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KartenKosten.de
Teil der Reihe: Kartenkosten senken: Der Leitfaden für den Mittelstand

Grundlagen & Vertrag

Acquirer wechseln oder nachverhandeln: Was senkt Ihre Kartenkosten?

Den Acquirer wechseln oder den Vertrag nachverhandeln? Was wirklich mehr Kartenkosten spart, hängt vom Verhandlungshebel ab. Ein Rechenbeispiel für einen Betrieb mit 3 Mio Euro Kartenumsatz.

Robert Hoffmann

Ob ein Wechsel des Acquirers oder das Nachverhandeln des bestehenden Vertrags mehr spart, hängt von Ihrem Verhandlungshebel ab. Auf den reinen Preis gerechnet holt ein Wechsel meist etwas mehr heraus, weil mehrere Anbieter um Ihren Umsatz konkurrieren. Nachverhandeln wirkt dafür schneller und ohne jede Umstellung im Betrieb. Den größten Effekt erzielen Sie, wenn Sie beides verbinden: ein konkretes Wechselangebot einholen und Ihren jetzigen Anbieter zwingen, es zu unterbieten.

Was Sie am Disagio verhandeln können, und was reguliert ist

Ihre Kartengebühr besteht aus drei Bausteinen. Die Interchange fließt an die kartenausgebende Bank. Die Scheme Fee geht an Visa und Mastercard. Der Rest ist die Marge Ihres Acquiring-Anbieters. Nur dieser dritte Teil steht überhaupt zur Verhandlung.

Die Interchange ist für Verbraucherkarten im EWR gesetzlich gedeckelt, auf 0,2 Prozent bei Debitkarten und 0,3 Prozent bei Kreditkarten. Diesen Anteil zahlt jeder Anbieter gleich. Auch die Scheme Fees legen die Kartennetze fest, kein Acquirer kann sie verändern. Wer sein Disagio senken will, setzt deshalb an der Anbietermarge an. Entscheidend ist außerdem, ob diese Kosten transparent durchgereicht oder in einem pauschalen Mischsatz versteckt werden, denn ein Pauschalsatz verbirgt, wie hoch die Marge wirklich ist. Diese Aufteilung erklärt auch, warum zwei Anbieter mit demselben Listenpreis am Ende unterschiedlich teuer sein können.

Das Rechenbeispiel: zwei Standorte, 3 Mio Euro Kartenumsatz

Nehmen wir einen inhabergeführten Hotel- und Gastronomiebetrieb mit zwei Standorten. Über beide Häuser laufen 3 Mio Euro Kartenumsatz im Jahr, mit dem üblichen Mix aus Giro-, Debit- und Kreditkarten. Das effektive Disagio liegt bei 1,25 Prozent. Das sind 37.500 Euro Kartengebühren pro Jahr. Diese Zahl steht auf keiner einzelnen Rechnung. Sie ergibt sich erst, wenn Sie alle Posten einer Abrechnung zusammenzählen und durch den Umsatz teilen. Erst dieser eine Prozentwert macht Angebote überhaupt vergleichbar, weil er den unterschiedlichen Kartenmix herausrechnet.

Nachverhandeln: schneller Hebel mit Obergrenze

Beim Nachverhandeln bleiben Sie bei Ihrem Anbieter und drücken den Satz. Realistisch ist in unserem Beispiel ein Schritt von 1,25 auf 1,00 Prozent. Das senkt die Gebühren auf 30.000 Euro und spart 7.500 Euro pro Jahr. Der Vorteil liegt im Tempo. Ein neuer Konditionssatz ist oft in zwei bis vier Wochen unterschrieben, die Terminals bleiben stehen, im Tagesgeschäft ändert sich nichts.

Die Grenze liegt im Interesse der Gegenseite. Ihr Anbieter senkt nur so weit, wie er muss, um Sie zu halten. Ohne ein konkretes Alternativangebot fehlt ihm der Grund, an seine Schmerzgrenze zu gehen. Wer ohne Vorbereitung anruft und um einen Rabatt bittet, bekommt meist einen symbolischen Nachlass statt eines echten Marktpreises. Genau hier entscheidet sich, ob aus dem Gespräch ein echter Marktpreis wird oder nur eine freundliche Geste.

