Grundlagen & Vertrag
Kassensystem mit integrierter Kartenzahlung: Was das Paket kostet
Kassensysteme mit integrierter Kartenzahlung rechnen oft pauschal 1,23 bis 1,39 % ab. Mit ZVT und eigenem Vertrag spart eine Restaurantgruppe mit 1,6 Mio. € Kartenumsatz rund 4.200 € im Jahr.
Ein Kassensystem mit integrierter Kartenzahlung rechnet Ihre Kartenumsätze in der Regel pauschal ab: Öffentlich genannte Sätze liegen bei 1,23 bis 1,39 Prozent, und der Zahlungsvertrag hängt an der Kasse. Ab etwa einer halben Million Euro Kartenumsatz im Jahr ist es meist günstiger, das Terminal über die ZVT-Schnittstelle anzubinden und einen eigenen Acquiring-Vertrag zu verhandeln. Für eine Restaurantgruppe mit zwei Standorten und 1,6 Mio. Euro Kartenumsatz macht das nach Terminal- und Softwarekosten rund 4.200 bis 5.100 Euro im Jahr aus.
Wie Kassenanbieter die Kartenzahlung mitverkaufen
Cloudbasierte Kassensysteme bieten die Kartenzahlung heute häufig als eigenes Produkt an. Sie kaufen oder mieten die Kasse, das Terminal gehört zum selben System, und die Kartenumsätze laufen über einen Zahlungsdienstleister, den der Kassenanbieter ausgewählt hat. Die Einrichtung dauert oft nur Minuten, und die Zahlungen erscheinen automatisch im Kassenjournal. Dieser Komfort ist echt und für viele kleinere Betriebe der richtige Einstieg.
Der Preis ist in diesen Paketen meist ein Pauschalsatz über alle Karten. ready2order nennt für readyPay, abgewickelt mit dem Zahlungsdienstleister hobex, 1,23 Prozent auf jede Kartenart, girocard und Kreditkarte eingeschlossen. Vectron weist für seine Payment-Lösung 1,29 Prozent aus, bei American Express 1,9 Prozent. SumUp, das Kasse und Terminal ebenfalls aus einer Hand anbietet, verlangt ohne Abo 1,39 Prozent pro Vor-Ort-Zahlung. Alle Werte stammen von den Anbieterseiten, Stand September 2026.
Ein solcher Pauschalsatz ist ein Blended-Preis. Er rechnet eine girocard-Zahlung, deren Kosten beim Acquirer niedrig sind, zum selben Prozentsatz ab wie eine Verbraucher-Kreditkarte. Für Sie heißt das: Der günstigste Teil Ihres Kartenmixes wird zum Preis des teuersten abgerechnet. Wie stark das einen girocard-lastigen Mix belastet, rechnet der Beitrag zum Sammelvertrag im Detail vor. Die Kasse fügt dieser bekannten Rechnung eine zweite Ebene hinzu: Der Satz ist an ein Gerät und eine Software gekoppelt, die Sie über viele Jahre nutzen.
Zwei Wege, Kasse und Terminal zu verbinden
Ob das Terminal überhaupt an der Kasse hängt, ist die erste Frage. Ein Terminal ohne Anbindung, in das das Personal den Betrag von Hand eintippt, ist die einfachste und zugleich fehleranfälligste Lösung. Die Folge sind Tippfehler und Differenzen zwischen Kassenjournal und Kartenabrechnung, gerade beim Trinkgeld. Für einen Betrieb mit mehreren Standorten kommt deshalb praktisch nur eine integrierte Lösung infrage. Integriert heißt aber nicht automatisch Paket. Es gibt zwei Wege, die sich im Alltag an der Kasse gleich anfühlen.
