Preismodelle
Kartengebühren bei großen Bons: warum Blended im Möbel- und Autohaus teuer wird
Je größer der Kartenbon, desto härter bestraft ein Blended-Satz. Bei 3 Mio € Umsatz und hohem Kreditkartenanteil kostet Blended rund 27.800 € pro Jahr mehr als IC++. Das Rechenbeispiel.
Je größer der einzelne Kartenbon, desto teurer wird ein pauschaler Blended-Satz. Der Grund: Die EU deckelt das Interchange bei Verbraucherkarten prozentual, ein Blended-Prozentsatz kennt diese Grenze aber nicht und wächst mit jedem Euro Bonwert mit. Für ein Möbelhaus mit 3 Mio € Kartenumsatz und hohem Kreditkartenanteil kostet Blended zu 1,5 % rund 27.800 € pro Jahr mehr als ein Pass-Through-Modell (IC++). Wer große Bons abwickelt, zahlt mit dem falschen Preismodell am meisten.
Warum der große Bon die Rechnung dreht
Ein Disagio hat zwei Bestandteile, die sich völlig unterschiedlich verhalten. Der eine Teil ist reguliert und gedeckelt: Seit der EU-Interchange-Verordnung (Verordnung EU 2015/751) darf das Interchange bei Verbraucher-Kreditkarten höchstens 0,3 % und bei Verbraucher-Debitkarten höchstens 0,2 % des Transaktionswerts betragen. Dieser Anteil ist prozentual gekappt, wächst also linear mit dem Umsatz, bleibt aber relativ zum Bon immer gleich klein. Der andere Teil ist die Marge des Acquirers plus die Scheme-Fee der Kartennetzwerke. Genau hier entscheidet das Preismodell, wie viel davon bei Ihnen landet.
Ein Blended-Satz legt einen einheitlichen Prozentsatz über alle Kartenarten und alle Beträge. Das ist bequem, weil die Abrechnung nur eine Zahl kennt. Bei kleinen Bons fällt der Nachteil kaum auf, weil der prozentuale Aufschlag in absoluten Euro klein bleibt. Bei einem Bäcker mit 6-€-Bons kostet ein Prozentpunkt mehr wenige Cent. Bei einem Möbelhaus mit 4.000-€-Bons kostet derselbe Prozentpunkt 40 €, jedes Mal. Der Bonwert wirkt wie ein Hebel: Er multipliziert den Modellnachteil mit jeder einzelnen Zahlung.
Konkret: Ein Kunde kauft eine Küche für 4.000 € und zahlt mit einer Verbraucher-Kreditkarte. Das regulierte Interchange beträgt 0,3 %, also 12 €. Dazu kommen Scheme-Fees von grob 0,13 % (rund 5 €) und die Acquirer-Marge von etwa 0,2 % (rund 8 €). Die tatsächlichen Kosten dieser Transaktion liegen also bei ungefähr 25 €. Ein Blended-Satz von 1,5 % verlangt dagegen 60 € für exakt denselben Vorgang. Die Differenz von 35 € ist reiner Modellaufschlag, kein realer Kostenposten. Bei einem kreditkartenlastigen Sortiment fällt dieser Aufschlag hundertfach im Jahr an.
Rechenbeispiel: Möbelhaus mit 3 Mio € Kartenumsatz
Nehmen wir einen inhabergeführten Möbelhändler mit einem Standort und 3 Mio € Kartenumsatz im Jahr. Der Kartenmix ist typisch für hochpreisige Anschaffungen: viel Kreditkarte, weil Kunden große Beträge über ihren Kreditrahmen abwickeln. Wir rechnen mit 30 % girocard (900.000 €), 15 % Debit-Visa/Mastercard (450.000 €), 50 % Verbraucher-Kreditkarte (1.500.000 €) und 5 % Firmenkarten (150.000 €). Die folgende Tabelle stellt einen Blended-Satz von 1,5 % dem echten Pass-Through-Modell gegenüber, Segment für Segment.