Mehr als nur der Prozentsatz

Der effektive Satz ist der größte Hebel, aber nicht der einzige. Im selben Gespräch lassen sich oft weitere Posten bewegen:

  • Die Terminalmiete pro Gerät, häufig 15 bis 30 Euro im Monat je Terminal.
  • Ein vereinbarter Mindestumsatz oder eine Mindestgebühr, die in umsatzschwachen Monaten zuschlägt.
  • Die Vertragslaufzeit und die Kündigungsfrist, damit Sie beim nächsten Mal schneller reagieren können.

Diese Nebenposten summieren sich. Über zwei Standorte mit je zwei Terminals können allein die Mietgebühren mehrere Hundert Euro im Jahr ausmachen, die in keinem Prozentsatz auftauchen.

Wechseln: der Marktpreis, aber mit Umstellung

Beim Wechsel schreiben Sie Ihren Bedarf aus und nehmen das beste Angebot. Weil mehrere Anbieter um den Auftrag konkurrieren, fällt der Preis tiefer. In unserem Beispiel sind 0,85 Prozent erreichbar. Das sind 25.500 Euro im Jahr und damit 12.000 Euro weniger als heute.

Dem Preis steht Aufwand gegenüber. Ein Wechsel bedeutet Onboarding beim neuen Anbieter, neue oder umkonfigurierte Terminals an beiden Standorten, eine Anbindung an die Kasse und eine kurze Einarbeitung des Personals. Rechnen Sie mit sechs bis zehn Wochen von der Zusage bis zur ersten Abrechnung. Außerdem müssen Sie die Kündigungsfrist Ihres alten Vertrags einhalten, sonst laufen zwei Verträge parallel.

Achten Sie beim neuen Angebot darauf, wie es kalkuliert ist. Ein günstiger Mischsatz auf dem Papier kann später wieder steigen, wenn die Scheme Fees anziehen. Ein transparentes Modell, das Interchange und Scheme Fees offen durchreicht, schützt Sie davor, dass der Vorteil im nächsten Jahr verpufft. Lassen Sie sich den effektiven Zielsatz schriftlich bestätigen, nicht nur einen Lockpreis für die ersten Monate.

Beide Wege im direkten Vergleich

Die reine Ersparnis ist nur eine von mehreren Größen. Wer sauber entscheidet, stellt Tempo, Aufwand und Risiko daneben. Die folgende Übersicht fasst die typischen Unterschiede zusammen.

Nachverhandeln und Wechseln im Vergleich
NachverhandelnWechseln
Typische Senkung0,2 bis 0,3 Pp0,3 bis 0,5 Pp
Dauer bis zur Wirkung2 bis 4 Wochen6 bis 10 Wochen
Aufwand im Betriebgeringspürbar (Terminals, Kasse, Schulung)
Migrationsrisikokeinesgering bis mittel
Hardwarebleibtneu oder umkonfiguriert
Beste Voraussetzungglaubhaftes AlternativangebotVertrag kündbar, Bereitschaft zur Umstellung

Der Wechsel gewinnt beim Preis, im Beispiel um rund 4.500 Euro pro Jahr gegenüber dem Nachverhandeln. Über eine dreijährige Laufzeit summiert sich das auf etwa 13.500 Euro. Diesem Vorsprung stehen Umstellungsaufwand und ein gewisses Migrationsrisiko gegenüber. Für viele Betriebe entscheidet darum die Reihenfolge, in der sie beide Wege nutzen. Wichtig ist, beide Zahlen auf denselben Kartenmix und denselben Umsatz zu beziehen, sonst vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.