Das geschlossene Paket
Im geschlossenen Paket spricht die Kasse nur mit dem eigenen Terminal des Kassenanbieters, und dieses Terminal rechnet nur über den vorgegebenen Zahlungsdienstleister ab. Ihr Vertragspartner für die Kartenzahlung ist der Kassenanbieter oder der Partner, den er bestimmt. Den Satz verhandeln Sie nicht, er steht in der Preisliste. Wollen Sie den Zahlungsdienstleister wechseln, brauchen Sie in diesem Modell meist auch eine andere Kasse, weil sich das Paket-Terminal oft nicht mit einem fremden Vertrag betreiben lässt. Aus einer Preisfrage wird damit eine Investitionsfrage, und genau das hält viele Betriebe jahrelang im Paket.
Die offene Schnittstelle: ZVT
Der zweite Weg ist eine offene Schnittstelle. In Deutschland ist das die ZVT-Kassenschnittstelle, ein herstellerunabhängiges Protokoll zwischen Kasse und Kartenterminal. Der Verband der Terminalhersteller in Deutschland pflegt den Standard und stellt ihn frei zum Download bereit. Die Kasse schickt den Betrag an das Terminal, das Terminal meldet das Ergebnis zurück, und die Zahlung landet im Kassenjournal. Für das Personal sieht der Ablauf genauso aus wie im Paket.
Der Unterschied liegt im Vertrag. Das Terminal kommt von einem Acquirer oder Netzbetreiber Ihrer Wahl, und die Konditionen verhandeln Sie direkt mit ihm. Wechseln Sie später den Acquirer, tauschen Sie das Terminal und behalten die Kasse. Größere Betriebe und Ketten nutzen neben ZVT auch OPI, eine international verbreitete Schnittstelle. Für einen Mittelständler mit zwei oder drei Standorten in Deutschland ist ZVT der Normalfall. Die Anbindung ist bei den meisten Kassen und Terminals bereits enthalten. Wo ein Anbieter dafür ein Zusatzmodul oder einen höheren Softwaretarif verlangt, gehört dieser Betrag in die Rechnung.
Rechenbeispiel: zwei Restaurants, 1,6 Mio. Euro Kartenumsatz
Nehmen wir eine Restaurantgruppe mit zwei Standorten, 1,6 Mio. Euro Kartenumsatz im Jahr und einem durchschnittlichen Bon von 40 Euro. Das sind 40.000 Kartenzahlungen im Jahr, verteilt auf vier Terminals. Heute läuft alles über das Paket des Kassenanbieters zu 1,23 Prozent pauschal, ohne feste Entgelte pro Zahlung. Die Paket-Terminals sind bereits gekauft, laufende Gerätekosten fallen dort nicht an. Die Kartenrechnung beträgt 1.600.000 Euro mal 1,23 Prozent, also 19.680 Euro im Jahr.
Die Alternative ist ein eigener Acquiring-Vertrag über ZVT. Für einen Gastronomie-Kartenmix setzen wir 0,65 Prozent plus 8 Cent je Zahlung an, dieselben Werte wie im Beitrag zu Kartengebühren in der Gastronomie. Der prozentuale Teil ergibt 1.600.000 Euro mal 0,65 Prozent, also 10.400 Euro. Die festen Entgelte kommen auf 40.000 Zahlungen mal 8 Cent, also 3.200 Euro. Zusammen sind das 13.600 Euro und damit ein effektives Disagio von 0,85 Prozent.
Dazu kommen die Kosten, die das Paket nicht mehr hat. Vier Mietterminals zu je 25 Euro im Monat kosten 1.200 Euro im Jahr. Für die ZVT-Anbindung setzen wir vorsichtig einen Aufpreis von 30 Euro je Standort und Monat an, das sind 720 Euro im Jahr. Der eigene Weg kostet damit 13.600 plus 1.200 plus 720 Euro, zusammen 15.520 Euro. Die Tabelle stellt beide Wege nebeneinander.