| Blended 1,5 % | IC++ (Pass-Through) | |
|---|---|---|
| girocard (900.000 €) | 13.500 € | 2.700 € |
| Debit Visa/Mastercard (450.000 €) | 6.750 € | 2.475 € |
| Verbraucher-Kreditkarte (1.500.000 €) | 22.500 € | 9.450 € |
| Firmenkarten (150.000 €) | 2.250 € | 2.550 € |
| Gesamt pro Jahr | 45.000 € | 17.175 € |
Die Summe unter dem Strich ist eindeutig: 45.000 € gegen 17.175 €, eine Differenz von rund 27.800 € im Jahr. Der IC++-Preis entspricht einem effektiven Disagio von 0,57 %, der Blended-Satz liegt bei 1,5 %. Auf den ersten Blick wirkt der Unterschied klein, in absoluten Euro ist er es nicht, weil der große Umsatz jeden Zehntelprozentpunkt vervielfacht.
Eine Zeile lohnt den zweiten Blick: Bei den Firmenkarten ist Blended sogar günstiger (2.250 € gegen 2.550 €). Der Grund ist die gleiche Regulierung von der anderen Seite. Firmenkarten fallen nicht unter die Interchange-Deckelung und kosten im Pass-Through real oft 1,7 % oder mehr. Ein Blended-Satz von 1,5 % unterschreitet das und verschiebt die Mehrkosten auf die günstigen Segmente. Genau das ist der Mechanismus: Blended quersubventioniert die teuren, unregulierten Karten mit einem Aufschlag auf girocard und Debit. Bei einem Betrieb mit vielen Firmenkarten kann das Bild kippen, bei überwiegend privaten Karten gewinnt Pass-Through klar.
Der Kreditkartenanteil ist der eigentliche Hebel
Warum trifft das Thema gerade hochpreisige Betriebe? Weil der Kartenmix mit dem Bonwert kippt. Wer eine Couch, eine Einbauküche, eine Uhr oder eine Anzahlung fürs Auto bezahlt, greift deutlich häufiger zur Kreditkarte als beim Wocheneinkauf. Kunden nutzen den Kreditrahmen, die Zahlungsziele und teils die Ratenfunktion ihrer Karte. In vielen Möbel- und Schmuckgeschäften liegt der Kreditkartenanteil daher bei 45 bis 60 % des Umsatzes, während er im Lebensmittelhandel oft unter 20 % bleibt. Kreditkarten sind aber genau die Karten mit dem höchsten regulierten Interchange und den höchsten Scheme-Fees. Ein hoher Kreditkartenanteil verschärft den Blended-Nachteil doppelt: teurere Karten und größere Beträge treffen zusammen.
Dazu kommt die Streuung der Kartentypen. Im Premium-Segment tauchen mehr Gold-, Platin- und Business-Karten auf, deren Netzentgelte über den Standardkarten liegen. Ein Blended-Satz mittelt das weg und wirkt dadurch harmlos, obwohl er die teuren Karten nur versteckt. Ein Pass-Through-Modell macht jede dieser Karten sichtbar. Das ist unbequemer zu lesen, aber ehrlicher abgerechnet, und es gibt Ihnen die Datengrundlage, um über den Kartenmix und die Konditionen zu sprechen, statt nur über eine einzige Pauschalzahl.
Ein zweiter Effekt betrifft die Verhandlung selbst. Bei großen Bons zählt jeder Basispunkt Marge in echtem Geld. Ein Acquirer, der bei 3 Mio € Umsatz seine Pass-Through-Marge um 0,1 Prozentpunkte senkt, gibt 3.000 € im Jahr ab. Bei einem Blended-Vertrag ist diese Marge dagegen in der Pauschale unsichtbar und lässt sich schwerer angreifen. Transparenz beim Preismodell ist deshalb nicht nur eine Frage der Abrechnung, sondern die Voraussetzung für jede spätere Nachverhandlung.
Auch die Scheme-Fees wirken bei hohem Bonwert anders, als viele erwarten. Ein Teil dieser Netzentgelte ist prozentual, ein Teil ist ein fester Betrag pro Transaktion. Bei einem 5-€-Bon dominiert die feste Komponente und macht die Zahlung relativ teuer, bei einem 4.000-€-Bon verschwindet sie fast im Verhältnis zum Umsatz. Das spielt dem Pass-Through-Modell zusätzlich in die Hände: Genau die Kosten, die bei großen Beträgen relativ klein werden, gibt Pass-Through unverändert weiter, während Blended sie mit einem festen Prozentsatz überdeckt. Wer viele große Bons abwickelt, verschenkt mit einer Pauschale also gleich zweifach: beim gedeckelten Interchange und bei den anteilig schrumpfenden Netzentgelten.
