Gebühren & Kostenbestandteile
Kartenzahlung im Handwerk: Rechnung oder Karte vor Ort
1,2 Mio. € Privatkundenumsatz kosten als Kartenzahlung 15.777 € im Jahr, als Rechnung mit 30 Tagen Zahlungsziel 18.166 €. Der Satz im Vertrag bewegt mehr als die Zahlart.
Für einen Handwerksbetrieb kostet die Kartenzahlung vor Ort meist weniger als die Rechnung mit 30 Tagen Zahlungsziel. Bei 1,2 Mio. € Privatkundenumsatz stehen rund 15.800 € Kartenkosten gegen rund 18.200 €, die das Zahlungsziel über Kapitalbindung, Mahnwesen und Forderungsausfall kostet. Den größeren Betrag bewegt allerdings der Satz im Acquiring-Vertrag: zwischen 1,10 % Blended und 0,78 % durchgereicht liegen bei diesem Umsatz 3.840 € pro Jahr.
Im Handwerk arbeiten 92 % der Betriebe ohne Terminal
Die S-Payment-Marktstudie „Händlergeschäft am Point of Sale“ von Mai 2026 teilt die befragten Betriebe in Einsteiger, Umsteiger und Profis. Einsteiger haben kein Terminal und stehen der Kartenzahlung skeptisch gegenüber. Über alle Branchen sind das 55 % der Betriebe. Im Handwerk sind es 92 %, bei mobilen Dienstleistern 90 %. Die Mehrheit dieser Betriebe arbeitet ohne Kasse und rechnet ausschließlich auf Rechnung ab.
Als Gründe nennt die Studie drei Vorbehalte: die Angst vor technischen Störungen, die Sorge vor einem Vertrag mit langer Bindung und die Undurchsichtigkeit der Preismodelle. Alle drei sind berechtigt. Nur rechtfertigen sie keine Abrechnung ausschließlich auf Rechnung, denn das Zahlungsziel hat einen Preis, der in keiner Abrechnung auftaucht und deshalb selten gegen das Disagio gestellt wird.
Für die Rechnung im Folgenden nehmen wir einen SHK-Betrieb mit zwei Standorten und 6,0 Mio. € Jahresumsatz. 2,4 Mio. € davon sind Privatkundengeschäft, also Wartung, Störungsdienst, Reparatur und Badsanierung. Die Hälfte dieses Volumens ist technisch direkt beim Kunden abrechenbar: 1,2 Mio. € im Jahr, verteilt auf rund 2.400 Rechnungen mit einem Durchschnittswert von 500 €. Sechs Monteurfahrzeuge sind im Einsatz. Das Projektgeschäft mit Bauträgern und gewerblichen Auftraggebern bleibt in jedem Szenario auf Rechnung.
Was das Zahlungsziel kostet
Der Creditreform-Zahlungsindikator weist für das erste Halbjahr 2026 ein durchschnittlich gewährtes Zahlungsziel von 32,21 Tagen aus, 0,75 Tage mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste Wert seit 2019. Dazu kommt eine durchschnittliche Verzugsdauer von 8,14 Tagen gegenüber 7,89 Tagen im ersten Halbjahr 2025. In der Summe sind das 40,35 Tage, die zwischen Leistung und Geldeingang liegen. Besonders lange Außenstände melden Bau, unternehmensnahe Dienstleistungen und Handel.
Auf 1,2 Mio. € Jahresumsatz bindet dieser Außenstand dauerhaft 132.658 € Kapital. Wer diese Lücke über den Kontokorrent finanziert, zahlt bei 7,0 % Sollzins 9.286 € Zinsen pro Jahr. Dazu kommt der Aufwand für das Forderungsmanagement. Läuft jede zehnte Rechnung in eine erste Mahnstufe, sind das 240 Fälle. Bei 15 Minuten Bearbeitung und einem internen Stundensatz von 48 € kostet jeder Fall 12 €, macht 2.880 € im Jahr. Rechnet man einen konservativen Forderungsausfall von 0,5 % hinzu, also 6.000 €, summiert sich das Zahlungsziel auf 18.166 € oder 1,51 % vom Umsatz.
Die gesetzlichen Verzugszinsen decken davon fast nichts. Der Basiszinssatz liegt seit dem 1. Juli 2026 bei 1,52 %, gegenüber Verbrauchern sind fünf Prozentpunkte aufzuschlagen, also 6,52 %. Auf eine Rechnung von 500 € bringen 8,14 Tage Verzug damit 73 Cent. Die Mahnung, die diese 73 Cent einbringt, kostet den Betrieb 12 €. Im gewerblichen Geschäft sind es neun Prozentpunkte über dem Basiszins und damit 10,52 %, was die Größenordnung nicht verändert.