| Kassenpaket (Pauschalsatz) | ZVT + eigener Acquiring-Vertrag | |
|---|---|---|
| Preismodell | 1,23 % auf alle Karten | 0,65 % + 8 Cent je Zahlung |
| Transaktionskosten pro Jahr | 19.680 € | 13.600 € |
| Terminals pro Jahr | bereits gekauft | 1.200 € (4 × 25 €/Monat) |
| Aufpreis ZVT-Anbindung pro Jahr | – | 720 € (2 × 30 €/Monat) |
| Gesamtkosten pro Jahr | 19.680 € | 15.520 € |
| Effektiver Satz inkl. Fixkosten | 1,23 % | 0,97 % |
| Vertragspartner | Kassenanbieter bzw. dessen Zahlungspartner | eigener Acquirer, direkt verhandelt |
Zwischen beiden Wegen liegen 19.680 minus 15.520 Euro, also 4.160 Euro im Jahr. Das gilt, obwohl der eigene Weg alle Zusatzkosten trägt und das Paket keine Gerätekosten mehr verursacht. Über fünf Jahre Kassennutzung summiert sich der Abstand auf 20.800 Euro. Rechnet der Kassenanbieter mit 1,29 statt 1,23 Prozent, steigt die Paketrechnung auf 20.640 Euro und der Abstand auf 5.120 Euro im Jahr. Wächst der Kartenumsatz, wächst der Abstand mit, weil der Pauschalsatz keine Umsatzstaffel kennt.
Ab welcher Größe sich die Trennung rechnet
Die Trennung von Kasse und Kartenzahlung hat feste Kosten und einen variablen Vorteil. Im Beispiel stehen 1.920 Euro im Jahr für Terminals und Anbindung gegen einen Satzvorteil von 1,23 minus 0,85, also 0,38 Prozentpunkten. Die Schwelle liegt bei 1.920 Euro geteilt durch 0,38 Prozent, also bei rund 505.000 Euro Kartenumsatz im Jahr. Oberhalb dieser Schwelle gewinnt der eigene Vertrag mit jedem weiteren Euro Umsatz, unterhalb ist das Paket günstiger.
Bei 300.000 Euro Kartenumsatz und derselben Ausstattung kostet das Paket 3.690 Euro im Jahr. Der eigene Weg kommt auf 2.550 Euro Transaktionskosten plus 1.920 Euro Fixkosten, zusammen 4.470 Euro und damit 780 Euro mehr. Hinzu kommt, dass ein kleiner Betrieb die 0,85 Prozent selten erreicht, weil ihm das Volumen als Verhandlungsargument fehlt. Für Betriebe ab etwa einer Million Euro Kartenumsatz mit zwei oder drei Standorten liegt die Schwelle dagegen weit hinter ihnen.
Wann das Paket die richtige Wahl bleibt
Für kleinere Betriebe ist das Paket oft die bessere Wahl. Ein einzelner Standort mit wenigen hunderttausend Euro Kartenumsatz fährt damit günstiger, wie die Rechnung oben zeigt. Auch in der Gründungsphase oder bei einem neuen Standort im Testbetrieb spricht viel für eine einzige Rechnung vom Kassenanbieter, zumal dann niemand eine Kartenabrechnung mit Dutzenden Posten lesen muss.
Teuer wird das Paket, wenn der Betrieb wächst und der Satz bleibt. Viele Betriebe starten mit einem Standort im Paket, eröffnen den zweiten und dritten im selben System und stehen irgendwann bei einer Million Euro Kartenumsatz oder mehr. Neu gerechnet hat den Satz bis dahin oft niemand. Das Paket schickt keine Abrechnung, die zum Nachrechnen einlädt, der Abzug verschwindet still in der Auszahlung.
Wo der Lock-in im Vertrag steckt
Ob Sie später wechseln können, entscheidet sich schon beim Kauf der Kasse. Vier Punkte sollten Sie vor der Unterschrift klären:
- Unterstützt die Kasse ZVT, und mit welchen Terminals ist die Anbindung getestet?
