Gebühren & Kostenbestandteile
Dynamic Currency Conversion: Lohnt sich DCC für Händler?
DCC verspricht Händlern Zusatzertrag auf Fremdwährungs-Umsätze. Für ein KMU mit überwiegend deutschen Gästen bleibt wenig, und an Ihren Kartenkosten ändert sich nichts.
Dynamic Currency Conversion, kurz DCC, lässt ausländische Gäste an Ihrem Terminal in ihrer Heimatwährung zahlen statt in Euro. Für Sie als Händler fällt dabei eine kleine Provision ab, in der Regel rund 1 Prozent des über DCC abgewickelten Umsatzes. An Ihren eigentlichen Kartenkosten ändert das nichts, und die Funktion greift ohnehin nur bei Karten, die nicht auf Euro lauten. Für einen Betrieb mit überwiegend deutschen Gästen bleibt am Ende wenig übrig.
Was Dynamic Currency Conversion genau ist
DCC wird im Moment der Zahlung angeboten. Ein britischer Gast mit einer Karte in Pfund sieht den Rechnungsbetrag in seiner Heimatwährung und kann ihn so bestätigen. Die Umrechnung übernimmt der DCC-Anbieter, meist Ihr Terminal- oder Acquiring-Partner, der auch das Währungsrisiko trägt. Entscheidend ist der Anwendungsbereich: DCC funktioniert ausschließlich bei Karten, die auf eine Fremdwährung lauten. Ein Gast aus Frankreich mit einer Euro-Karte bekommt DCC nie zu sehen. Und der Karteninhaber muss die Umrechnung aktiv wählen, denn die Netzregeln verbieten es, DCC als Voreinstellung durchzudrücken.
Wie Händler an DCC verdienen
Der Anbieter legt auf den Wechselkurs einen Aufschlag. Einen Teil dieses Aufschlags schreibt er Ihnen als Provision gut, meist monatlich und üblicherweise in der Größenordnung von rund 1 Prozent des über DCC abgewickelten Umsatzes. Ein Währungsrisiko tragen Sie dabei nicht, das übernimmt der Anbieter. Genau das ist das Verkaufsargument, mit dem DCC an der Kasse platziert wird, ein scheinbar kostenloser Zusatzertrag.
Wie hoch Ihr Anteil ausfällt, steht selten prominent im Vertrag. Manche Anbieter geben einen festen Prozentsatz weiter, andere behalten den größeren Teil des Aufschlags für sich und reichen nur einen Bruchteil durch. Fragen Sie deshalb konkret nach, wie hoch Ihre Beteiligung ist und auf welchen Umsatz sie sich bezieht. Der eigentliche Haken steckt nämlich in dieser Bezugsgröße, auf die sich das eine Prozent bezieht, und nicht in der Höhe der Provision selbst.
Das Rechenbeispiel: Hotel mit zwei Standorten
Nehmen wir ein Haus mit zwei Standorten und 3 Mio. Euro Kartenumsatz im Jahr. Angenommen, 8 Prozent davon entfallen auf Karten in Fremdwährung, das sind 240.000 Euro. Von diesen Gästen nimmt erfahrungsgemäß etwa die Hälfte das DCC-Angebot an, es bleiben rund 120.000 Euro DCC-Umsatz. Bei 1 Prozent Provision ergibt das 1.200 Euro im Jahr. Das ist der gesamte Ertrag, den DCC in diesem Beispiel einspielt.
| DCC aktiviert | DCC nicht angeboten | |
|---|---|---|
| Zusatzertrag pro Jahr (Beispiel) | rund 1.200 Euro | 0 Euro |
| Wirkung auf Ihr effektives Disagio | keine | keine |
| Kosten des Aufschlags | trägt der Gast (3 bis über 10 Prozent) | entfällt |
| Kundenerlebnis an der Kasse | Aufpreis gegenüber dem Marktkurs | Abrechnung zum Referenzkurs |
| Aufwand für Sie | Personalschulung, Nachweis der Wahlfreiheit | keiner |
1.200 Euro klingen nach geschenktem Geld. Gemessen an den Kartenkosten des Hauses sind sie es nicht. Bei einem effektiven Satz von rund 1,4 Prozent zahlt dasselbe Haus etwa 42.000 Euro Kartenkosten im Jahr. Die DCC-Provision deckt davon keine 3 Prozent, und sie senkt keinen einzigen dieser Posten. Sie ist ein kleiner Nebenerlös auf dem Rücken des Gastes, kein Beitrag zu Ihrer Kostenstruktur.
Selbst wenn Sie den Fremdwährungsanteil großzügiger ansetzen, ändert sich das Bild kaum. Ein Stadthotel mit 20 Prozent Nicht-Euro-Umsatz käme im selben Rechenweg auf 600.000 Euro Fremdwährungsumsatz, davon zur Hälfte über DCC abgewickelt, also 300.000 Euro. Bei 1 Prozent Provision sind das 3.000 Euro im Jahr. Auch dieser Betrag bleibt ein Bruchteil der Kartenkosten und lässt Ihren effektiven Satz unangetastet. DCC skaliert mit dem Auslandsanteil, aber es bleibt eine Randgröße neben dem, was die Akzeptanz insgesamt kostet.