Was das für Ihre Preismodell-Wahl heißt
Für Betriebe mit hohem Durchschnittsbon ist die Richtung klar: Ein Pass-Through-Modell schlägt Blended fast immer, sobald der Kreditkartenanteil nennenswert ist. Die Ausnahme sind Sortimente mit sehr vielen Firmenkarten oder internationalen Karten, wo die unregulierten Entgelte den Blended-Vorteil bei den günstigen Segmenten auffressen können. Das lässt sich aber nicht raten, sondern nur an der eigenen Abrechnung nachrechnen. Der ehrlichste Vergleich ist immer das effektive Disagio: alle Kartenkosten eines Monats geteilt durch den Kartenumsatz.
Ab welcher Größe sich der Wechsel lohnt, hängt weniger am Umsatz als am Bonwert. Als grobe Orientierung: Sobald der Durchschnittsbon über etwa 200 € liegt und der Kreditkartenanteil über 30 %, ist IC++ in fast allen Fällen günstiger. Wie die beiden Modelle im Detail rechnen und wo die Bruchlinie genau verläuft, zeigt der direkte Kostenvergleich zwischen IC++ und Blended. Was in Ihrer Branche als faires Disagio gilt, ordnen die Benchmarks für 2026 ein.
Der praktische Weg ist unspektakulär: Nehmen Sie drei aufeinanderfolgende Monatsabrechnungen, ermitteln Sie den Kartenumsatz und die tatsächlichen Gesamtkosten, teilen Sie durch, und Sie haben Ihr echtes effektives Disagio. Liegt es bei einem hochpreisigen Sortiment deutlich über 1 %, ist Blended der wahrscheinlichste Grund. Dann lohnt der Blick auf ein Pass-Through-Angebot und, wenn nötig, die Nachverhandlung der Acquirer-Marge, die im transparenten Modell erstmals verhandelbar wird.
Häufige Fragen
Warum ist Blended bei großen Bons teurer als IC++?
Ab welchem Durchschnittsbon lohnt sich Pass-Through-Pricing?
Gilt der Vorteil auch bei Firmenkarten?
Wie erkenne ich, welches Modell ich aktuell habe?
Unterm Strich entscheidet bei hochpreisigen Sortimenten nicht die Höhe des Prozentsatzes auf dem Angebot, sondern welches Modell dahintersteht. Ein halber Prozentpunkt klingt nach wenig und kostet bei 3 Mio € Umsatz 15.000 € im Jahr. Wer große Bons abwickelt, sollte die eigene Abrechnung deshalb nicht nach der beworbenen Pauschale beurteilen, sondern nach dem effektiven Disagio und dem Kartenmix, der dahintersteckt. Die Rechnung ist in einer Stunde gemacht und beantwortet die einzige Frage, die zählt: Was kostet mich eine Zahlung wirklich, und wie viel davon ist Modell statt Kosten?
Verwandte Begriffe
- Blended-PricingBeim Blended-Pricing zahlt der Händler für jede Karte denselben Mischsatz: einfach abzulesen, aber intransparent, weil Interchange, Scheme-Fee und Marge nicht getrennt ausgewiesen werden.
- IC++ (Interchange++)IC++ ist ein transparentes Preismodell, das jede Transaktion in drei offen ausgewiesene Bausteine zerlegt: Interchange + Scheme-Fee + Acquirer-Marge.
- Pass-Through-PricingPass-Through-Pricing reicht Interchange und Scheme-Fees in tatsächlicher Höhe an den Händler durch; verhandelt wird nur die separat ausgewiesene Acquirer-Marge.
- DisagioDas Disagio ist das prozentuale Entgelt, das ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer abführt, typischerweise zwischen 0,3 % und über 2 % je nach Kartenmix und Modell.
- InterchangeDas Interchange-Entgelt fließt vom Acquirer an die kartenausgebende Bank des Kunden. In der EU ist es gesetzlich gedeckelt: 0,2 % bei Verbraucher-Debit-, 0,3 % bei Verbraucher-Kreditkarten.