Der wirksamste Hebel: das Wechselangebot

In der Praxis ist die stärkste Position, beide Wege zu verbinden. Holen Sie ein belastbares Wechselangebot ein und legen Sie es Ihrem jetzigen Anbieter vor. Jetzt hat das Nachverhandeln einen Anker. Entweder Ihr Anbieter zieht mit und Sie sichern fast den Marktpreis ohne Umstellung, oder er kann nicht mithalten und der Wechsel rechnet sich umso klarer. Dieser Druck wirkt, weil Ihr Anbieter einen bestehenden Kunden günstiger hält, als er einen neuen gewinnt.

Genau das leistet eine unabhängige Konditionsanalyse. Sie zerlegt Ihre Abrechnung in Interchange, Scheme Fees und Marge, ermittelt Ihren effektiven Satz und stellt ihm einen marktgerechten Zielwert gegenüber. Damit gehen Sie mit einer belegten Zahl ins Gespräch statt mit dem bloßen Gefühl, zu viel zu zahlen.

So entscheiden Sie richtig

Die Reihenfolge der Prüfung ist in den meisten Betrieben gleich:

  1. Lesen Sie Ihren Vertrag: Wann läuft er aus, wie lang ist die Kündigungsfrist?
  2. Ermitteln Sie Ihren effektiven Satz über alle Posten und beide Standorte hinweg.
  3. Holen Sie ein konkretes Wechselangebot als Vergleichswert ein.
  4. Legen Sie es dem jetzigen Anbieter vor und lassen Sie ihn nachbessern.
  5. Zieht er nicht mit und ist der Vertrag kündbar, wechseln Sie.

Steht die Kündigungsfrist kurz bevor, haben Sie freie Hand und der Wechsel ist eine echte Option. Läuft der Vertrag noch lange, ist das Nachverhandeln der einzige kurzfristige Hebel. In beiden Fällen gilt: Ohne belastbaren Vergleichswert verhandeln Sie blind. Planen Sie den Wechsel so, dass der neue Vertrag nahtlos an das Ende des alten anschließt.

Häufige Fragen

Spart ein Wechsel des Acquirers immer mehr als das Nachverhandeln?
Auf den reinen Preis gerechnet meist ja, weil ein Wettbewerb mehrerer Anbieter den Satz tiefer drückt. Im Rechenbeispiel sind es rund 4.500 Euro mehr pro Jahr. Dem stehen Umstellungsaufwand und sechs bis zehn Wochen Onboarding gegenüber, die das Nachverhandeln vermeidet.
Wie viel lässt sich beim Disagio überhaupt verhandeln?
Verhandelbar ist die Marge Ihres Anbieters, nicht die regulierte Interchange (0,2 Prozent auf Debit-, 0,3 Prozent auf Kreditkarten im EWR) und nicht die Scheme Fees. Typisch sind 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte effektive Senkung, je nach Ausgangslage und Verhandlungshebel.
Wie lange dauert ein Acquirer-Wechsel?
Von der Zusage bis zur ersten Abrechnung über den neuen Anbieter vergehen meist sechs bis zehn Wochen. In dieser Zeit werden Terminals neu eingerichtet oder getauscht, die Kassenanbindung geprüft und das Personal kurz eingewiesen.
Brauche ich ein Wechselangebot, um erfolgreich nachzuverhandeln?
Es ist der stärkste Hebel. Ohne belastbares Alternativangebot senkt Ihr Anbieter den Satz meist nur symbolisch. Mit einem konkreten Angebot in der Hand zieht er entweder mit oder Sie wechseln zum günstigeren Anbieter.
Was passiert, wenn ich die Kündigungsfrist verpasse?
Dann verlängert sich Ihr alter Vertrag meist automatisch um ein weiteres Jahr, und ein paralleler neuer Vertrag bedeutet doppelte Grundgebühren. Prüfen Sie Laufzeit und Kündigungsfrist, bevor Sie einen Wechsel terminieren.

Verwandte Begriffe

Porträtfoto von Robert Hoffmann, Gründer von KartenKosten.de

Robert Hoffmann

Geschäftsführung · Acquirer-Hintergrund

CEO bei Concardis, Nets und 1&1. Bringt diese Anbieter-Perspektive heute in die Mandate ein.

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