Rücklastschriftrisiko

Die 5.220 Euro sind aber keine geschenkte Ersparnis. Sie sind der Einsatz in einer Wette auf die Zahlungsmoral Ihrer Kunden. Jede geplatzte Lastschrift kostet doppelt: einmal das Rücklastschriftentgelt der Bank, das je nach Institut zwischen 3 und 10 Euro liegt, und einmal den Umsatz selbst, wenn sich die Forderung nicht mehr eintreiben lässt.

Rechnen wir konservativ mit 6 Euro Bankentgelt je Rückläufer und einem Forderungsausfall von einem Drittel des Bons, also 15 Euro bei 45 Euro Durchschnittsbon. Dann kostet jede Rücklastschrift im Schnitt rund 21 Euro. Bei 40.000 Zahlungen ist die gesamte Disagio-Ersparnis von 5.220 Euro aufgebraucht, sobald etwa 250 Zahlungen zurückkommen, das sind 0,6 Prozent aller girocard-Umsätze.

Diese Schwelle ist niedrig. Rücklastschriftquoten im Präsenzhandel liegen erfahrungsgemäß zwischen 0,5 und 1 Prozent, je nach Lage, Sortiment und Kundschaft. Liegt Ihr Betrieb bei 0,8 Prozent, kommen 320 Zahlungen zurück, die zusammen 6.720 Euro kosten. Unter dem Strich zahlen Sie dann rund 1.500 Euro mehr als mit der garantierten girocard, obwohl Sie das Disagio vollständig gespart haben.

Hinzu kommt die rechtliche Seite. Eine SEPA-Basislastschrift kann der Kunde acht Wochen lang ohne Angabe von Gründen zurückrufen, bei einem fehlenden gültigen Mandat sogar dreizehn Monate. Selbst eine zunächst erfolgreiche Buchung ist damit wochenlang nicht endgültig. Bei der garantierten girocard mit PIN existiert dieses Fenster nicht.

Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, worin sich die beiden Verfahren unterscheiden und wie das Beispiel bei einer Rücklastschriftquote von 0,8 Prozent ausgeht.

girocard mit PIN und ELV im Kostenvergleich
girocard mit PINLastschrift am Terminal (ELV)
Disagiorund 0,29 % vom Umsatz0 %
Zahlungsgarantieja, mit PIN abgesichertnein, Sie tragen das Risiko
Deckungsprüfungonline in Echtzeitkeine (offline); OLV prüft gegen Sperrlisten
Kosten bei AusfallkeineRücklastschriftentgelt 3–10 € je Fall plus Forderungsausfall
Jahreskosten im Beispiel (1,8 Mio €, 0,8 % Rücklastschriften)6.420 €7.920 €

Der Vergleich macht die eigentliche Frage sichtbar: ELV senkt keine Gebühr, es übernimmt ein Risiko. Sie tauschen einen sicheren, kalkulierbaren Posten gegen einen schwankenden, den Sie erst am Jahresende genau kennen. Für Betriebe mit sehr treuer Stammkundschaft und niedriger Ausfallquote kann die Rechnung aufgehen. Für einen Filialbetrieb mit wechselndem Publikum bleibt sie eine Wette gegen das eigene Forderungsmanagement.

Warum ELV im Filialbetrieb an Grenzen stößt

Zwei Entwicklungen drücken das ELV zusätzlich an den Rand. Die erste ist die kontaktlose Zahlung. Der Großteil der girocard-Umsätze läuft heute über Tap and Go, und eine kontaktlose Zahlung ist im Kern eine autorisierte girocard-Transaktion, kein Lastschrifteinzug. Klassisches ELV verlangt das Auslesen der Kontodaten und eine Unterschrift und bremst damit den schnellen Bezahlvorgang an der Kasse. Eine kontaktlose ELV-Variante existiert technisch, hat sich im Alltag aber kaum durchgesetzt.

Die zweite ist der Aufwand hinter jeder Rücklastschrift. Ein zurückgekommener Einzug macht Arbeit: Adresse prüfen, Kunden anschreiben, im Zweifel mahnen und die Forderung abschreiben. Diese Zeit taucht in keiner Gebührentabelle auf, kostet aber real. Wer das Risiko auslagern will, kann über den Anbieter ein OLV-Acquiring abschließen, bei dem Rücklastschriften angekauft werden. Damit kauft man die Zahlungsgarantie zurück, die man mit dem Wechsel zum ELV gerade aufgegeben hat, gegen eine Gebühr, die den Kostenvorteil weiter schmälert.

