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Glossar

MIF (Multilateral Interchange Fee)

Die MIF ist der multilateral festgelegte Standard-Interchange-Satz von Visa/Mastercard, der gilt, wenn Issuer und Acquirer keinen eigenen Satz vereinbart haben.

Aktualisiert am

MIF steht für Multilateral Interchange Fee, den von einem Kartennetzwerk wie Visa oder Mastercard multilateral festgelegten Interchange-Satz. Dieser Standardwert greift immer dann, wenn Issuer (kartenausgebende Bank) und Acquirer für eine Transaktion keinen bilateral ausgehandelten Satz haben, also im Regelfall.

Für den Händler sind MIF und Interchange praktisch deckungsgleich. Die MIF ist die konkrete, vom Netzwerk veröffentlichte Entgelttabelle; der Interchange ist der Kostenanteil, der sich daraus je Kartentyp und Transaktion ergibt. Auf der Abrechnung taucht die Tabelle selbst nicht auf, sichtbar wird allein ihr Niederschlag in den durchgereichten Posten. Die Höhe der MIF hängt vom Kartentyp ab und schwankt deutlich zwischen günstiger Debit- und teurer Firmenkarte. Diese Spreizung ist ein wesentlicher Grund, warum der Kartenmix eines Betriebs so stark über die Gesamtkosten entscheidet.

Wie die EU-Regulierung die MIF begrenzt

Die MIF stand über Jahre im Zentrum wettbewerbsrechtlicher Verfahren der EU-Kommission gegen Visa und Mastercard. Ergebnis ist die Interchange Fee Regulation von 2015. Sie deckelt die Interchange-Sätze für Verbraucherkarten aus dem EWR auf 0,2 Prozent bei Debitkarten und 0,3 Prozent bei Kreditkarten. Für Firmen- und Commercial-Karten sowie für Karten von außerhalb des EWR gelten diese Deckel nicht, hier liegen die Sätze deutlich höher.

0,2 %

Regulierter Interchange-Deckel für EWR-Debitkarten

Kreditkarten: 0,3 Prozent. Firmen- und Auslandskarten sind ausgenommen.

Für die Vertragsverhandlung folgt daraus eine klare Trennung. Die MIF selbst ist gesetzt und nicht verhandelbar. Verhandelbar sind die Acquirer-Marge, die auf die MIF aufschlägt, und das Preismodell, in dem die MIF erscheint. In einem IC++-Modell wird die MIF offen durchgereicht und getrennt ausgewiesen. In einem Blended-Pricing verschwindet sie im Mischsatz, und der Händler kann nicht mehr prüfen, ob er vom regulierten Deckel überhaupt profitiert. Ein Acquirer, der die MIF als Begründung für einen hohen Gesamtpreis anführt, verwechselt einen gesetzten Fremdkostenposten mit seiner eigenen, sehr wohl verhandelbaren Marge.

Rechenbeispiel für den Mittelstand

Ein Hotel mit 3 Mio Euro Kartenumsatz und einem hohen Anteil an EWR-Verbraucherkarten profitiert direkt von den regulierten Deckeln. Bei einem Debit-lastigen Mix liegt der reine Interchange-Anteil oft bei 0,2 bis 0,3 Prozent, also grob 6.000 bis 9.000 Euro im Jahr. Steigt der Anteil an Firmen- und Auslandskarten, für die kein Deckel gilt, kann derselbe Posten spürbar höher ausfallen. Diese Struktur zeigt, warum der reale Kartenmix die Kartenkosten stärker bestimmt als der beworbene Grundpreis eines Terminals. Wer seine Abrechnung nach EWR-Verbraucher-, Firmen- und Auslandskarten aufschlüsselt, erkennt sofort, an welcher Stelle die regulierten Deckel greifen und wo nicht.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen MIF und Interchange?
Für den Händler sind beide nahezu deckungsgleich. Die MIF ist die konkrete Entgelttabelle des Netzwerks, der Interchange der daraus resultierende Kostenanteil je Transaktion.
Ist die MIF verhandelbar?
Nein. Verhandelbar sind nur die Acquirer-Marge und das Preismodell, in dem die MIF erscheint. Die Sätze selbst legt das Kartennetzwerk fest.
Wie hoch ist die MIF in der EU?
Für Verbraucherkarten aus dem EWR gilt ein Deckel von 0,2 Prozent bei Debit- und 0,3 Prozent bei Kreditkarten. Firmen- und Auslandskarten sind davon ausgenommen.

Auch genannt

Multilateral Interchange Fee · multilaterales Interbankenentgelt

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