Warum DCC Ihre Kartenkosten nicht senkt
DCC ist eine Beteiligung an der Währungsumrechnung des Gastes. Sie liegt neben Ihrem Disagio, dem Interchange und den Scheme Fees und rührt keinen dieser Posten an. Ob Sie DCC anbieten oder nicht, Ihr effektiver Satz auf die Transaktion bleibt identisch. Wer wissen will, welche Positionen die Kartenabrechnung wirklich treiben, findet die Antwort in den einzelnen Posten der Abrechnung, nicht in der Währungsfunktion des Terminals.
Was Fremdwährungs-Umsatz Sie tatsächlich kostet
Wenn Fremdwährungs-Umsatz überhaupt einen Kostenhebel bewegt, dann einen anderen als DCC. Karten, die außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums ausgegeben wurden, fallen nicht unter den regulierten Interchange-Deckel. Für eine US- oder Schweizer Karte zahlen Sie deshalb ein spürbar höheres Interchange als für eine deutsche Verbraucherkarte, und Visa wie Mastercard legen zusätzlich Cross-Border-Entgelte auf jede grenzüberschreitende Transaktion. Diese Posten laufen über Ihre Scheme Fees und Ihr Disagio, nicht über DCC. Wer also den Auslandsanteil senken will, im Sinne von günstiger machen, muss diese Entgelte in seiner Abrechnung sichtbar machen und verhandeln. DCC verschiebt hier nichts, es lenkt die Aufmerksamkeit sogar von dem Posten ab, der bei internationalen Gästen wirklich ins Gewicht fällt.
Die Kehrseite: Aufpreis, Regeln und Reputation
Für den Gast ist DCC in aller Regel teurer, als in Euro zu zahlen und die Umrechnung der eigenen Bank zu überlassen. Der Aufschlag liegt häufig zwischen 3 und mehr als 10 Prozent über dem Referenzkurs. Seit der EU-Verordnung 2019/518 muss der Anbieter diesen Aufschlag gegenüber dem EZB-Referenzkurs vor der Zahlung offenlegen und den Betrag in beiden Währungen anzeigen; der Gast muss aktiv zustimmen. In der Hotellerie, wo internationale Gäste genau Ihre Zielgruppe sind, kann ein sichtbarer Aufpreis am Empfang das Vertrauen kosten. Der Kartenmix Ihres Hauses entscheidet also über Ihre Kosten und zugleich darüber, wie oft dieser Aufpreis Ihren Gästen überhaupt begegnet.
Für welche Betriebe DCC überhaupt zählt
DCC bewegt nur dort etwas, wo der Anteil an Nicht-Euro-Karten hoch ist. Flughafenhotels, Häuser in Grenzregionen oder Betriebe an Zielen mit vielen Gästen aus den USA, Großbritannien oder der Schweiz können einen spürbaren DCC-Umsatz erreichen. Ein Restaurant in einer bayerischen Kleinstadt mit überwiegend deutschen und Euro-Gästen verdient dagegen fast nichts. Bevor Sie DCC aktivieren, lohnt sich deshalb ein nüchterner Blick auf den tatsächlichen Fremdwährungsanteil in Ihren Abrechnungen.
Diese Zahl kennt kaum ein Betrieb aus dem Kopf. Ihr Acquirer weist den Umsatz nach Kartenart und oft auch nach Herkunftsregion aus, meist in der monatlichen Detailabrechnung oder im Online-Portal. Nehmen Sie drei repräsentative Monate, addieren Sie den Nicht-Euro-Umsatz und teilen Sie ihn durch den Gesamtumsatz. Erst mit diesem Prozentsatz lässt sich seriös entscheiden, ob DCC überhaupt eine Rolle spielt oder ob Sie Zeit in eine Funktion stecken, die bei Ihrem Gästemix leerläuft.
So ordnen Sie DCC für Ihren Betrieb ein
Prüfen Sie auf Ihrer Abrechnung, welcher Anteil des Umsatzes auf Karten in Fremdwährung entfällt. Liegt er unter etwa 5 Prozent, ist DCC ein Rundungsfehler und der Aufwand aus Schulung und Nachweispflichten selten gerechtfertigt. Behandeln Sie DCC bestenfalls als kleinen Nebenerlös, niemals als Hebel für Ihre Kartenkosten. Die eigentliche Ersparnis steckt in Ihrem effektiven Disagio, Ihrem Preismodell und Ihren Scheme Fees, und genau dort setzt eine unabhängige Konditionsanalyse an.
Häufige Fragen zu Dynamic Currency Conversion
Was ist Dynamic Currency Conversion?
Verdient der Händler an DCC?
Senkt DCC meine Kartengebühren?
Ist DCC in der EU erlaubt?
Für welche Betriebe lohnt sich DCC?
Verwandte Begriffe
- AcquiringAcquiring ist die Abwicklung von Kartenzahlungen auf Händlerseite: Der Acquirer reicht Transaktionen bei den Kartennetzwerken ein und schreibt dem Händler den Umsatz gut.
- DisagioDas Disagio ist das prozentuale Entgelt, das ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer abführt, typischerweise zwischen 0,3 % und über 2 % je nach Kartenmix und Modell.
- Scheme-FeeScheme-Fees sind die Entgelte der Kartennetzwerke Visa und Mastercard für die Nutzung ihrer Infrastruktur: meist mehrere kleine Posten, in Summe oft 0,1–0,3 % zuzüglich Fixbeträgen.
- KartenmixDer Kartenmix ist die Verteilung der Umsätze über Kartenarten (Debit, Kredit, Firmen-, Auslandskarten). Er bestimmt die effektiven Gebühren stärker als jeder Verhandlungstrick.