Eine Rücklastschrift ist dabei nicht dasselbe wie eine Kreditkarten-Rückbuchung, auch wenn beide Geld zurückholen. Wie sich die beiden unterscheiden und was eine Rückbuchung im Kreditkartengeschäft kostet, behandelt der Beitrag zu Chargebacks.

Der verlässliche Hebel: das Disagio senken, nicht die Garantie aufgeben

Der Reiz des ELV entsteht fast immer aus einem zu hohen Disagio. Zahlt ein Betrieb 0,5 oder 0,6 Prozent auf die girocard, wirkt der vollständige Verzicht auf die Gebühr verlockend, obwohl rund 0,29 Prozent längst marktüblich sind. Der Denkfehler steckt dann im überhöhten Preis der girocard-Zahlung. Das Verfahren zu wechseln behandelt ein Symptom, während der teure Satz bleibt.

Bevor Sie das Ausfallrisiko übernehmen, lohnt der Blick auf Ihren tatsächlichen Satz. Wie Sie Ihr effektives Disagio in wenigen Minuten aus der Abrechnung ausrechnen, zeigt der eigene Beitrag dazu. Liegt der Wert deutlich über 0,3 Prozent auf der girocard, liegt die Antwort in einer Nachverhandlung, die über den gesamten Umsatz wirkt und die Zahlung garantiert lässt. Das ELV setzt dagegen am falschen Ende an.

Genau hier setzt eine unabhängige Konditionsanalyse an. Sie beziffert, wie weit sich Ihr Disagio drücken lässt, und macht die vermeintliche ELV-Ersparnis überflüssig, ohne dass Sie ein einziges Risiko übernehmen. Dieselbe Logik gilt für die Nebenkosten: Wartungspauschalen, Terminalmieten oder ein zu teures Preismodell lassen sich im Vertrag korrigieren, ohne an der Sicherheit der Zahlung etwas zu ändern.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zu girocard und Lastschrift

Ist eine girocard-Zahlung mit PIN wirklich garantiert?
Ja. Bei der girocard mit PIN prüft das Terminal die Kontodeckung in Echtzeit und die Zahlung wird autorisiert. Fällt der Kunde danach aus, tragen die beteiligten Banken den Schaden, nicht der Händler. Genau diese Garantie fehlt beim Lastschriftverfahren.
Wie hoch ist das Rücklastschriftrisiko im Einzelhandel?
Rücklastschriftquoten im Präsenzhandel liegen typischerweise zwischen 0,5 und 1 Prozent der Lastschriftzahlungen. Schon ab rund 0,6 Prozent übersteigen die Ausfall- und Rücklastschriftkosten die gesparte Disagio-Gebühr im hier gerechneten Beispiel.
Was kostet eine Rücklastschrift den Händler?
Jede geplatzte Lastschrift kostet ein Rücklastschriftentgelt der Bank von meist 3 bis 10 Euro. Hinzu kommt der Forderungsausfall, wenn sich der Betrag nicht mehr eintreiben lässt, sowie der Aufwand für Adressprüfung und Mahnung.
Lohnt sich ELV gegenüber der girocard überhaupt noch?
Nur bei sehr niedriger Ausfallquote und treuer Stammkundschaft. Für die meisten Filialbetriebe ist ein niedrig verhandeltes girocard-Disagio der sicherere Weg, weil er die Zahlungsgarantie erhält und trotzdem die Kosten senkt.

Ob sich in Ihrem Fall eher das Disagio drücken oder das Verfahren umstellen lässt, hängt an Ihrem tatsächlichen Satz und Ihrer Ausfallquote. Beides klärt eine knappe Prüfung Ihrer Abrechnung.

Verwandte Begriffe

Porträtfoto von Simon Feldhusen, Gründer von KartenKosten.de

Simon Feldhusen

Engineering · Analyse-Pipeline

Verantwortlich für Plattform und Auswertungs-Logik seit 2025. Baut die Werkzeuge, mit denen die Konditionsanalyse strukturiert und reproduzierbar wird.

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