Was die Kartenzahlung vor Ort kostet
Auf der Kartenseite stehen zwei Blöcke. Der erste ist das Disagio. Im Blended-Modell zahlt der Betrieb einen Mischsatz auf jeden Umsatz, unabhängig von der Karte. 1,10 % sind für einen Betrieb dieser Größe ein realistischer Standardsatz, auf 1,2 Mio. € also 13.200 €.
Der zweite Block sind die Fixkosten, und die fallen im Handwerk anders aus als im Ladengeschäft. Ein Einzelhändler braucht ein Terminal je Kasse, ein Handwerksbetrieb eines je Fahrzeug. Sechs mobile Terminals zu 19 € Monatsmiete kosten 1.368 € im Jahr, die Mobilfunkverbindung mit 12 € je Gerät und Monat weitere 864 €. Zusammen 2.232 €, die unabhängig vom Umsatz anfallen. Die Auszahlung verzögert sich um ein bis zwei Bankarbeitstage, im Schnitt also 1,5 Tage, was bei 7,0 % Zins 345 € kostet. Damit liegt die Kartenzahlung bei 15.777 € oder 1,31 % vom Umsatz.
Beide Seiten nebeneinander zeigen, wie knapp der Abstand im Standardtarif ist:
| Rechnung, 30 Tage Ziel | Kartenzahlung vor Ort | |
|---|---|---|
| Disagio (1,10 % Blended) | – | 13.200 € |
| Terminalmiete und SIM, 6 Fahrzeuge | – | 2.232 € |
| Zinskosten Kapitalbindung | 9.286 € (40,35 Tage) | 345 € (1,5 Tage) |
| Mahnwesen (240 Fälle à 12 €) | 2.880 € | – |
| Forderungsausfall (0,5 %) | 6.000 € | – |
| Kosten pro Jahr | 18.166 € | 15.777 € |
| Anteil am Umsatz | 1,51 % | 1,31 % |
2.389 € Unterschied im Jahr tragen bei einem Betrieb mit 6,0 Mio. € Umsatz weder die Umstellung noch das Gespräch mit dem Acquirer. Im Standardtarif ist die Kartenzahlung rechnerisch die günstigere Variante, aber nur mit hauchdünnem Vorsprung. Der Abstand, der eine Entscheidung trägt, entsteht eine Ebene tiefer, im Preismodell.
Der größere Hebel steckt im Preismodell
Unter Pass-Through-Pricing wird jede Transaktion einzeln abgerechnet: regulierte Interchange, Scheme Fee des Kartennetzwerks und eine offen ausgewiesene Acquirer-Marge. Bei einem Kartenmix mit hohem girocard-Anteil landet ein Handwerksbetrieb damit bei rund 0,78 % effektiv. Das sind 9.360 € statt 13.200 €, also 3.840 € weniger im Jahr. Mit den unveränderten Fixkosten liegen die Kartenkosten dann bei 11.937 € oder 0,99 % vom Umsatz, und der Abstand zur Rechnung wächst von 2.389 € auf 6.229 € pro Jahr.
Das girocard-Limit kippt große Aufträge auf die Kreditkarte
Im Handwerk ist der Bonwert gespalten. Der Störungsdienst bringt 180 €, die Badsanierung 12.000 €. Der Verfügungsrahmen einer girocard liegt je nach Bank meist zwischen 1.000 und 2.000 € pro Woche, weshalb ein Auftrag über mehrere Tausend Euro dort selten durchgeht. Solche Beträge laufen über die Kreditkarte, und dort wird der Mischsatz teuer: 12.000 € kosten bei 1,10 % Blended 132 €. Durchgereicht sind es 0,30 % regulierte Interchange, rund 0,12 % Scheme Fee und 0,25 % Marge, zusammen 0,67 % oder 80,40 €. 51,60 € Unterschied auf einem einzigen Auftrag.
Skonto ist die teuerste Variante
Viele Betriebe lösen das Zahlungsziel über Skonto statt über die Zahlart. 2 % für Zahlung binnen zehn Tagen kosten auf 1,2 Mio. € genau 24.000 € im Jahr. Das ist fast das Doppelte des Disagios von 13.200 €, und es wirkt nur bei den Kunden, die ohnehin pünktlich zahlen. Auf einen Auftrag von 1.000 € gerechnet: 20 € Skonto gegen 11 € Disagio. Wer Skonto anbietet und gleichzeitig kein Terminal hat, zahlt den höheren Preis für die schlechtere Zahlungssicherheit.
Drei Vertragsfallen im mobilen Einsatz
Die Kostenrechnung oben gilt nur, wenn der Vertrag zum mobilen Einsatz passt. Drei Klauseln treffen Handwerksbetriebe härter als Ladengeschäfte, weil sich der Umsatz auf viele schwach genutzte Geräte verteilt.