- Kostet die Anbindung eines fremden Terminals extra, und wenn ja, wie viel je Standort und Monat?
- Ist der Preis der Kassensoftware an die Nutzung der hauseigenen Kartenzahlung gekoppelt, etwa über einen Rabatt, der beim Wechsel entfällt?
- Lassen sich Kassenvertrag und Zahlungsvertrag getrennt kündigen, und welche Vertragslaufzeit gilt jeweils?
Bei einer bestehenden Paket-Kasse kommt eine Frage hinzu: Was passiert mit den gekauften Terminals? Sie lassen sich nach einem Wechsel oft nicht weiter nutzen. Ihr Kaufpreis ist allerdings bezahlt, egal wie Sie entscheiden. Für die Entscheidung zählt nur, was ab jetzt jedes Jahr anfällt, und genau das bildet das Rechenbeispiel ab.
So gehen Sie mit einer bestehenden Paket-Kasse vor
Wer heute schon im Paket steckt, braucht keinen Kassenwechsel, um die Kosten zu prüfen. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:
- Jahres-Kartenumsatz aus der Kasse ziehen und mit dem Paketsatz multiplizieren. Das ist Ihre heutige Kartenrechnung.
- Beim Kassenanbieter schriftlich nachfragen, ob Ihre Version ZVT unterstützt und was die Anbindung kostet.
- Ein Angebot für einen eigenen Acquiring-Vertrag einholen, mit Satz je Kartenart, festen Entgelten pro Zahlung und Terminalmiete.
- Beide Wege wie im Rechenbeispiel gegenüberstellen, einschließlich aller Zusatzkosten.
Mit dem Angebot in der Hand haben Sie auch gegenüber dem Kassenanbieter eine Verhandlungsposition. Ob er vom Listensatz abweicht, erfahren Sie nur, wenn Sie ein konkretes Gegenangebot vorlegen. Ob danach ein Wechsel oder das Nachverhandeln der schnellere Weg ist, hängt vom Abstand der Angebote und vom Aufwand der Umstellung ab. Beide Wege vergleicht der Beitrag Acquirer wechseln oder nachverhandeln.
Häufige Fragen zu Kassensystem und Kartenzahlung
Kann ich an jedes Kassensystem ein beliebiges Kartenterminal anschließen?
Kostet die ZVT-Anbindung extra?
Was ist der Unterschied zwischen ZVT und OPI?
Kann ich den Satz im Kassenpaket nachverhandeln?
Die Kasse ist eine Investition für viele Jahre, der Kartensatz ein laufender Posten, der mit jedem Euro Umsatz wächst. Wer beides beim nächsten Kassenkauf trennt, behält die Integration und gewinnt den Verhandlungsspielraum zurück.
Verwandte Begriffe
- AcquiringAcquiring ist die Abwicklung von Kartenzahlungen auf Händlerseite: Der Acquirer reicht Transaktionen bei den Kartennetzwerken ein und schreibt dem Händler den Umsatz gut.
- Blended-PricingBeim Blended-Pricing zahlt der Händler für jede Karte denselben Mischsatz: einfach abzulesen, aber intransparent, weil Interchange, Scheme-Fee und Marge nicht getrennt ausgewiesen werden.
- PSP (Payment Service Provider)Der Payment Service Provider (PSP) liefert die technische Anbindung Ihrer Kartenzahlung an den Acquirer: Terminal, Gateway, Kassenschnittstelle. Seine Entgelte fallen je Transaktion und Terminal an.
- KartenmixDer Kartenmix ist die Verteilung der Umsätze über Kartenarten (Debit, Kredit, Firmen-, Auslandskarten). Er bestimmt die effektiven Gebühren stärker als jeder Verhandlungstrick.
- DisagioDas Disagio ist das prozentuale Entgelt, das ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer abführt, typischerweise zwischen 0,3 % und über 2 % je nach Kartenmix und Modell.