Nicht-EWR-Karte (Auslandskarte)
Eine Nicht-EWR-Karte stammt von einer Bank außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums, etwa aus den USA oder der Schweiz. Händler zahlen dafür eine Cross-Border-Gebühr der Kartennetzwerke.
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Eine Nicht-EWR-Karte ist eine Zahlungskarte, deren ausgebende Bank ihren Sitz außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums hat, etwa in den USA, in Kanada, der Schweiz oder Großbritannien. Für Händler in Deutschland kostet sie mehr als eine EWR-Karte, vor allem weil die Kartennetzwerke eine zusätzliche Cross-Border-Gebühr erheben. Die EU-Interchange-Verordnung gilt für diese Karten nicht. Maßgeblich ist das Land der ausgebenden Bank, die Nationalität des Kunden spielt keine Rolle.
Welche Karten dazu zählen
Der EWR umfasst die 27 EU-Staaten sowie Norwegen, Island und Liechtenstein. Die Visa-Karte einer Osloer Bank ist damit eine EWR-Karte und fällt unter die EU-Deckel. Die Mastercard einer Zürcher oder Londoner Bank ist es nicht, obwohl beide Länder in Europa liegen. Britische Karten zählen seit dem Ende der Brexit-Übergangsphase am 1. Januar 2021 dazu.
Auf der Abrechnung heißen diese Zahlungen je nach Acquirer „Non-EEA“, „Inter-regional“, „International“ oder schlicht „Auslandskarte“. Unter Blended-Pricing sehen Sie den Anteil nicht. Unter IC++ steht jede Kartenkategorie in einer eigenen Zeile, und Sie lesen den Umsatz mit Nicht-EWR-Karten direkt ab.
Woraus sich der Aufpreis zusammensetzt
Beim Interchange gibt es auch für Nicht-EWR-Karten eine Obergrenze. Sie beruht auf Zusagen, die Visa und Mastercard 2019 der EU-Kommission in einem Kartellverfahren gegeben und 2024 bis November 2029 verlängert haben. Die Verordnung (EU) 2015/751 selbst erfasst diese Karten nicht. Für Verbraucherkarten am Terminal gelten danach 0,2 % bei Debit- und 0,3 % bei Kreditkarten, also dieselben Werte wie im EWR. Bei Zahlungen ohne Karte vor Ort, etwa einer telefonisch belasteten Anzahlung, steigen die Grenzen auf 1,15 % und 1,5 %. Firmenkarten aus Drittstaaten erfassen die Zusagen nicht.
Der eigentliche Aufpreis steckt in der Scheme-Fee. Für Karten, die außerhalb der Region Europa ausgegeben wurden, berechnen die Netzwerke eine Cross-Border-Gebühr auf den Umsatz. Die Scheme-Fee-Übersicht von Worldline für Deutschland (Stand Juli 2026) nennt 0,45 % bei Visa und 0,75 % bei Mastercard. Dieser Posten liegt damit über dem gedeckelten Interchange einer Kreditkarte. Karten aus Großbritannien und der Schweiz rechnen die Netzwerke der Region Europa zu, für sie fallen die Cross-Border-Sätze niedriger aus.
| Karte aus dem EWR | Karte von außerhalb Europas | |
|---|---|---|
| Interchange bei Zahlung vor Ort | 0,3 % (Verordnung (EU) 2015/751) | 0,3 % (Zusage Visa und Mastercard bis 11/2029) |
| Interchange ohne Karte vor Ort | 0,3 % | 1,5 % |
| Cross-Border-Gebühr der Netzwerke | in der Regel keine bei Karten aus der Eurozone | 0,45 % (Visa) bis 0,75 % (Mastercard) |
| Firmenkarten | ohne Deckel | ohne Deckel |
Am Terminal entscheidet also die Scheme-Fee über den Aufpreis. Im Fernabsatz kommt der höhere Interchange hinzu.
Rechenbeispiel: Juwelier in einer Touristenstadt
Ein Juwelier mit zwei Geschäften in einer Touristenstadt setzt 2,0 Mio € im Jahr über Karten um. 18 % davon zahlen Gäste aus Übersee mit Verbraucher-Kreditkarten, also 360.000 €. Die Hälfte läuft über Visa, die andere Hälfte über Mastercard.
Rechnet der Acquirer transparent ab, kostet dieses Segment vor den übrigen, kleineren Scheme-Fee-Posten: 0,30 % Interchange (1.080 €), im Mittel 0,60 % Cross-Border-Gebühr (2.160 €) und 0,20 % Acquirer-Marge (720 €). Zusammen sind das 3.960 € im Jahr oder 1,10 %.
Viele Blended-Verträge schlagen auf Auslandskarten pauschal 1,0 bis 1,5 Prozentpunkte auf. Bei einem Kreditkartensatz von 0,95 % und 1,20 Prozentpunkten Aufschlag zahlt der Juwelier 2,15 %, also 7.740 € im Jahr. Die Differenz von 3.780 € fließt vollständig an den Acquirer, denn Interchange und Cross-Border-Gebühr sind in beiden Verträgen gleich hoch. Über diesen Teil können Sie mit dem Acquirer verhandeln.
Häufige Fragen zur Nicht-EWR-Karte
Kostet eine US-Kreditkarte am Terminal mehr Interchange als eine deutsche?
Gehören Karten aus der Schweiz oder aus Norwegen zu den Nicht-EWR-Karten?
Lässt sich der Aufpreis für Nicht-EWR-Karten verhandeln?
Auch genannt
Auslandskarte · Non-EEA-Karte · Drittstaatenkarte · Inter-regionale Karte
Verwandte Begriffe
- InterchangeDas Interchange-Entgelt fließt vom Acquirer an die kartenausgebende Bank des Kunden. In der EU ist es gesetzlich gedeckelt: 0,2 % bei Verbraucher-Debit-, 0,3 % bei Verbraucher-Kreditkarten.
- Scheme-FeeScheme-Fees sind die Entgelte der Kartennetzwerke Visa und Mastercard für die Nutzung ihrer Infrastruktur: meist mehrere kleine Posten, in Summe oft 0,1–0,3 % zuzüglich Fixbeträgen.
- KartenmixDer Kartenmix ist die Verteilung der Umsätze über Kartenarten (Debit, Kredit, Firmen-, Auslandskarten). Er bestimmt die effektiven Gebühren stärker als jeder Verhandlungstrick.
- Firmenkarte (Commercial Card)Eine Firmenkarte ist eine auf ein Unternehmen ausgestellte Karte für Geschäftsausgaben. Sie fällt nicht unter die EU-Deckelung des Interbankenentgelts und kostet Händler deutlich mehr.
- DCC (Dynamic Currency Conversion)DCC rechnet den Kartenbetrag am Terminal in die Heimatwährung des Gastes um. Der Anbieter schlägt auf den Wechselkurs auf, der Händler erhält meist 0,5 bis 2 Prozent des DCC-Umsatzes.
- IC++ (Interchange++)IC++ ist ein transparentes Preismodell, das jede Transaktion in drei offen ausgewiesene Bausteine zerlegt: Interchange + Scheme-Fee + Acquirer-Marge.