- Mindestentgelt je Gerät. Ein Mindestumsatz wird je Terminal-ID abgerechnet, nicht je Betrieb. Ein Monteurfahrzeug mit 300 € Kartenumsatz im Monat reißt bei 15 € Mindestentgelt einen effektiven Satz von 5,0 %. Bei sechs Fahrzeugen mit ungleicher Auslastung ist das ein häufiger Grund, warum der effektive Satz vom vereinbarten abweicht. Wie sich das rechnet, steht im Beitrag zum Mindestumsatz beim Kartenterminal.
- Pauschalen je Gerät. SIM-Gebühr, Wartungspauschale und PCI-Servicegebühr werden je Terminal berechnet. Sechs Geräte multiplizieren jede Position, ohne dass der Prozentsatz sich rührt. Diese Posten gehören in die Verhandlung, nicht in die Fußnote.
- Getrennte Verträge je Standort. Zwei Niederlassungen mit zwei Verträgen verhandeln zweimal aus schwacher Position. Gebündelt zählt das gesamte Volumen, und der Betrieb rutscht in die nächste Staffel. Der Beitrag zu Kartenkonditionen über mehrere Standorte zeigt den Unterschied an konkreten Zahlen.
Was ein Handwerksbetrieb vor der Unterschrift klärt
Wer aus dem Rechnungsgeschäft heraus zum ersten Mal einen Acquiring-Vertrag unterschreibt, verhandelt ohne Vergleichswerte. Fünf Punkte entscheiden über den effektiven Satz und lassen sich vorab prüfen.
- Preismodell: Blended oder durchgereicht, und wenn durchgereicht, mit welcher ausgewiesenen Marge in Prozent und Cent je Transaktion.
- Mindestentgelt: gilt es je Terminal-ID oder je Vertrag, und was passiert im umsatzschwachen Monat.
- Fixkosten je Gerät: Miete, SIM, Wartung, PCI-Pauschale, jeweils als Jahresbetrag über alle Fahrzeuge gerechnet.
- Laufzeit und Kündigungsfrist, inklusive der Frage, ob ein zusätzliches Fahrzeug eine neue Laufzeit für den Gesamtvertrag startet.
- Auszahlungsrhythmus: täglich, wöchentlich oder monatlich, und ob ein Sicherheitseinbehalt vereinbart ist.
Für Bauverträge kommt ein Punkt hinzu, der weniger mit dem Terminal als mit der Auftragsabwicklung zu tun hat. Der Unternehmer kann Abschlagszahlungen für erbrachte Leistungen verlangen (§ 632a BGB). Wer diese Abschläge vor Ort per Karte kassiert, verkürzt den Außenstand auf dem größten Teil der Auftragssumme, ohne die Schlussrechnung anzutasten. Der Kartenumsatz steigt dadurch, der effektive Satz sinkt, weil sich die Fixkosten auf mehr Volumen verteilen.
Unterm Strich ist die Frage für einen Handwerksbetrieb nicht, ob die Karte das Zahlungsziel schlägt. Bei 1,2 Mio. € Privatkundenumsatz tut sie das selbst im Standardtarif, wenn auch nur knapp. Die Frage ist, welchen Satz der Betrieb dafür unterschreibt, denn zwischen Standard und Verhandlungsergebnis liegt bei diesem Volumen deutlich mehr als zwischen Karte und Rechnung. Eine Einordnung der Größenordnungen über alle Gewerke hinweg gibt die Übersicht zu Kartengebühren nach Branche.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Kartenterminal im Handwerk überhaupt?
Wie viele Terminals braucht ein Handwerksbetrieb?
Darf ich die Kartengebühr auf die Handwerkerrechnung aufschlagen?
Warum scheitert die Kartenzahlung bei großen Aufträgen?
Ist Skonto günstiger als die Kartengebühr?
Verwandte Begriffe
- DisagioDas Disagio ist das prozentuale Entgelt, das ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer abführt, typischerweise zwischen 0,3 % und über 2 % je nach Kartenmix und Modell.
- Blended-PricingBeim Blended-Pricing zahlt der Händler für jede Karte denselben Mischsatz: einfach abzulesen, aber intransparent, weil Interchange, Scheme-Fee und Marge nicht getrennt ausgewiesen werden.
- Pass-Through-PricingPass-Through-Pricing reicht Interchange und Scheme-Fees in tatsächlicher Höhe an den Händler durch; verhandelt wird nur die separat ausgewiesene Acquirer-Marge.
- Mindestumsatz / MindestgebührVertragsklausel, die je Terminal oder Standort eine monatliche Gebührenuntergrenze festlegt. Bleibt das Disagio darunter, stellt der Anbieter die Differenz in Rechnung.